Hitzige Diskussionen bei TV-Forum zum Thema Abfallwirtschaft

Kostenpflichtiger Inhalt: Archiv - Abfallentsorgung : Hitzige Debatten über die neue Müllentsorgung im Vulkaneifelkreis beim Volksfreund-Forum

Die 2020 anstehenden Veränderungen in Sachen Abfall haben auch bei der Podiumsdiskussion des Trierischen Volksfreunds für viel Diskussionsstoff gesorgt. Gut 350 Gäste sind der Einladung ins Forum Daun gefolgt.

„Wer hätte gedacht, dass Müll so ein großes Thema werden würde“, sagt Thomas Roth, Chefredakteur des Trierischen Volksfreunds (TV), zum Auftakt der Podiumsdiskussion im Forum Daun, in der es um die zum Jahreswechsel anstehenden Veränderungen in Sachen Abfall geht.

Ein großes Thema ist es in der gesamten Region Trier, sind doch alle Bürger betroffen, aber die Vulkaneifeler treibt es wohl am stärksten um. Was sauer aufstößt, ist, dass es durch die Bank höhere Gebühren geben wird, und die Abschaffung der Biotonne. Die gibt es nur in der Vulkaneifel, 43 Prozent der Haushalte nutzen sie, aber ihr Schicksal ist besiegelt: Am 31. Dezember hat sie ausgedient. Stattdessen gibt es in den Orten künftig Biocontainer, wohin der organische Abfall gebracht werden soll.

Foto: TV/Frank Auffenberg

Viele der grundsätzlichen Entscheidungen sind – inklusive Abschaffung Biotonne – schon vor Jahren gefällt worden, der Ärger über das, was bald kommt, ist in den vergangenen Monaten stetig gewachsen.

Foto: TV/Frank Auffenberg

Der Unmut ist groß, was der TV mit einer Podiumsdiskussion aufgegriffen hat, und rund 350 Bürger sind der Einladung ins Forum Daun gefolgt. Auf der Bühne stehen mit den Moderatoren Lars Ross (TV-Lokalchef Eifel-Mosel) und Mario Hübner (Redakteur für den Kreis Vulkaneifel) unter anderem Maximilian Monzel, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART), Hans-Peter Felten (Daun), Mitglied in der Dauner Gruppe des Naturschutzbunds Deutschland, sowie Karl-Heinz Schlifter, Ortsbürgermeister von Gillenfeld. Felten und Schlifter sparen nicht mit Kritik an der Systemumstellung.

Großes Interesse an der Podiumsdiskussion des Trierischen Volksfreunds in Daun, in der es am Donnerstag um die 2020 anstehenden Veränderungen in Sachen Abfallentsorgung ging. Foto: TV/Frank Auffenberg

Felten weist darauf hin, dass es bundesweit keine Region gibt, in der die bewährte Holsystem-Biotonne abgeschafft und das Bringsystem Biotüte mit -container eingeführt werde. Seiner Auffassung nach ist die Tonne „politisch madig gemacht“ worden. „Hat die Biotonne denn überhaupt noch eine echte Chance bekommen?“, fragt er – und liefert die Antwort gleich selbst: „Nein, hat sie nicht.“ Für Gillenfelds Ortsbürgermeister ist die Abfall-Thematik ein „echtes Pulverfass“. Er berichtet von den Schwierigkeiten der Kommunen, Stellplätze für die neuen Container zu finden: „Wer will so was schon vor seiner Haustür?“ Er bemängelt die Informationspolitik des Zweckverbands: „Die Leute wissen oft nicht, was wie entsorgt werden muss. Da muss es viel mehr Aufklärung geben.“

Großes Interesse an der Podiumsdiskussion des Trierischen Volksfreunds in Daun, in der es am Donnerstag um die 2020 anstehenden Veränderungen in Sachen Abfallentsorgung ging. Foto: TV/Frank Auffenberg

Dann kommt der auf die Bühne, der sicher von vornherein wusste, dass er wenig bis gar keinen Beifall zu erwarten hat: Maximilian Monzel. Er berichtet davon, dass die Müllgebühren in der Region zu den günstigsten im Bundesgebiet gehören, und von dem gemeinsamen Weg, den die Stadt Trier und die Kreise Vulkaneifel, Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm in Sachen Abfallentsorgung gehen. Was die Biotonne in der Vulkaneifel angehe, verweist Monzel darauf, dass „57 Prozent der Haushalte gar keine haben. Das Allheilmittel ist sie also nicht. Und wer weiter selbst kompostieren will, kein Problem, da ändert sich nichts.“ Eines ändert sich aber doch für die Eigenkompostierer: Die Kosten für die Biotonne (68 Euro) konnten sie bislang sparen, künftig zahlen sie wie alle anderen.

