Holländer streiten, die Stadt handelt

Holländer streiten, die Stadt handelt

Im Ferienpark Hillenseifen im Gerolsteiner Stadtteil Hinterhausen ist die Straßenbeleuchtung seit Monatsanfang ausgeschaltet. Die Stadt hat den Winter-Räumdienst eingestellt.

Gerolstein. (vog) Seit vielen Jahren gibt es immer wieder Ärger im Ferienpark Hillenseifen im Gerolsteiner Stadtteil Hinterhausen. Vor 32 Jahren wurden 75 Ferienhäuser gebaut und zunächst funktionierte der Zusammenhalt in einer Eigentümergemeinschaft, bis Ende der Achtziger-Jahre eine neue Gesellschaft gegründet wurde.

2000 stand wieder alles vor dem Aus. Boudewin van Engh, Eigentümer mehrerer Ferienhäuser, kaufte das Zentralgebäude mit Restaurant und Schwimmbad. Er sagt: "Würde ich mich nicht seit zehn Jahren hier so engagieren, wäre schon lange alles kaputt." Er hat das Areal um einen Campingplatz erweitert und dafür viel Lob aus Gerolstein für die Erweiterung der Touristik-Landschaft geerntet. Im südlichen Teil baut eine holländische Gesellschaft weitere 60 Ferienhäuser. Seit Baubeginn vor fünf Jahren haben auch dort die niederländischen Betreiber schon zwei Mal gewechselt. Zwischen Van Engh (Campingplatz und Zentralgebäude), der Eigentümerverwaltung des nördlichen Parks und der aktuellen Baufirma des südlichen Teils ist der Zwist groß. Klaus Jansen, Leiter der Gerolsteiner Bauabteilung, erklärt: "Wir haben seit Jahren versucht, zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln. Alle Einigungsversuche sind gescheitert." Vor einigen Monaten landet der Ärger um die Straßenbeleuchtung vor dem Trierer Verwaltungsgericht. Am Hauptweg, der aber nur als Wirtschaftsweg gilt, stehen 16 Laternen.

Amtsleiter Jansen: "Über die Stromkosten gab es separate Verträge." Die Stadt ging in Vorleistung, die Eigentümergesellschaft (EG) erstattete sie später. Als 2002 die EG-Geschäftsführung wechselte, wurden Stromkosten seit 1998 zurückgefordert. Die Stadt weigerte sich. Es kam Ende Oktober zum gerichtlichen Vergleich. Danach muss die Brunnenstadt die Kosten ab 2005 (jährlich rund 2000 Euro) tragen.

"Wegen des unausgeglichenen Haushalts muss Gerolstein jede Einsparmöglichkeit nutzen. Mit Ratsbeschluss wurde die Beleuchtung zum 1. Dezember abgeschaltet", erklärt Jansen. Van Engh hält dagegen: "Es wurde nicht nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht." Er sei von der Aktion überrascht worden. Van Engh befürchtet Unfälle und hat sogar bei der Polizei die Gefahr gemeldet. Vor allem, weil auch der Winterdienst von der Stadt eingestellt wurde. "Hier hat man nur Ärger. Gerolstein will mehr Touristen haben, diskriminiert uns aber", sagt Van Engh.

Touristik-Chef Hans-Peter Böffgen und Bürgermeister Matthias Pauly haben Van Engh ausführliche Stellungnahmen zu seinen Beschwerden geschickt. Fazit: Die privaten Streitigkeiten können Behörden nicht lösen. Van Engh lässt nicht locker. "Als Supergau soll ich jetzt die Hausnummer, die seit 32 Jahren gilt, am Zentralgebäude ändern", sagt er. Neue Prospekte und Formulare würden 4000 Euro kosten. Amtsleiter Jansen erklärt: "Die Nummer 100 wurde nie amtlich fürs Zentralgebäude vergeben. Steht in keinem Katasterauszug."

Folglich wären für die Häuser im neuen Bauabschnitt die Nummern 76 bis 135 vergeben worden. Also auch die 100. Die Baufirma hat van Engh juristisch im August verbieten lassen, weiterhin die 100 zu nutzen. Mit amtlichem Bescheid soll ab Dezember die 200 als neue Hausnummer gelten. Van Engh ist der Kragen geplatzt: "Ich habe den Kreisrechtsausschuss eingeschaltet und Widerspruch eingelegt."

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