Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein kündigt Rückzug an

Politik : Matthias Stein kündigt Rückzug an

Hillesheims langjähriger Stadtbürgermeister wird bei der Kommunalwahl 2019 nicht mehr kandidieren.

Diesmal war alles anders bei der Jahresabschlusssitzung des Stadtrats Hillesheim: Es stand unüblicherweise nicht der Haushalt für nächstes Jahr im Zentrum der Zusammenkunft. Denn der konnte wegen der Arbeit, die die Fusion der drei Verbandsgemeinden Hillesheim, Gerolstein und Obere Kyll zur neuen VG Gerolstein macht, nicht aufgestellt werden.

Und es war irgendwie auch weniger behaglich bei der traditionellen Zusammenkunft nach dem offiziellen Teil. Denn an dessen Ende hatte Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU) angekündigt, eine Erklärung abgeben zu wollen. Da ging ein Raunen durch die Reihen, denn den meisten dämmerte, was nun folgen würde: Sichtlich emotional – ihm versagte mehrmals die Stimme – erklärte der Stadtbürgermeister, dass er nur noch bis Mai 2019 das Amt ausüben und bei der Kommunalwahl nicht mehr kandidieren werde. Im Raum wurde es fortan mucksmäuschenstill, als Stein, der seit 21 Jahren die Geschicke der Beispielstadt lenkt und seit 45 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv ist, sich erklärte. Er sagte: „Ich werde mit Ablauf der jetzigen Wahlperiode im Mai 2019 nicht mehr als Stadtbürgermeister kandidieren.“

Er habe „21 Jahre aktiv die Kommunalpolitik an vorderster Front mitgestaltet“, habe sich vier Mal der Urwahl gestellt und „jeweils mit guten Wahlergebnissen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hillesheim und der Ortsteile Bolsdorf und Niederbettingen erfahren“. In den 21 Jahren „mussten wegweisende Entscheidungen getroffen werden“. Diese habe er nicht alleine gefällt, vielmehr sei ihm stets an einer „guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und den Ausschüssen gelegen“ gewesen. Stein betonte auch: „Die Diskussionen waren oft kontrovers, aber durchweg fair und sachorientiert. Die Zeit war lang, interessant, oft strapaziös, aber sicher nicht ganz erfolglos.“

Er meinte: „Viele Menschen können es kaum erwarten, dass ihr Berufsleben zu Ende geht, um dann den Ruhestand zu genießen. Bei mir war und ist das etwas anders. Ich bin mittlerweile 76 Jahre alt und noch immer in einem gewissen Unruhestand.“

Im Gespräch mit dem TV verdeutlichte er dann, was letztlich den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben hat, die er gemeinsam mit seiner Frau vor etwa zwei Monaten getroffen habe und über die er nur, und das auch erst kürzlich, den Ersten Beigeordneten, seinen Stellvertreter Christoph Bröhl (FWG), unterrichtet hatte. Stein sagte: „Ich bin jetzt 76 Jahre alt und möchte einfach noch ein Leben haben. Ich möchte mit meiner Frau, die so oft zurückstecken musste, noch schön Urlaub machen.“ Denn bislang sei es immer so gewesen, dass seine Frau, selbst wenn sie am Wochenende nur einmal zum Kaffee und Kuchen oder Freunde besuchen wollte, immer erst in seinen Terminkalender habe schauen müssen – und dann habe es oftmals nicht geklappt oder sie habe alleine fahren müssen. Außerdem habe er fünf Enkelkinder, das sechste komme im Mai. Stein: „Für die will ich auch Zeit haben.“ Zudem sei ihm der selbstbestimmte Rückzug lieber: „Besser die Leute sagen: Schade, dass er geht – als dass es heißt: Gut, dass er weg ist.“

Bei den Fraktionen sorgte die Nachricht für Erstaunen, denn niemand war – mit Ausnahme des Ersten Beigeordneten – unterrichtet. Zwar wurde immer mal wieder über einen eventuellen Rückzug von Stein gemutmaßt, doch er selbst hatte die Entscheidung stets offengelassen und alle Nachfragen ignoriert (Stein: „Ich habe dichtgehalten.“). Selbst in der CDU-Fraktion gab es allenfalls eine Vorahnung. So hatte Fraktionssprecher Stephan Hoffmann noch kurz vor Steins Erklärung im Rat anlässlich des Jahresabschlusses gesagt: „Matthias Stein setzt sich seit Jahr und Tag mit viel Diplomatie, großem Verhandlungsgeschick und einem breiten Kreuz für unser Städtchen und seine Bürger ein. Und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt. Falls er dann doch einmal in den wohlverdienten Ruhestand geht, wünsche ich mir, dass er rechtzeitig ein Bäumchen pflanzt. Denn sein Nachfolger sollte aus dem gleichen Holz wie er geschnitzt sein.“

FWG-Fraktionssprecher Dieter Bernardy sagte zu Steins Abschiedsankündigung: „Ein bewegender Moment  und man spürt, dass es ihm nicht leichtfällt. Ich habe auf jeden Fall nichts gewusst.“ Er sei zwar mit Stein nicht immer einer Meinung gewesen, und beim Thema Ortsumgehung werde das wohl auch nie so sein, „doch ich denke, dass wir uns nach anfänglicher Konfrontation stark aufeinander zubewegt und so auch viel gemeinsam auf den Weg gebracht haben – allen voran das Hotel“.

Auch Fritz Thiel von der SPD, ebenfalls ahnungsungslos, war voll des Lobes: „Matthias Stein war nie der CDU-Lokalpolitiker, sondern immer der Bürgermeister für alle. Er war immer sehr umtriebig und erfolgreich. Ohne ihn würde Hillesheim jetzt nicht dastehen, wo es steht.“ Einen Nachfolger hat bislang keine der Parteien in petto.

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