"Ich scheide nicht im Groll"

"Ich scheide nicht im Groll"

MAYEN. Der letzte Vorhang ist für Pavel Fieber gefallen. Der künstlerische Leiter der Burgfestspiele trat am Sonntagabend ab – nach einer ebenso rührenden wie begeisternden Verabschiedung im Burghof.

Herr Fieber, im Anschluss an die letzte Vorstellung von "Anatevka" in Mayen spendeten die Zuschauer eine Viertelstunde lang Beifall, die Schauspieler trugen ein eigens gedichtetes Abschiedsliedchen vor. Ende einer dreijährigen Intendanzzeit. Welche Gefühle überwiegen, wenn Sie Mayen den Rücken kehren?Fieber: Ich gehe von Mayen mit unterschiedlichen Gefühlen. Zum einen lief diese Spielzeit noch besser als das vergangene Jahr. Mit "Anatevka" hatten wir eine Auslastung von 90 Prozent, mit "Romeo und Julia" haben wir unsere Erwartungen um gut drei Prozent übertroffen. Wir haben wirtschaftlich einen Überschuss erzielt, und zwar nicht zu knapp. Es tut mir Leid wegen des Ensembles, das sich in alle Winde zerstreut. Sie gehen nicht ganz freiwillig?Fieber: Jeder, der etwas vom Theater versteht, weiß, dass man zwei Jahre braucht, bis man alles in den Griff bekommt. Wir haben hier eine Infrastruktur aufgebaut, vom Büro bis zur Beleuchtung. Jetzt funktioniert alles, aber wir müssen gehen. Dass einige Herrschaften in der Stadt das betrieben, ist ihre Sache - und mehr als dumm. Was man mir im ersten Jahr 2004 umhängen wollte, erkennt man jetzt genau. Im Jahr 2005 hat der Bauhof 80 000 Euro weniger gekostet. Ich hätte sehr gerne weitergearbeitet. Welches Vermächtnis geben Sie an den neuen Intendanten Peter Nüesch weiter?Fieber: Es ist unglaublich schwer vorauszusagen, wie ein Stück in Mayen läuft. Nüesch muss neben Qualität auf Titel setzen, so ist das beim Freilicht eben. Er ist erfahren genug. Die Burgfestspiele sind akzeptiert wie nie, der größte Blödsinn wäre es, die Burgfestspiele dichtzumachen, wie es Stadträte gefordert haben. Wie sehen Ihre Pläne aus?Fieber: Ich werde jetzt in Korea für ein Opernfestival die "Fledermaus" inszenieren. Danach geht es nach München, wo ich mit "Graf Schorschi" eine wunderbare bayrische Komödie auf die Bühne bringen darf. Im Herbst spiele ich in Stuttgart den "Nathan". Ich scheide nicht im Groll. Zumal ich mit der Stadtverwaltung ein gutes Einvernehmen hatte. Nächstes Jahr kehre ich zurück, um mir die Burgfestspiele anzuschauen. Die Fragen stellte unser Mitarbeiter Thomas Brost.

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