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"Ich denke oft an die schlimme Zeit und an den Verlust meiner Familie"

"Ich denke oft an die schlimme Zeit und an den Verlust meiner Familie"

Der heute 90 Jahre alte Gerhard Krag hat die Bombenangriffe auf Daun vor 70 Jahren selbst vor Ort nicht miterlebt, er war Soldat. Doch hat er an Heiligabend 1944 seine Eltern und beide Geschwister verloren. An die Todesnachricht zwei Monate später erinnert er sich, als sei es gestern gewesen.

Daun. Zehn Monate war Gerhard Krag am Ende des Krieges Soldat, von August 1944 bis Juni 1945. Ja, seine Kameraden und er hätten eine gewisse Begeisterung beim Aufbruch gehabt, sagt er rückblickend. Doch diese habe sich angesichts der Kriegswirklichkeit bald verzogen. "Wir waren gehorsam, um kein Leid über die Familie und uns selbst zu bringen", erklärt er. Als Krag am Tag vor Fronleichnam 1945 als Ziviler nach Daun zurückkehrte, stand er ohne Familie da.
Alles in Trümmern


Vom Bombentod seines Vaters Nikolaus (56), seiner Mutter Agnes (53), seiner Schwester Anna (16) und seines Bruders Manfred (7) am 24. Dezember 1944 erfuhr er allerdings erst im Februar 1945, als ihm während einer LKW-Fahrt nach Cochem ein Abstecher nach Daun erlaubt wurde. Das Elternhaus auf dem Kampbüchel stand noch.
Vom Nachbarhaus Kläs ragte nur noch der vordere Giebel in die Höhe, alles andere lag in Trümmern. Leute, die Krag entgegen kamen, machten kehrt. "Später erfuhr ich, dass sich meine Stippvisite wie ein Lauffeuer in Daun verbreitet hatte und dass niemand sich in der Lage fühlte, mir die schreckliche Nachricht beizubringen", erklärt er das Verhalten der Passanten. Schließlich erfuhr er es von seiner Tante: 27 Menschen hatten bei Kläs im Keller Schutz gesucht, darunter die Familie Krag, eine Bombe traf das Haus, alle starben, bis auf Alfons Hein. "Je älter ich werde, desto mehr muss ich an diese schlimme Zeit und an den Verlust meiner lieben Familie denken", sagt Krag. Er und seine Frau Christine leben seit einigen Jahren im Seniorenhaus Regina Protmann - in unmittelbarer Nachbarschaft des elterlichen Hauses, in das der verwaiste junge Mann damals einzog und die Schäden beseitigte.
Er führte zunächst die kleine Landwirtschaft der Eltern weiter, übernahm mit einem so genannten Beutepferd Fuhrdienste und wurde beim Dauner Burgbrunnen angestellt. Krag und seine Frau blieben in dem Haus auf dem Kampbüchel; das Paar hat einen Sohn und eine Tochter, vier Enkel und ein Urenkelkind. Bis zu seiner Rente (1989) war Krag als Hausmeister bei der Kreisverwaltung tätig.
"Bei allem Leid habe ich auch viel Glück im Leben gehabt", resümiert der 90-Jährige. Dafür, dass in Daun 70 Jahre nach den Tod und Zerstörung bringenden Bombenabwürfen der Opfer gedacht wird, ist Krag dankbar.
So war er unter den Zuhörern der Veranstaltung des Eifelvereins im Forum (der TV berichtete): "Als Alois Mayer die Fotos meiner Eltern und Geschwister zeigte, lief es mir eiskalt über den Rücken." Und wenn morgen in der Thomas-Morus-Kirche ökumenischer Gedenkgottesdienst gefeiert wird und Friedbert Wißkirchen auf die Ereignisse vor 70 Jahren blickt, ist Gerhard Krag auch anwesend. bb