"Ich habe ihm gesagt, dass ich der Bürgermeister bin"

"Ich habe ihm gesagt, dass ich der Bürgermeister bin"

Ein Ortsbürgermeister aus der Verbandsgemeinde Daun ist wegen Fahrerflucht zu 1500 Euro Geldstrafe und drei Monaten Führerschein-Entzug verurteilt worden.

Daun. (vog) Am ersten Septemberwochenende 2008 stand das Dorf in der Verbandsgemeinde Daun ganz im Zeichen einer Großveranstaltung. Der Ortsbürgermeister hatte alle Hände voll zu tun. Während des Zeltaufbaus wurde "das ein oder andere Stubbi" getrunken.

Gegen 21 Uhr machte sich der 55-Jährige auf den Heimweg. An einer Kreuzung am Ortsrand missachtete er die Vorfahrt eines Iraners, der in Daun lebt. Es kam zum Zusammenstoß. Der Iraner, kaum der deutschen Sprache mächtig, rief seinen Sohn und die Polizei.

Der Ortsbürgermeister wollte "die Sache so regeln". Er sagte im Zeugenstand: "Ich habe ihm meinen Namen genannt und gesagt, dass ich der Ortsbürgermeister bin. Außerdem habe ich gesagt, dass ich schuld bin und den Schaden bezahlen werde."

Aus falsch verstandener Freundschaft gelogen



Angeblich dauerte es 35 Minuten, bis die Polizei eintraf. Es regnete stark. Der Angeklagte ging unterdessen in ein Haus in der Nachbarschaft. Zwei Männer aus dem Dorf begaben sich zum Unfallgegner. Einer von ihnen behauptete sogar, er sei gefahren. "Aus falsch verstandener Freundschaft", meinte Verteidiger Bernd Leif. Richter Hans Schrot: "Das kann man wohl sagen."

Gegen den Freund des Angeklagten läuft ein separates Verfahren wegen Vertuschung einer Straftat.

Staatsanwältin Kristina Speicher erklärte, sie gehe davon aus, dass sich der Ortsbürgermeister im nahe gelegenen Haus vor der Polizei verstecken wollte. Dabei wurde lediglich 0,4 Promille Alkohol beim Angeklagten festgestellt.

Richter, Staatsanwältin und Verteidiger unterbrachen die Verhandlung und zogen sich zu einem Gespräch zurück. Der Verteidiger plädierte nämlich auf Freispruch, weil sein Mandant jederzeit für den Unfallgegner greifbar gewesen wäre. Hätte dieser mehr Informationen haben wollen, hätte er nachfragen müssen.

Richter Schrot sagte dagegen: "Der Sachverhalt ist anders, als wenn einer sich aus dem Staub macht." Allerdings liege Unfallflucht auch dann vor, wenn man sich vom Unfallort entferne, ohne alle Fakten (Personalien, Versicherungsnummer) dem Unfallgegner mitzuteilen. Der Schaden von 6300 Euro wurde bezahlt. Staatsanwältin Speicher: "Nur mit Bauchschmerzen stimme ich dem dreimonatigen Führerschein-Entzug zu. Der übliche Tarif wäre ein Jahr." Der Angeklagte habe sich beim Geständnis gewunden. Da der Führerschein bereits kurz nach dem Unfall eingezogen wurde, bekam er die Fahrerlaubnis im Gerichtssaal zurück. Außerdem muss er die Verfahrenskosten und 1500 Euro Geldstrafe bezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.