1. Region
  2. Vulkaneifel

Hochwasser: Eifeler organisieren Spende von 11000 neuen Schuhe für Flutopfer

Hochwasser-Hilfe : Spendenaktion in Jünkerath für Flutopfer: Zwei Mann, 11.000 Schuhe, viel Freude

Besondere Hochwasserhilfe: Die Jünkerather Jörg Brang und Guido Geilenkirchen stellen zusammen mit Herbert Ehlen eine tolle Aktion auf die Füße.

Das Hochwasser im Juli richtete Schreckliches an. In der Eifel, an der Ahr, im Erfttal und anderen Regionen. Kaum jemand aber hätte erwartet, was darauf folgte: eine beeindruckende Solidarität unter den Bürgerinnen, Tausende von Helfern, immer wieder Spendenaktionen und weitere Initiativen, mit denen den Geschädigten unter die Arme gegriffen und das Leben im Schlam(m)assel etwas erleichtert wurde.

Von noch einer solchen Idee berichten wir heute. Dahinter stehen zwei Männer aus dem Oberen Kylltal: Jörg Brang und Guido Geilenkirchen aus Jünkerath. Beide sind im Sportartikelgeschäft. Geilenkirchen als Europachef bei Saucony, einem der größten Laufschuh-Hersteller auf dem Globus – und nebenbei Sponsor von Samuel Fitwi, dem Spitzen-Langläufer aus Stadtkyll.

Auch Brangs Arbeitgeber, Altra, produziert und vertreibt Laufschuhe. Altra gehört zur VF Corporation, einem der weltweit größten Bekleidungskonzerne, unter dessen Dach man so bekannte Marken wie The North Face, Timberland, Eastpak, Vans und Dickies findet.

Was die beiden Eifeler taten? Sie spannten ihre Firmen ein und schafften am Ende rund 5500 Paar neuer Sport- und anderer Schuhe vor allem ins Ahrtal, wo diese von vielen Menschen dankend entgegengenommen wurden.

„Die ganze Aktion“, sagt Jörg Brang, sei aus einem Gedanken seiner Tochter heraus entstanden: Die Spendenbereitschaft im Land, hatte sie festgestellt, sei zwar groß. Aber gelegentlich sei dann doch der Eindruck entstanden, „dass viele die Aufrufe mit Sperrmüll- und Altkleidersammlungen verwechseln“.

Also dachten sich Brang und Geilenkirchen (den wir, weil in Urlaub, für diesen Artikel nicht sprechen konnten): Die Leute brauchen was Neues. Und sie brauchen Schuhe, vor allem. Gerade an der Ahr, sagt Brang, „haben viele einfach alles verloren“. Oder im Schleidener Tal und anderen Regionen.

Überall aber liefen Keller und Erdgeschosse voll. „Normale Kleidung hat man ja eher auf der ersten Etage“, sagt Brang. „Aber Schuhe sind fast immer im Erdgeschoss. Dementsprechend sind viele, nachdem das Wasser kam, mit dem letzten Paar herumgelaufen, das sie vorher noch an den Füßen hatten.“

Die beiden Initiatoren spannten ihre Firmen ein – und schon bald waren 5500 Paar Schuhe startklar. „Die kamen hier in Jünkerath mit einem Sattelschepper an, auf 50 Paletten.“

 Und alle packen an: Die Verteilung der gespendeten Schuhe im Ahrtal.
Und alle packen an: Die Verteilung der gespendeten Schuhe im Ahrtal. Foto: Herbert Ehlen

Geilenkirchens Vater Raimund, ehemaliger Chef der Jünkerather Graf-Salentin-Schule, ließ seine alten Verbindungen spielen, sodass die gesamte Ladung dort zunächst untergestellt werden konnte. Mit mehr als zehn Helfern räumten sie dort alles ein.

Und dann ging’s los: Herbert Ehlen, ehemaliger Lehrer in Jünkerath und Begründer der Fair-Play-Radtour, kennt ohnehin jede Menge Leute, auch er kontaktierte seine Bekannten nicht zuletzt im Ahrtal: Denn die, sagt Brang, „wussten genau: Wer hat’s am nötigsten?“

Das sei die beste Lösung gewesen, denn es sei auch darum gegangen, dass sich nicht jeder bedient, der vielleicht trockenen Fußes durch die Katastrophe gekommen ist. Das, sagt Brang, konnte weitgehend verhindert werden: „Herbert Ehlen hat einfach Beziehungen in alle Richtungen, das war toll.“

Und dann packte Ehlen den Kleintransporter voll und fuhr fünf Ladungen mit Markenware ins Ahrtal – nach Schuld, nach Insul, nach Dernau, nach Altenahr und nach Mayschoß. Dort standen überall Tische bereit, um die Schuhe darauf zu platzieren. Und so wurden sie unter die Leute gebracht. „5000 Paar, die kann man ja nicht individuell verteilen.“

Und nein, es waren nicht nur Sportschuhe, „sondern auch Alltagsschuhe. Das ist natürlich alles super bei den Leuten angekommen“, sagt Jörg Brang. Wie auch der Einsatz von zehn Kollegen von Timberland in München: Die fuhren hinauf nach Schleiden, um dort eine Woche lang zu helfen.

Ach so: Etwa 1000 Paar Schuhe kommen noch. Aus England. „Aber die“, sagt Jörg Brang, „stecken brexitbedingt noch im Zoll fest.“