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Hilfe für Afrika aus Daun: Ein Zuhause für kleine „Prinzen“

Soziales : Ein Zuhause für kleine „Prinzen“

Der Lionsclub Daun und Bäckermeister Josef Utters haben beim Besuch in Kenia erfahren, dass Hilfe aus der Eifel ankommt.

Es liegt offenbar in der Natur etlicher Vulkaneifeler, über den Tellerrand zu schauen und das oft sogar ganz weit. Vor zehn Jahren tat das zum Beispiel die Betteldorferin Sabine Kapell. Sie leistete ein ökologisches Freiwilligenjahr in Kenia, unweit des Victoriasees. Dort lernte sie die Probleme von Waisenkindern kennen: Armut und Krankheit trafen und treffen gerade die Schwächsten, deren Eltern entweder starben oder nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern. Kapell nahm zwei stark unterernährte, schwerkranke Kinder selbst auf und wusste doch sofort, dass es dabei nicht bleiben sollte. Mittlerweile ist ein Hilfsprojekt namens „Little Prinz Kenya“ und 2012 auch eine feste Einrichtung entstanden, in der 26 Kinder und Jugendliche betreut werden. Das Heim liegt in Shinyalu, einer kleineren Gemeinde am Rande des Kakamega-Regenwalds und fern der Metropole Nairobi. Nicht wenige der Kinder waren zuvor dort sich selbst überlassen und lebten auf der Straße.

Angeschlossen ist seit 2014 eine Schule, die auch den anderen Kindern von Shinyalu und Kakamega zugänglich ist. Allerdings benötigt die Little Prinz Academy als nichtstaatliche Privateinrichtung Schulgeld. Sie vermittelt mathematische, naturwissenschaftliche, gesellschaftliche und auch englischsprachliche Kenntnisse. „Wichtig ist auch der seelische Halt, den diese Erziehung gibt“, sagt Bäckermeister Josef Utters aus Dockweiler. Er ist einer jener Mitstreiter, die Sabine Kapell schnell motivieren konnte mitzuhelfen. Utters machte den Lions Club Daun, dessen Mitglied und derzeitiger Präsident er ist, auf das Hilfsprojekt aufmerksam, regelmäßig sammelt der Club Spenden für Little Prinz Kenya. So stehen in manchen Läden wie etwa Utters‘ Bäckerei Sammelbüchsen, auch gibt es – außer in diesem Jahr – Karnevals-Spendenaktionen, wenn Eifeler Kinder unter dem Motto „Bokere jon“ von Haus zu Haus ziehen und für ihren Gesang belohnt werden.

Und vor einigen Wochen reisten Josef Utters, sein 20-jähriger Sohn Raphael sowie drei weitere Unterstützer und Unterstützerinnen nach Shinyalu, um selbst den Alltag im Little Prinz Kinderheim kennen zu lernen und Spendengelder zu übergeben. „Die hatten wir eigentlich gesammelt, um den Kindern Schuhe zu kaufen“, erinnert sich Utters. „Doch dann stellten wir fest: Es wird noch ganz andere Hilfe benötigt, und zwar sofort!“ Nach einem tropischen Ungezieferbefall wurden neue Betten, Matratzen und Bettwäsche am dringendsten gebraucht. „Alles hatte verbrannt werden müssen und die Kinder schliefen auf dem Boden, bevor sie morgens als erstes Wasser holen. Denn fließendes Wasser gibt es auch noch nicht.“ Für Utters und seine Mitreisenden eine Art Kulturschock.

Die Lösung jedoch wurde schnell gefunden. Der Dorfschmied von Shinyalu ließ sich überzeugen, einen guten Sonderpreis für stabile neue Metallbetten zu machen. „Nach zwei Tagen lieferte er einen Prototyp… er war perfekt“, freut sich Utters. „Das hat uns gezeigt, unsere Hilfe kommt auch wirklich an und funktioniert. Vor allem ohne staatliche Umwege und wenn sie direkt vor Ort den Menschen nützt.“

Für den Auftrag konnte der Schmied noch jemanden einstellen. Bettwäsche und Matratzen wurden in der Kleinstadt Kakamega besorgt und auf für deutsche Verhältnisse abenteuerlichen Wegen mit dem Tuctuc transportiert – umgebauten Mofas. Problem gelöst. Für die Schulabsolventen von Little Prinz in Shinyalu allerdings stelle sich die Frage, was sie aus ihrem Leben machen, wenn sie volljährig das Heim verlassen müssen. Sie seien gut drauf und ehrgeizig, handfeste Berufe zu erlernen „Und für uns, nicht nur im Lions Club, stellt sich die Frage, ob es nicht Sinn macht, diesen jungen Leuten hier Praktika oder Ausbildungen zu ermöglichen“, denkt Utters laut nach. Denn wenn sie gut integriert bleiben, können sie hierzulande den Fachkräftemangel etwa im Handwerk lindern helfen. Wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, können sie dort einen Beitrag zum Wiederaufbau einer wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur leisten, welche in ganz Afrika durch Kolonialisierung und Globalisierung immer löchriger und abhängiger von Importen wurde. „Wir haben uns schon bei der Handwerkskammer schlau gemacht“, sagt Utters, „es wäre durchaus möglich.“