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Hillesheims Tourismuschef Schmitz geht nach 30 Jahren in Ruhestand

Menschen : Miterbauer der Krimihauptstadt geht in Rente

Manfred Schmitz, Hillesheims langjähriger Tourismus-Chef und einer der Architekten des Eifeler Krimi-Booms, räumt in wenigen Tagen seinen Posten. Der Hotelstreit ärgert ihn maßlos.

Fast 30 Jahre hat sich Manfred Schmitz um die touristische Entwicklung und Vermarktung des Hillesheimer Landes gekümmert, er kennt Kulturschaffende, Händler, Gastronomen,  und Politiker wie kaum ein anderer. Und er hat in dieser Zeit eine massive Wandlung mitbekommen und zum guten Teil selbst mitgestaltet: von einer Region, die überwiegend von einigen (wenigen) geologisch Interessierten besucht wurde, hin zu einer touristischen Boom-Region mit der deutschlandweit einzigartigen Krimilandschaft samt der Krimihauptstadt Hillesheim und einem überregional bekannten Wandergebiet (Stichwort Eifelsteig). Beides enorm starke Besuchermagnete, deren Anziehungskraft auch jetzt noch nicht schwindet. Im Gegenteil!

Uber beides wird Schmitz, der Ende des Monats in Ruhestand geht, auch sprechen – aber erst später. Denn: Was beinahe aus ihm herausplatzt ist ein anderes (nicht nur) touristisch bedeutsames Thema: der Hillesheimer Hotelstreit. Dabei geht es um die Kündigung, die die Stadt als Eigentümerin des Augustinerklosters gegenüber der langjährigen Pächterin, der Augustinerkloster GmbH, ausgesprochen hat. Das Ganze ist vorm Landgericht gelandet, wo die Stadt eine herbe Schlappe erlitten hat, aber in Berufung gegangen ist. Zwischenzeitlich hat sich VG-Bürgermeister Hans Peter Böffgen als Vermittler eingeschaltet, um eine außergerichtliche Lösung zu erzielen. Schmitz sagt: „Die beiden Hotels, das Augustinerkloster und das Krimihotel, sind elementar für Hillesheim. Denn 30.000 Übernachtungen im Jahr beudeten ne ganze Menge Wertschöpfung für die Stadt, die Verbandsgemeinde, den Kreis. Wenn die Häuser zumachen, wäre das der Super-GAU für Hillesheim: Dann werden in Hillesheim manchenorts die Lichter ausgehen, denn es fehlen 30.000 Leute auf den Straßen.“

Damit meint er Schließung von Geschäften Läden in unmittebarer Nachbarschaft zu den Hotels und mit einem Sortiment, das auf (die größtenteils kaufkräftigen) Urlaubsgäste zugeschnitten ist: angefangen von Souvenirs über hochwertige Bekleidung bis hin zur Gastronomie. Daher appelliert er an alle Beteiligten: „Leute, denkt nochmal drüber nach. Lasst es nicht soweit kommen, sondern setzt euch zusammen. Es geht nur im Dialog!“ Denn wenn das Thema gerichtlich geklärt werde, gehe erstens zu viel Zeit ins Land, zweitens koste das weiter Geld und drittens werde das nie eine Basis für eine Zusammenarbeit oder Einigung darstellen. Und das eine oder andere müsse es geben zwischen Eigentümer und Pächter.“

Bei der Frage, was er als ärgerlichsten Moment während seiner touristischen Tätigkeit ansieht, kommt er denn auch sofort wieder auf das gleiche Thema zurück: „Natürlich der Hotelstreit, denn er haut wie nichts anderes touristisch ins Kontor. Die Sache hätte gar nicht so weit kommen dürfen. Letztlich hat das auch mit den sturen Schädeln auf beiden Seiten zu tun.“

Zum Standpunkt der Stadt als Eigentümerin sagt er deutlich: „Es war ein großer Fehler, so lange nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Und wenn die in dem dann nach über einem Jahr in einem offenen Brief geäußerten Gründe alles sein sollen, so halte ich es für hirnrissig, deswegen ein Hotel plattzumachen.“

Doch auch an der Betreibergesellschaft übt er Kritik: „Die Pächter machen den gleichen Fehler wie früher die, indem sie die Hillesheimer ausschließen. Sie haben zum Beispiel die Zusammenarbeit mit uns Touristikern und auch Hillesheimer Firmen aufgekündigt. Das macht sich nicht gut.“ Aber damit ist es auch gut an dieser Stelle. Themenwechsel. Krimi. Wie ist zu dem Boom gekommen?

Schmitz: „Angefangen hat alles damit, dass Michael Preute alias Jacques Berndorf in einem Interview so um das Jahr 2000 gesagt hat, dass die Touristiker pennen. Er schreibe Reiseführer der Eifel, die Eifel-Krimis, doch touristisch passiere nichts. Da haben wir beratschlagt und ich habe mir den bereits veröffentlichten Eifel-Krimi-Reiseführer von Josef Zierden genommen, einige Punkte miteinander verbunden, Ralf Kramp hat das Begleitheft geschrieben, und fertig war der erste Eifel-Krimi-Wanderweg. Das war im August 2004.“

Es kam ein zweiter Weg dazu und es wurde das erste Wochenend-Paket mit Wanderung, Krimi-Dinner, Eifel-Schnaps etc. angeboten. Für 180 Euro. „Das hat richtig eingeschlagen“, erinnert sich Schmitz und hebt einen weiteren „Glücksfall“ hervor: „2007 hat Ralf Kramp dann mit seiner Frau Monika das Kriminalhaus mit der tollen Krimi-Bibliothek samt Krimcafé in Hillesheim – und zum Glück nicht woanders – eröffnet, im gleichen Jahr wurde aus dem Hotel Fasen das Krimihotel. Fortan war Hillesheim Deutschland Krimihauptstadt.“

Stolz, daran maßgeblich mitgewirkt zu haben, aus einer Idee ein einzigartige Marke und ein gutes Geschäft geschaffen zu haben? „Na klar, zumal wir keine Vorbilder hatten, sondern einfach nachgedacht und dann angefangen haben. Aber natürlich war vieles auch glückliche Fügung. Rückblickend kann man sagen, dass 2007 das touristisch wichtigste Jahr in Hillesheims Geschichte ist“, sagt Schmitz – und freut sich, dass das Thema noch keine Verschleißerscheinungen zeige. Vielmehr habe er den Plan für den dritten Krimi-Wanderweg bereits im Kopf und werde, wenn er nächstes Jahr eröffnet wird, bei Bedarf mit von der Partie sein.

Dennoch sagt er klipp und klar: „Ich werde mit Sicherheit jetzt kein Minijobber für die Tourismus GmbH werden.“ Vielmehr habe er bereits andere Pläne, wolle viel reisen (Alaska, Singapur) und Konzerte besuchen – und zwar ganz breit aufgestellt: „Ich bin Klassik-Fan und werde wohl öfter mal in die Philharmonie nach Köln fahren. Aber auch für die hardrocker Volbeat habe ich schon Tickets für Berlin“, sagt der langjährige leiter der Bigband Niederehe. Und außerdem muss sich der Hausherr weiter um seine „Ponderosa“ in seinem Wohnort Stroheich kümmern. Was es damit auf sich, führt an dieser Stelle zu weit. Nur so viel: Es handelt sicvh um einen sprechenden Namen, die erwähnte Farbe ist nicht ganz unwichtig.