Gesundheitswesen: Ihr Kindlein kommet – aber bald nicht mehr in der Vulkaneifel

Gesundheitswesen : Ihr Kindlein kommet – aber bald nicht mehr in der Vulkaneifel

Wie geht es weiter nach dem bevorstehenden Aus der Dauner Geburtshilfe? Die Eifeler Krankenhäuser ringsum fühlen sich gerüstet für die Aufnahme zusätzlicher Schwangerer, aber eine Wiedereröffnung in Gerolstein schließt der Träger aus.

Geht alles wie von der Geschäftsleitung des Maria-Hilf-Krankenhauses vorgesehen, schließen sich noch vor Weihnachten die Türen des Kreißsaals für Neuaufnahmen. Komplikationen und Frühgeburten werden bereits seit langem vor allem in das Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich oder nach Trier verwiesen, doch nun heißt es auch für normale Geburten: auf in andere Landkreise!

Heribert Frieling, Pressesprecher der Marienhaus-Kliniken, welche die Krankenhäuser in Gerolstein, Adenau und Bitburg betreiben, räumt ein: „So eine Schließung haut natürlich rein. Da es im Schnitt mindestens 45 Kilometer Landstraße sind, bis man von Daun und Umgebung in Bitburg ist, rechnen wir dort mit einer überschaubaren Steigerung, vielleicht fünfzig Fälle pro Jahr, vielleicht etwas mehr.“

Das stelle die Station in Bitburg, die im vergangenen Jahr 623 Geburten verzeichnete, nicht vor unlösbare Probleme, räumliche und personelle Veränderungen seien  nicht notwendig. Dass nach einem endgültigen Aus der Dauner Geburtshilfe die in Gerolstein oder in Adenau wiedereröffnen könnte, schließt Frieling aus: „Solch ein Paket schnüren wir gar nicht erst auf. Und zwar aus demselben Grund, warum in Daun geschlossen wird und auch keine Hauptabteilung entstehen kann: Die Führungskräfte sind nicht aufs Land zu locken.“ Außer man finde Ärzte, die eine persönliche Bindung zur Region hätten.

Illhan Saka, der in Bielefeld studierte, ließ sich in diesem Jahr durchaus locken. Er kam nach beruflicher Laufbahn in Aachen, Köln und Fulda als Chefgynäkologe der Geburtshilfe im St. Elisabeth Krankenhaus nach Mayen. Mit rund 600 Geburten pro Jahr gilt die Station als tragfähig. „Wenn wir 100 bis 150 Geburten pro Jahr dazubekommen, können wir das noch leisten. Wir haben bereits eine Hebamme aus der Vulkaneifel neu eingestellt.“ Er und sein Team seien bereit zu helfen. „Aber die Entfernung aus dem Dauner Einzugsbereich ist sehr groß. Wir vermuten, dass am meisten das Wittlicher Krankenhaus zur Entlastung beitragen wird.“

In Wittlich rechnet man mit einem Plus von 200 bis 250 Geburten, die zu den bislang mehr als 1000 Geburten pro Jahr dazukommen. „Das entspricht einem Wachstum von bis zu 25 Prozent“, schätzt Chefarzt Peter Locher, der vor einigen Jahren selbst noch im Krankenhaus Daun arbeitete. Vereinbarungen oder Regelungen zwischen den Kliniken seien dafür nicht notwendig. Zugesagt sei jedoch mündlich, Schwangere aus der Vulkaneifel auf Wunsch zu betreuen.

An einem Personalmangel scheitere nichts. „Eventuell nötig werdende zusätzliche personelle Ressourcen werden sowohl auf ärztlicher wie auf pflegerischer Seite bei Bedarf aufgestockt, es liegen in beiden Einsatzbereichen Bewerbungen vor, um diese umzusetzen.“ Auch werde ab 2020 eine neue größere Entbindungseinheit mit drei Kreißsälen zur Verfügung stehen.

Alles in allem können ab Januar zwischen 350 und 430 Geburten, die bislang in Daun stattfinden, verlagert werden – sofern es in den Ausweichkliniken keinen Zuwachs der Geburtenrate aus dem eigenen Einzugsbereich gibt.

Doch jeglichen Berechnungen, dass umliegende Stationen lokale Geburtshilfelücken auffangen, setzen Ingrid Mollnar, Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hebammenverbandes, und Susanna Kramarz vom Berufsverband der Frauenärzte ein anderes Argument entgegen. Beide betonen, dass Geburten nicht berechenbar sind. „Sie finden nicht gut über den Tag verteilt statt, sondern häufen sich vor allem in den Nachtstunden“, sagt Mollnar.

„Darum kommen auch gut ausgestattete Stationen immer wieder an Kapazitätsgrenzen. Dann werden Gebärende abgewiesen, trotz einsetzender Wehen.“ Sie betonen zudem: Knapp auf Kante genähte Lösungen delegierten alle Risiken an die werdenden Mütter und berücksichtigten nicht die ansteigenden Geburtenraten.

Sabine Zimmer, Sprecherin des Verbundkrankenhauses Bernkastel-Wittlich, reagiert auf Sorgen werdender Mütter in Bezug auf Komplikationen so: „In medizinischen Notfallsituationen hat die Geburtshilfe Wittlich noch nie Schwangere abgewiesen. Es wurden in seltenen Einzelfällen Schwangere mit Frühgeburten an Kliniken in Trier oder Koblenz weitergeleitet, wenn zu dieser Zeit in unserer Intensiveinheit für Früh- und Neugeborene keine freien Behandlungsplätze mehr zur Verfügung standen.“

Das Team in Wittlich versorgt rund um die Uhr Kinder, die ab der abgeschlossenen 32. Schwangerschaftswoche und ab einem geschätzten Geburtsgewicht von mehr als 1500 Gramm geboren werden. „Die Spezialisten verfügen über Möglichkeiten einer intensiven Versorgung und Beatmung von Neugeborenen sowie diagnostische Verfahren wie Radiologie, Sonographie, Echokardiographie und EEG.“ Die Einheit hat acht Monitorplätze und zwei Beatmungsplätze.

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