Heimweh - ein uraltes Gefühl

Heimweh - ein uraltes Gefühl

Fortsetzung des Generationen-Projekts: Die prämierten "Videofuzzies" der Ganztags-Grundschule Hillesheim haben gemeinsam mit Senioren in Holland einen Film über "Heimweh" gedreht - und so nebenbei die Verständigung zwischen Jung und Alt weiter verbessert.

Domburg/Hillesheim. (red) Bevor sie die ersten aufgepeitschten Wellen am Nordsee-Strand von Domburg (Niederlande) sehen, erreicht salziger Meeresgeruch die Nasen. Die zwölf Kinder der Grundschule Hilllesheim ziehen die Schuhe aus, krempeln die Hosen hoch und rennen zum Meer. Das fühlt sich anders an. Ganz anders als die Maare, Hügel und Wälder in der heimischen Eifel. Die Ganztagsschule in Hillesheim hatte vergangenes Jahr beim bundesweiten Wettbewerb der deutschen Kinder- und Jugendstiftung den dritten Platz mit dem Videoprojekt "Alt trifft Jung vor der Kamera" belegt. Ein Jahr danach führt die Video-AG die Verständigung zwischen den Generationen fort. Die Grundschulkinder, ein Medienpädagoge und zwei Lehrerinnen bringen den "alten Bekannten", das Heimweh, vor der Kamera zum Sprechen. Was Heimweh ist, erfahren die Kinder vor allem durch den Kontrast mit den Erzählungen der beiden mitgereisten Senioren. Am Strand teilt Medienpädagoge Christian Kleinhanß die zwölf Videofuzzies, das sind die Teilnehmer der Video-AG der Ganztagsschule, in drei Gruppen ein. Sein Arbeitsauftrag: "Was ist hier anders als in der Eifel?" Bevor sie loslegen, frischt Kleinhanß die Kenntnisse der Kinder im Umgang mit Videokamera und Mikrofon auf. Dann schwärmen die Kinder aus und erforschen die Fremde. "Kamera ab, Ton läuft!", heißt es jetzt."Heimweh ist, wenn man wieder nach Hause will"

"Manches hier in Holland ist besser, manches schlechter. Ich mag den Strand, aber ich hasse den Sand in den Klamotten", sagt der zehnjährige Jonas vor laufender Kamera. Seine Worte sind im Wind kaum zu hören. Die Filmaufnahmen gelingen nur in Teamarbeit. "Ein ganzes Filmprojekt ist gefährdet, wenn das Team nicht gut funktioniert", weiß Kleinhanß aus Erfahrung. Für ihn besteht der größte Reiz der Medienpädagogik neben dem bewussten Umgang mit Medien darin, die Innenwelt der Kinder einzufangen, eine Innenwelt, wie sie selbst Eltern und Lehrer nur selten kennen lernen. Erfrischend wie die Meeresluft ist die Beschreibung des Heimwehs durch die zehnjährige Nina: "Heimweh ist, wenn man in der Fremde ist, und sofort wieder nach Hause will", sagt sie. Anschließend steht die Schülerin nicht mehr vor der Kamera, sondern dahinter und hält das bauschige Mikrofon in Richtung Rentnerin Marlene Jakoby, die im Sand kauert. "Heimat ist ein gutes Gefühl, das mit den Wäldern verbunden ist, die wir durchstreift haben, mit der Eifel und der wunderschönen Natur", sagt sie. Doch für sie sind auch Menschen die Heimat: die Verwandten, Kinder und Enkel. Am dritten Tag in Holland möchte kein Schüler nach Hause. Heimweh haben andere: die Eltern, die daheim sehnsuchtsvoll auf ihre geliebten Quälgeister warten. Als die Kinder mit dem Bus auf den Viehmarkt in Hillesheim eintreffen, stehen ihnen Tränen in den Augen.

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