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Ihr Herz hängt an der alten Mühle

Ihr Herz hängt an der alten Mühle

MEISBURG. Seit rund 80 Jahren ist die Schneidemühle bei Meisburg im Besitz der Familie Schneider. Gewerblich betrieben wird sie schon lange nicht mehr, aber sie ist immer noch eine Attraktion für Gäste.

Grafen, Kloster und Privatpersonen waren die Eigentümer der Schneidemühle in Meisburg auf der "langen Salm" (Lohsalm), bis sie 1922 in den Besitz der Familie Schneider kam. Sie betrieb die Mühle gewerblich bis 1968. Doch auch danach blieb das Kleinod erhalten. Von 1981 bis 1988 wurde das Sägewerk nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten renoviert.Alleinige Hausherrin seit 1992

An dem großen Wasserrad, das vom Lohsalmbach gespeist wird, ist das Gebäude als Mühle leicht zur erkennen. Seit dem Tod ihres Ehemanns Josef 1992 ist Josephine Schneider alleinige Hausherrin. Das Herz der 79-Jährigen hängt an der Mühle, obwohl ihr Mann sie nie an die Sägen ließ. Sein Motto hieß: "Mühlenarbeit ist Männerarbeit". Deshalb stand sie 1992 über Nacht ohne viel Sachkenntnis vor dem Besitz, der unter Denkmalschutz steht. Aber ihr Entschluss stand fest: "Es muss irgendwie weitergehen. Die Vergangenheit einer solchen Anlage darf in der Gegenwart nicht vergessen werden." Hilfe bekam sie von ihrem Bruder aus Köln, sie sammelte aber auch eigene Erfahrungen in der Mühlenarbeit. Mühlenromatik pur erleben die Besucher, wenn sie das Innenleben erkunden, begleitet von der Besitzerin. Sie erfüllt auch Sonderwünsche, wenn sich zum Beispiel Busgesellschaften oder Schulklassen anmelden. "Es liegt an den Besuchern, wieviel sie von mir über die Mühle erfahren", erklärt sie. Ihre Erfahrung: "Ich merke, wenn meine Erklärungen aufmerksam aufgenommen werden. Dann gehe ich ins Detail, und es macht mir nichts aus, auf alle Fragen eine Antwort zu geben." Um die Säge herum liegen ordentlich aufgeschichtete und sortierte Bretterstapel, als sei der Betrieb erst gestern eingestellt worden. "Die Antriebsriemen sind besonders anfällig, aber glücklicherweise sind sie noch über einen Speziallieferanten zu besorgen", sagt Josephine Schneider. "Die Winter verursachen die meisten Schäden", bedauert die Mühleneigentümerin. "Frost und Schnee haben in diesem Jahr die Holzdachrinne völlig zerstört, und auch das Dach wurde arg in Mitleidenschaft gezogen." "Etwas negativ hat sich die Einführung des Euro bei den Besucherzahlen ausgewirkt", stellt Schneider fest. Sie hat Gäste aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Spanien, England oder den USA begrüßt. Vor einigen Tagen gab es eine unerwartete Überraschung. Gäste aus den Karpaten schauten sich die Mühle an, und damit ist der Besucherkreis noch internationaler geworden.An langen Winterabenden kommt sie ins Grübeln

Sie schmunzelt: "Nicht selten wird mir von Instrumenten- und Schulgruppen ein Ständchen gebracht." Solche Erlebnisse sind es, die sie zum Weitermachen motivieren. "An manchem langen Winterabend habe ich gegrübelt, die Mühle endgültig abzuschließen. Doch diesen Entschluss habe ich nicht übers Herz gebracht. Nach acht Jahrzehnten in Familienbesitz möchte man auch gern den Gästen erklären, wie und warum diese Mühle arbeitet", sagt Josephine Schneider. Dennoch macht sie sich über eine Nachfolge Gedanken. Im Sommer feiert sie ihren 80. Geburtstag. "Es wäre gut, wenn ein kompetenter Heimatverein sich um das Fortbestehen in der bisherigen Form kümmert", hofft sie. Besichtigungs- und Vorführungszeiten sind jeweils dienstags von 10 bis 11 Uhr, donnerstags und samstags um 14, 15 und 16 Uhr und für Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Weitere Informationen und Anmeldung unter Telefon 06599/222.