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Hoch auf dem gelben Wagen

Hoch auf dem gelben Wagen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren die letzten Postkutschen durch den Landkreis Daun. Für viele Menschen in der Eifel war es ein emotionaler Abschied.

Daun. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kamen die ersten offiziellen Fahrposten auf, obwohl es Kutschen und Mietkutschen schon vorher gab. 1725 schloss Kurtrier mit Thurn und Taxis einen Postvertrag, nach dem die zu Fuß gehenden Briefboten von einem Postwagen-Cours abgelöst wurden. Die französische Revolutionsregierung und auch die spätere preußische förderten die Diligences (Postkutschen) und voitures publiques (öffentliche Fahrzeuge), die neben Reisenden deren Gepäck und Pakete sowie Briefpost beförderten.

TV-Serie Die ersten im Kreis



Seit dieser Zeit durchquerten viele Jahrzehnte lang Postkutschen den damaligen Landkreis Daun. Normalerweise wurden sie von zwei Pferden gezogen und boten innen Platz für vier Personen. Auf dem Bock saß der Postillion (Postkutscher), der die Pferde lenkte, sie versorgte und mit einem Posthorn Ankunft und Abfahrt meldete.

Die Eisenbahnstrecken bedeuteten das Aus für die Postkutsche. Als erste "starb" die Strecke Daun-Gerolstein. In jedem Dorf, durch das der Postwagen fuhr, wurde dieser Postkutsche ein würdiger Abschied bereitet. Der Postwagen war mit Kränzen, Maiengrün und Fahnen verziert. Sehr viele Bewohner von Dockweiler hatten sich vor dem Postgebäude versammelt. Bei Ankunft des Wagens schrien sie "Hurra!", und der Postillion brachte einen Toast auf die Deutsche Reichspost aus. Danach stimmte jemand die Nationalhymne an, und alle sangen mit, begleitet vom Postillion, der kräftig in sein Horn blies.

Als nächste Strecke wurde die von Gillenfeld nach Daun stillgelegt: am 30. November 1909. Traurig notierte der Lehrer in Mehren: "Seit vielen Jahrzehnten wurde die Postverbindung von Daun nach Gillenfeld über Mehren durch zwei Postwagen hergestellt, die Gepäck und Reisende hin- und zurückführten. Morgens gegen 8 Uhr kam der kleine Postwagen von Daun hier an, der gegen 16.30 Uhr auf dem Rückweg unseren Ort passierte." Die Postagentur war im Haus Herbrand in Mehren untergebracht. Dann erwähnt der Lehrer weiter, dass die Postkutsche "idyllisch und grün" war und bedauert, dass sie mit "dem schwarzen Dampfroß vertauscht" wurde. Er, die ganze Schülerschar und fast alle Einwohner standen an der Posthaltestelle und geleiteten dann den mit Fahnen und Kränzen geschmückten Wagen aus dem Dorf. In Daun war der gebürtige Manderscheider Josef Walper der letzte Postillion, der jahrelang regelmäßig die Strecke Manderscheid-Daun und zurück befuhr. Er stand im Dienst der damaligen kaiserlichen Post, die in Manderscheid eine Posthalterei mit den dazugehörigen Stallungen unterhielt.

Frühmorgens brach er mit seiner zweispännigen Kutsche von Manderscheid auf und fuhr abends um 19 Uhr zurück nach Manderscheid. Gleich wie das Wetter war, die 17 Kilometer mussten in zwei Stunden bewältigt sein.

Der Fahrpreis von Manderscheid nach Daun betrug 1,70 Mark. Auch damals gab es regelmäßige Polizeikontrollen, die auf die genaue Anzahl der Fahrgäste achteten, darauf, dass die Kutsche nicht überladen war oder dass die Bremsen funktionierten. Josef Walpers letzte Fahrt war im Mai 1910. avi