"Ich trete 2009 wieder an"

"Ich trete 2009 wieder an"

Amtsinhaber Werner Arenz (CDU) will bei der Urwahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll 2009 erneut kandidieren. Im TV-Interview räumt er Fehler ein, wehrt sich aber gegen Kritiker: "Ich lasse mich doch nicht von einigen Scharfmachern hier ins Bockshorn jagen."

Jünkerath. 2,53 Millionen Euro hat der ehemalige Kämmerer der VG Obere Kyll im Lauf von 13 Jahren veruntreut. Der geständige Täter starb im Juli während der Untersuchungshaft nach schwerer Krankheit.Als Chef der betroffenen VG-Verwaltung ist auch Bürgermeister Werner Arenz in die Schusslinie von Kritikern geraten. "Sie schreiben Leserbriefe, hetzen an irgendwelchen Theken und schicken mir üble anonyme Briefe", berichtet der 52-Jährige im Gespräch mit dem TV. Da er sich jedoch dem Auftrag der Wähler verpflichtet fühle und viel Zuspruch bekomme, sei ein Rücktritt für ihn kein Thema.Würde Arenz zurücktreten oder sich 2009 nicht mehr zur Wiederwahl stellen, dann würde er alle Pensionsansprüche verlieren. Für ihn steht fest: "Ich trete 2009 wieder an — als CDU-Kandidat oder freier Einzelbewerber."Die Machtfülle des ehemaligen Kämmerers, die seine Manipulationen begünstigte, erklärt Arenz mit dem großen Vertrauen, das sich der fachkompetente und beliebte Abteilungsleiter über Jahrzehnte erworben habe. "Man hätte hellhöriger sein sollen", gibt Arenz zu. Auch die Zugriffsrechte aufs Kassenprogramm aus seiner Zeit als EDV-Administrator hätte er nicht behalten dürfen.Weder die Übernahme der örtlichen Kassenprüfung durch den nicht zuständigen Kämmerer noch der zeitweise Ausfall der Prüfung seien ursächlich für den Betrug: "Kassenprüfungen auf Grund von Ausdrucken auf Papier und Geldzählen in der Barkasse sind veraltet. Da muss man in die EDV rein."Beim wiederholten Einlösen von Barschecks hätte nach Auffassung des Bürgermeisters das Frühwarnsystem der Banken greifen müssen. In der Verwaltung habe es entgegen anders lautender Gerüchte bisher keine Konsequenzen wegen eines persönlichen Fehlverhaltens eines Mitarbeiters gegeben. Die nötige Neubesetzung des Kämmerer-Postens habe allerdings ein "umfangreiches Stühle rücken" im Rathaus ausgelöst.Das ausführliche Interview lesen Sie auf Seite 14. MeinungHeißer Tanz um die Kandidatur Vieles, was Bürgermeister Werner Arenz zum Untreue-Fall sagt, trifft sicher zu. Veraltete Vorschriften für Kassenprüfungen, anfälliges EDV-System und mangelnde Kontrolle auch bei manchen Banken haben das kriminelle System des Kämmerers begünstigt. Das ändert aber nichts daran, dass der Betrug im Rathaus passierte. Der sehr vertrauensvolle Umgang miteinander in einer kleinen Verwaltung ließ Grenzen verschwimmen. Mitarbeiter und Chef gaben dem unantastbaren Kämmerer zu viele Freiheiten. Das lässt sich im Nachhinein leicht kritisieren — vorher störte es niemanden. Die CDU stützt Arenz, muss sich aber sehr genau überlegen, ob sie auch mit ihm in den Wahlkampf ziehen will. So oder so wird das ein heißer Tanz. m.hormes@volksfreund.de