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Herrchen und Frauchen zahlen künftig mehr

Herrchen und Frauchen zahlen künftig mehr

Seit dem 1. Januar nimmt Gerolstein am kommunalen Entschuldungsfonds teil, um seinen Schuldenberg abzubauen. Dafür erhöht die Stadt neben den Parkgebühren auch die Hundesteuer - zum Leidwesen der Besitzer.

Gerolstein. In diesem Monat gehen die Bescheide raus: Wer einen Hund hat, muss mehr Steuern zahlen. Genauer gesagt 25 Euro mehr pro Tier. "Für den Ersthund sind es jetzt 80 Euro im Jahr", erklärt Hans-Josef Hunz vom Gerolsteiner Rathaus.
"Der zweite Hund kostet dann 130 Euro, jedes weitere Tier 180 Euro."
In Gerolstein sind 350 Ersthunde und 30 Zweithunde gemeldet. Bislang nimmt die Stadt demnach knapp 23 000 Euro Hundesteuer pro Jahr ein, die erhöhten Gebühren sorgen für Mehreinnahmen von rund 9500 Euro pro Jahr.
Hundebesitzer verärgert


Wütende Hundebesitzer sind im Rathaus noch nicht Sturm gelaufen. Hunz sagt: "Wir haben die Änderung in der Haushaltssatzung beschlossen und im Mitteilungsblatt veröffentlicht, aber das lesen die meisten ja nicht."
Auf der Straße nachgefragt, wird der Unmut der Herrchen und Frauchen allerdings deutlich. "Das nur auf die Hundehalter abzuwälzen, finde ich nicht gut. Das sind ja fast 50 Prozent mehr", ereifert sich Christian Schweitzer und verlangt Gegenleistungen. "Dann müssen auch wieder Hundeklos aufgestellt werden, zum Beispiel am Kyllweg." Ähnlich argumentiert Gabi Endres: "Es gab ja mal eins, aber da waren die Tüten immer alle. In Tirol, wohin wir mit dem Hund in Urlaub fahren, gibt\'s die an jeder Ecke." Ihr Mann Gustav reagiert lakonisch: "Wie will die Stadt denn damit Schulden abtragen?"
Rathaus-Mann Hunz klärt auf, dass die Hundesteuer nicht zweckgebunden wie eine Gebühr sei, sondern in den großen Steuertopf fließe. "Die Einnahmen werden nicht dafür verwendet, dass die Stadt von den Verunreinigungen der Tiere gesäubert wird. Vielmehr handelt es sich um eine Luxussteuer, die nach dem Motto erhoben wird: Wer sich ein Tier halten kann, kann auch eine gewisse Summe an die Allgemeinheit abführen."
In der Stadt Gerolstein gibt es seit zwei Jahren kein öffentliches Hundeklo mehr. Der städtische Vorarbeiter Harald Kreis sagt, wieso: "Das Hundeklo am Kyllweg ist dem Vandalismus zum Opfer gefallen: Die Tüten waren immer rausgerissen und überall verteilt, und im Behälter wurde zumeist Hausmüll entsorgt." Daher sei es abgebaut und kurze Zeit später wieder aufgebaut worden. "Als das ganze Spiel aber wieder von vorne anfing, hat die Stadt verfügt, dass es dauerhaft abgehängt wird", sagt Kreis.
Die beiden anderen Einrichtungen am Rondellvorplatz und auf dem Altstadtparkplatz an der Normaluhr seinen im Rahmen der Bauarbeiten in der Hauptstraße abgebaut worden. Wann, wo und ob überhaupt wieder Hundeklos aufgebaut werden sollen, ist derzeit unklar.
Als die Klos noch hingen, wurden sie von der städtischen Kolonne bei der wöchentlichen Müll-Tour betreut. Das heißt: Fehlende Tüten wurden aufgefüllt und der Inhalt des Eimers geleert.Extra

Die Stadt Gerolstein beteiligt sich am Entschuldungsfonds des Landes und wird so in den nächsten 15 Jahren 6,2 Millionen Euro Schulden abbauen. Der jährliche Eigenanteil von rund 137 000 Euro wird über höhere Steuern und Gebühren erzielt. Angehoben werden neben den Parkplatzgebühren die Grundsteuern A und B für Hausbesitzer, die Gewerbesteuer, die Hundesteuer und ab 2013 auch die Gebühren für die Nutzung des Wohnmobilstellplatzes. Alles in allem kommen so laut Prognose gut 200 000 Euro mehr in den Stadtsäckel. Der Überschuss soll laut Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) als Puffer für die jährlich schwankende Gewerbesteuer dienen. Zum Stichtag am 31. Dezember 2009 hatte die Brunnenstadt Verbindlichkeiten in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Durch die Beteiligung am Entschuldungsfonds sollen in 15 Jahren davon nur noch 1,35 Millionen Euro übrig sein. mh