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Hillesheim: Hotel Augustiner Kloster wird nach verlorenem Rechtsstreit geräumt​

Rechtsstreit um Hillesheimer Hotel verloren : „Bin mir sicher, dass unser Nachfolger gerne einiges an Inventar übernommen hätte“: Augustiner Kloster wird geräumt

Nach dem verlorenen Rechtsstreit und der damit verbundenen Pflicht zur Zwangsräumung hat die Pächterin, die Augustiner-Kloster GmbH, bereits damit begonnen, das Hotel auszuräumen. Derweil denkt die Stadt Hillesheim an eine neue Zukunft der Herberge.

Stapelweise Umzugskartons, Aktenberge, abmontierte Flachbild-Fernseher, Stehlampen, Schränke und Stühle warten im Foyer und im überdachten Innenhof des Hotels auf ihren Abtransport in Richtung Gerolstein. Dort soll alles eingelagert werden. „Ich bin mir sicher, dass unser Nachfolger gerne einiges an Inventar übernommen hätte“, sagt Hoteldirektor Ruud Zillig. „Doch wir wissen nicht, wer es ist - und die Stadt Hillesheim pocht darauf, dass wir das Haus räumen.“

Somit seien alle Mitarbeiter des Hauses zurzeit damit beschäftigt, das Eigentum des bisherigen Betreibers, der Augustiner Kloster GmbH, den Zimmern, Fluren und dem Restaurant zu entnehmen und es im Eingangsbereich zu sammeln. „Außer diejenigen Mitarbeiter, denen wir Büroräume im Krimihotel eingerichtet haben. Sie sind seit Tagen damit beschäftigt, Stornierungen zu schreiben“, sagt Zillig. Rund 500 Absagen im Zeitraum bis Herbst diesen Jahres würden da wohl zusammenkommen, schätzt der Direktor. Insofern sei es nicht nachvollziehbar, dass keine einvernehmliche Übergabe stattfinde: „Wir hätten die Buchungen weitergegeben.“

Er habe sich mit der Situation abgefunden, sagt Ruud Zillig. „Wir werden uns nun auf die Geschäfte im Krimihotel konzentrieren. Und wir wollen unserem Nachfolger im Hotel Augustiner Kloster ein guter Nachbar sein.“ Die Räumungsarbeiten sollen so bald wie möglich abgeschlossen sein: „Wir wollen Ende Juli, Anfang August besenrein übergeben.“

Selbstverständlich seien auch einige Ausbesserungen vorzunehmen: „Hierbei sind wir zeitlich von den externen ausführenden Firmen abhängig“, berichtet Zillig. Traurig sei er schon, gibt der Hoteldirektor zu. „Wir hatten das richtige Team und die richtige Geschäftsführung zur passenden Zeit.“ Corona und die Flut hatten den Betrieb in den vergangenen zwei Jahren stark beeinträchtigt, den Neustart am 1. Juli hätte die gesamte Belegschaft herbeigesehnt. Doch bald schon, wenn das Augustiner Kloster geräumt sei, komme die schlimmste Aufgabe auf ihn zu, die er sich vorstellen könne. „Am Tag X muss ich mehrere Mitarbeiter entlassen. Das ist immer furchtbar, aber in diesem Fall ist es besonders bitter, weil wir hier immer respektvoll miteinander umgegangen sind und der Teamgedanke, das familiäre Miteinander, stets im Vordergrund standen.“ Immer noch herrsche Ratlosigkeit unter den Mitarbeitern, ob sie unter einer neuen Führung des Hotels Augustiner Kloster weiter beschäftigt werden. „Es gibt keine Informationen“, sagt Ruud Zillig.

Erwartungsgemäß ganz anders ist nach dem gewonnenen Gerichtsverfahren die Stimmung auf Seiten der Stadt, der Eigentümerin des Hotels. Dort wird bereits an eine neue Zukunft für die Vier-Sterne-Herberge gedacht. Auf die Frage, ob nun eine erneute Verpachtung oder ein Verkauf des Hotels an einen neuen Interessenten angestrebt werde, antwortet der Erste Beigeordnete Gerald Schmitz (CDU), der zuständig für Bauangelegenheiten und somit weitgehend auch für das Hotel ist: „Der Verkauf ist ganz klar das Ziel.“ Es würden bereits vielversprechende Gespräche mit einem Interessenten geführt. Schmitz: „Es gibt zwar noch keine Verträge, aber es sieht gut aus. Und es ist natürlich auch klar, dass das Haus als Hotel weiter betrieben wird. Das ist Grundvoraussetzung für einen Verkauf.“

 Kisten sind gepackt und warten auf den Abtransport. Das Inventar, wie hier aus dem großen Speisesaal im Atrium, wird jetzt in Gerolstein eingelagert.
Kisten sind gepackt und warten auf den Abtransport. Das Inventar, wie hier aus dem großen Speisesaal im Atrium, wird jetzt in Gerolstein eingelagert. Foto: Nowakowski Vladi

Der Interessent, dessen Namen er noch nicht nennen möchte, habe „sehr große Erfahrung in der Hotellerie“, er habe sich in der Verbandsgemeinde niedergelassen und er habe das „Bekenntnis abgegeben, langfristig mit der Stadt und den Tourismusorganisationen vor Ort zusammenzuarbeiten - was beim bisherigen Pächter zuletzt ja nicht mehr der Fall war“. „Unsere Erwartungshaltung ist daher sehr positiv“, sagt Schmitz und nennt als Wunschdatum für die Wiedereröffnung des dann nach der Flut hoffentlich komplett generalsanierten Hauses: „Den 1. Januar 2023.“ Bis dahin müssen aber noch der gesamte Wellnessbereich sowie das Schwimmbad im Untergeschoss neugebaut und ein neuer Fahrstuhl installiert werden. Damit das Datum gehalten werden könne, sei es von Vorteil, wenn das Haus bis dahin geschlossen bliebe. Denn dann könnten die Arbeiten ungehindert und annähernd rund um die Uhr in Angriff genommen werden. Er könne sich aber auch, so Schmitz, eine Zwischenlösung vorstellen. Die sähe so aus, dass der potentielle Käufer das Haus zunächst anmiete und bereits im Vorfeld öffne - ohne Wellness und Schwimmbadbereich.

Das hänge aber letztlich auch davon ab, bis wann die jetzige Pächterin das Haus geräumt habe, was sie alles mitnehme und bis wann „wir die von uns angemahnten und vom Gericht bestätigten Sicherheitsmängel an der Elektrik und der Brandmeldeanlage beheben können und so die behördliche Freigabe bekommen“, so Schmitz. 

Hillesheim: Hotel Augustiner Kloster wird nach verlorenem Rechtsstreit geräumt​
Foto: Nowakowski Vladi

Für die Zwischenlösung spreche, dass sie für die Mitarbeiter von großem Vorteil sei, denn, so Schmitz: „Wir zählen auf jeden Mitarbeiter, der weitermachen will.“ 

Anders als die Anwältin der Pächterin, die die sofortige Räumungsverfügung als Eskalation bezeichnet hat, sieht Schmitz die aktuelle Situation. Er sagt: „Wir haben einen Räumungstitel, worauf sollen wir jetzt noch warten?“ Im Übrigen wäre der Stadt von jeher „eine gütliche Einigung lieber gewesen“.