1. Region
  2. Vulkaneifel

Hochwasser in der Vulkaneifel: So ist die Lage fünf Monate nach der Flut

Lagebesprechung : Hochwasser in der Vulkaneifel - So ist die Lage fünf Monate nach der Flut

Staatssekretärin Nicole Steingaß informierte sich in Stadtkyll und weiteren betroffenen Gemeinden über den Wiederaufbau und Möglichkeiten zur Hochwasserschutz-Vorsorge.

Ortstermin am kleinen Stausee oberhalb von Stadtkyll: Staatssekretärin Nicole Steingaß leitet die beim Innenministerium des Landes angesiedelte Wiederaufbauorganisation, in der ressortübergreifend Expertinnen und Experten der Landesregierung zusammenarbeiten.

Angestaut wird hier das kleine Flüsschen Wirft, das in der Ortsmitte in die größere Kyll mündet. Probleme mit Überflutungen gibt es an dieser Stelle eh und je – doch die Flut im Juli übertraf alle düsteren Vorhersagen: Stadtkyll ging in Teilen unter.

Nach gut fünf Monaten sind viele der Hochwasserschäden in der Vulkaneifel zwar behoben, aber die Probleme, die vielerorts die Katastrophe verschärften, sind geblieben: begradigte Bachläufe, Uferbebauung und Brückenbauten, an denen sich Treibholz sammeln kann.

Für die Staatssekretärin, die in den betroffenen Gebieten Eindrücke der Schäden sammelt, steht daher die Vorsorge im Vordergrund ihres Besuchs. „Es darf einfach keine sogenannte Hochwasser-Demenz eintreten“, sagt Steingaß. „Wir müssen dran blieben und schnell zu Lösungen kommen, denn den Regen können wir ja nicht einfach ausschalten.“ Die Wirft, wie andere Gewässer auch, müsse in ihrem gesamten Verlauf betrachtet werden, auch private Vorsorgemaßnahmen sollten getroffen werden.

Der Ort für den Besuch der Staatssekretärin, zu dem Landrätin Julia Gieseking geladen hatte, ist nicht zufällig gewählt. Denn an dem Damm des Wirft-Stausees lässt sich demonstrieren, wie vorausschauendes Denken schwerwiegendere Folgen für Stadtkyll verhindern konnte: „Wir haben hier auf Anraten der oberen Wasserbehörde 2020 einen Notüberlauf installiert“, erklärt Edgar Steffes von der Bau- und Umweltabteilung der Verbandsgemeinde Gerolstein. „Zum Glück“, fügt er hinzu. „Sonst hätten die Wassermassen zu einer Erosion des Dammes führen können.“

Steffes und Verbandsgemeindebürgermeister Hans Peter Böffgen erwähnen, dass die Maßnahme damals als Geldverschwendung kritisiert worden sei. „Letztendlich lagen die Kosten bei rund 180.000 Euro“, sagt Steffes. „Das war gut investiertes Geld, denn mit dem Notüberlauf wurde eine noch größere Katastrophe verhindert. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte der Damm nicht gehalten.“

Und es müsse noch mehr Geld für Sicherungsvorkehrungen rund um den Stausee fließen, sagt Böffgen. „Wir rechnen mit einer Summe von rund 400.000 Euro, die wir in den Maßnahmen-Katalog für den Wiederaufbau aufnehmen.“ Zusätzliche 600.000 Euro werden die Arbeiten rund um die Einmündung der Wirft in die Kyll kosten.

Die Stelle sei deshalb problematisch, weil Mauern den Flusslauf eingrenzten, berichtet Böffgen. „Das Hochwasser hat Teile des Mauerwerks eingerissen, und wir möchten die Anlieger gerne davon überzeugen, dass es besser ist, nicht alle wieder aufzubauen. Der Fluss braucht an dieser Stelle mehr Raum, sonst sind weitere Überschwemmungen vorprogrammiert.“

Eine Entscheidung stehe noch aus, zu dem Thema wolle ein beauftragtes Planungsbüro die Bürger im Januar weiter informieren, berichtet Böffgen. Ortsbürgermeister Harald Schmitz berichtet, welchen Vorteil es hat, der Kyll mehr Luft zu lassen: „Der Flusslauf im Kyllpark wurde während der vergangenen zwei Jahre renaturiert. Selbstverständlich hatten wir angesichts der Wassermassen im Juli auch dort Schäden zu verzeichnen. Doch die wären, auch an den umstehenden Gebäuden, erheblich größer ausgefallen, wenn die Kyll – so wie bis noch vor Kurzem – keinen Raum gehabt hätte sich auszubreiten“, sagt Schmitz.

Die Runde, an der neben Landrätin Julia Gieseking, Staatssekretärin Nicole Steingaß und VG-Bürgermeister Hans Peter Böffgen auch Landtags-Vizepräsidentin Astrid Schmitt (SPD) und die Landtagsabgeordneten Marco Weber (FDP) und Gernot Schnieder (CDU) teilnehmen, reist am Nachmittag weiter, um sich über den Wiederaufbau der Birgeler Mühle zu informieren.

Die historische Mühle mitsamt Restaurant und Hotelbetrieb wurde von der Flut schwer getroffen, das Inhaberehepaar Spohr bangt um die Existenz. „Ich bin froh, dass die Staatssekretärin gekommen ist, um sich ein Bild von der jetzigen Situation zu machen“, sagt Landrätin Gieseking. „Denn auch in der Vulkaneifel sind schwere Schäden zu verzeichnen, und die betroffene Bevölkerung braucht Hilfe beim Wiederaufbau.“

Bereits kurz nach der Hochwasser-Katastrophe sei Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach Gerolstein gekommen, um zu schauen, wie das Land helfen könne. „Auch das war ein wichtiges Zeichen“, sagt Gieseking.

Bürgermeister Hans Peter Böffgen beziffert die vorläufige Schadenssumme alleine für die Verbandsgemeinde auf rund 9,6 Millionen Euro. „Davon sind bisher 1,8 Millionen Euro als Soforthilfe ausgezahlt und auch zum großen Teil bereits ausgegeben worden.“

Zurzeit werde ein konkreter Maßnahmenkatalog erarbeitet, der zunächst bei der Kreisverwaltung und bis Ende des Jahres beim Land eingereicht werde. „Diesen Katalog sollten alle Ortsgemeinderäte bis zum 31. März 2022 weiter konkretisieren. Wir gehen davon aus, dass die noch zu erwartenden rund 8 Millionen Euro zu hundert Prozent vom Land finanziert werden.“

Wichtig sei: „Es ist für alle Maßnahmen ein vorzeitiger Baubeginn möglich, Aufträge müssen nicht öffentlich ausgeschrieben werden.“ Sollten danach noch Schäden an Straßen oder Bauwerken auftauchen, die übersehen worden seien, könnten sie bis zum 30. Juni 2022 nachgemeldet werden. „Das ist dann aber die Deadline“, sagt Böffgen.