"Ich schicke niemanden weg"

Das neue Ausbildungsjahr steht an. Ab August beginnen tausende Azubis ihre Lehre. Doch der Weg zum ersten Berufsabschluss ist nicht ohne. Viele haben vor allem mit der Theorie in der Berufsschule ihre Probleme. Unterstützung bieten die "ausbildungsbegleitenden Hilfen" - mit einer Erfolgsquote von 90 Prozent.

Bereichsleiter Günter Krämer von Lernen Fördern (rechts), hilft Sergej Weber, seinen Abschluss zu schaffen. TV-Foto: Christian Brunker

Gerolstein. "Der erste Berufsabschluss ist ein ganz wichtiger Faktor und die beste Versicherung gegen spätere Arbeitslosigkeit", sagt Arno Schmitt, Berufsberater bei der Bundesagentur für Arbeit in Gerolstein. Doch nicht jeder schafft die Ausbildung ohne Hilfe. Besonders die Theorie in der Berufsschule kann für schwächere Schüler zu einem Problem werden. Schließlich müssen auch hier in den verschiedenen Fächern Prüfungen bestanden werden, um den ersehnten Berufsabschluss zu erreichen.

Probleme in der Berufsschule hatte auch Sergej Weber aus Hillesheim. Der 21-Jährige macht eine Lehre zum Metallbauer. Schon zu Beginn der Ausbildung wurde klar, dass er im theoretischen Teil Probleme bekommen würde, zum Teil auch bedingt durch noch vorhandene sprachliche Verständnisprobleme. Daher riet man ihm bei der Berufsberatung zur Teilnahme an den "ausbildungsbegleitenden Hilfen" (ABH). "Das habe ich mir dann angeschaut und bin da geblieben", sagt Sergej. Seit mittlerweile kanpp drei Jahren verbringt Sergej zwei bis drei Stunden pro Woche nach Schulschluss und Feierabend damit, den Schulstoff betreut aufzuarbeiten. "Es hilft mir sehr."

In Gerolstein und in den Kreisen Vulkaneifel, Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich ist der Verein "Lernen Fördern" vom Arbeitsamt beauftragt, die ausbildungsbegleitenden Hilfen anzubieten. Dabei gehe es weniger um die klassische Nachhilfe, erklärt Günter Krämer, Berichsleiter von Lernen Fördern. "Wir wollen den Azubis vielmehr Lerntechniken an die Hand geben, damit sie sich den Stoff selbst erarbeiten zu können", sagt Krämer. Hilfe zur Selbsthilfe sei das Stichwort.

Ein wichtiger Baustein dieser Hilfe ist das hohe Maß an Flexibilität und Individualität, das vonnöten ist, um wirklich effektiv an den Schwächen jedes Einzelnen arbeiten zu können. Daher bestehen die Gruppen bei dem Hilfsprogramm aus maximal sechs Azubis. In besonderen Fällen ist auch eine Einzelbetreuung ist möglich. "Außerdem gibt es eine enge Abstimmung mit der Berufsschule und den Ausbildungsbetrieben", sagt Krämer. An den Standorten, die nach Möglichkeit nahe der Berufsschulen seien, arbeiteten Sozialpädagogen und Lehrkräfte. Je nach Bedarf würden zusätzliche Honorarkräfte eingestellt, wenn es etwa um die Vermittlung von fachspezifischen Inhalten geht. Auch hier müsse man auf die Zusammensetzung der Programm-Teilnehmer reagieren.

Zentrales Kriterium bei der Arbeit ist die Motivation der Azubis. Sie kommen alle freiwillig und investieren ihre Freizeit in die Förderung. So wie Florian Saltin. Der 20-Jährige ist seit Beginn seiner Ausbildung zum Metallbearbeiter im Programm und investiert die zusätzliche Zeit, weil er nach seiner Ausbildung eine weitere zum Metallbauer draufsatteln will.

Die Erfolgsquote spricht für Günter Krämer und das Programm der ausbildungsbegleitenden Hilfen. Rund 90 Prozent der Teilnehmer schaffen am Ende die theoretischen Prüfungen. Damit haben sie einen wichtigen Grundstein für eine erfolgreiche Berufslaufbahn gelegt.Extra 36 Plätze für die Teilnehmer an den ausbildungsbegleitenden Hilfen gibt es in Gerolstein, insgesamt 135 in Eifel- und Vulkaneifelkreis. Dazu kommen 153 im Kreis Bernkastel-Wittlich. Für das kommende Ausbildungsjahr sind noch Plätze frei. Doch auch wenn die alle belegt sein sollten, findet sich bei Bedarf noch eine Lösung. "Ich schicke niemanden weg", versichert Krämer. (chb)