In der Biotonne landeten 60 Prozent Grünschnitt, „und der gehört aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht dort rein“. Monzel berichtet von den Schwierigkeiten, neue Grüngut-Annahmestellen einzurichten. „Wir finden im Moment leider keine Partner in der Landwirtschaft dafür. Es sind hohe Auflagen zu erfüllen, allein 14 Behörden sind beteiligt. Aber ich sagen Ihnen zu: Um das Problem der weiten Wege zu den Annahmestellen kümmere ich mich.“ Der ART-Geschäftsführer hat erwartungsgemäß keinen leichten Stand, während seiner Ausführungen gibt es viele Zurufe aus dem Publikum. Monzel reagiert und lädt einen, der sich lautstark gemeldet hat, auf die Bühne. Die Gelegenheit lässt sich Hardy Schmidt-Ellinger nicht entgehen. Der Ortsvorsteher des Gerolsteiner Stadtteils Bewingen sieht viele Fragen nicht beantwortet. „Wir haben als kleiner Ort keinen Gemeindearbeiter, der das Areal, wo der Biomüll-Container steht, saubermacht. Und was, wenn eine Biotüte rumsteht, wer entsorgt die? Und was ist mit den Kosten, die den Gemeinden entstehen?“

Alois Manstein, der als Beigeordneter zunächst den Kreis allein vertritt (Landrat Heinz-Peter Thiel kommt später hinzu), erklärt, dass im Zuge der Änderungen „alle Gewinner sein werden“ und bittet darum, dem neuen System eine Chance zu geben. Er wundert sich nicht über die Diskussionen in der Bevölkerung: „Müll war immer ein großes Thema.“

Kritik an der Kreistagsmehrheit, die für die Abschaffung der Biotonne gesorgt hat, lässt Landrat Thiel nicht gelten. „Wir haben uns über Jahre mit dem Thema befasst und gemeinsam mit Profis eine gesetzeskonforme Lösung gefunden. Ich bin froh, dass das so kommt. Das System existiert bereits seit Jahren im Kreis Birkenfeld, und dort funktioniert es. Warum soll nicht in der Vulkaneifel klappen, was in der Nachbarschaft klappt?“

Ein Schwerpunkt der Diskussion mit dem Publikum: die Auswirkungen des neuen Systems vor allem auf Ältere oder Menschen mit Behinderungen. Wie sollen sie es schaffen, die Biotüten – die rasch aus den Haushalten entsorgt werden müssen – zu den Sammelcontainern zu bringen? Eingeräumt wurde, dass dies ein Problem sei.

Zudem gibt es einen Schlagabtausch des Landrats mit SPD-Kreistagsfraktionsvertreter Nils Böffgen um die Fragen, warum man die Ergebnisse der beauftragten Studie nicht abwartete, bevor die Umstellung auf Biotüte in Auftrag gegeben wurde, warum es keine Einsicht für die Mandatsträger in den Prüfauftrag der Studie gibt und welche Bedeutung sie für die endgültige Genehmigung des Biotütenmodells durch die SGD Nord und die ADD hat.

Thiel stellt klar: „Das wird kein Testlauf, die Ergebnisse der Untersuchung werden zu keiner Veränderung des Beschlossenen führen.“ Nabu-Vertreter Felten appellierte indessen an das Publikum, sich selbst an das Institut zu wenden und dort klarzumachen, was man von der Abschaffung der Biotonne halte. Denn seines Wissens sei Bürgerakzeptanz ein Kriterium der Bewertung. Ein Vorschlag, der beim Landrat nicht auf Gegenliebe stößt. Alois Manstein steht zum Beschlossenen, räumt aber ein: „Die Kommunikation rund um dieses vielschichtige Thema ist nicht optimal gelaufen, da hätte mehr kommen müssen. Jetzt schauen wir mal, wie es angenommen wird.“

Fazit: Auch wenn die Tonne geht und die Tüte kommt, die Diskussionen darum werden nicht so schnell beendet sein.

Auch nach mehr als zwei Stunden Veranstaltungsdauer gibt es noch viele Fragen. Denen wird sich der TV annehmen und erläutern, warum beispielsweise die Müllgebühren im Vulkaneifelkreis höher sind als im Eifelkreis. Wer weitere Fragen, Anmerkungen oder Anregungen hat, kann sich per E-Mail (eifel@volksfreund.de) an den TV wenden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 350 Menschen diskutieren über die Abfallwirtschaft im Vulkaneifelkreis

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