Im Quelltempel sprudelt es wieder

Im Quelltempel sprudelt es wieder

Der 1782 errichtete Tempel der Lindenquelle an der L 24 bei Birresborn ist für 50 000 Euro restauriert worden. Das geprüfte und von den Behörden freigegebene Heilwasser kann kostenlos probiert werden. Rentner des ehemals angeschlossenen Sprudelbetriebes sind begeistert.

Birresborn. Der rote Quelltempel leuchtet im grünen Kylltal seit 227 Jahren. Rund um den Pavillon war der Sprudelbetrieb "Birresborner Lindenquelle" angesiedelt, der 1971 geschlossen wurde. Werkleiter Karl Servatius: "Bereits 1913 wurden hier mehr als fünf Millionen Flaschen abgefüllt und in die ganze Welt versandt." Die Qualität des Mineralwassers hat bis heute Bestand. Ein Vergleich der Laborproben von 1904 zu 2009 zeigt keinen Verlust der Erstklassigkeit. "Mmmh, das Wasser schmeckt köstlich", bestätigt die sechsjährige Julia bei der aktuellen Reaktivierung, zu der es eine kleine Feier gab.

Ortsbürgermeister Josef Bach freut sich sehr über das gelungene Projekt zum Ende seiner 25-jährigen Amtszeit. Viele Jahre hat er die Restaurierung gefordert. Zwar war der Pavillon 1993 erneuert worden, aber es floss kein Mineralwasser mehr. Vandalen hatten vieles zerstört. Rentner Matthias Schmitt: "Es hat einem leidgetan, beim Vorbeifahren den vergammelten Pavillon zu sehen. Jetzt ist er wieder schön." Bach spricht den Gerolsteiner Werkleitern Wolfgang Bohr und Servatius seinen ausdrücklichen Dank aus, weil das "Grundwasser-Problem" endlich behoben werden konnte. Mit einer besonderen Pumptechnik wurde die Verbindung zwischen Quelle und Grundwasser gekappt.

Bei der Eröffnung der reaktivierten Quelle schwelgen viele Ex-Mitarbeiter des ehemals dort angesiedelten Sprudelbetriebs in Erinnerungen. Ursel Klasen sagt: "Fast zehn Jahre war ich als Büroangestellte auch für die morgendlichen Wasserentnahmen fürs Labor zuständig." Die 62-Jährige zeigt rund um den Quelltempel: "Auf dieser Seite waren der Betrieb und ein großes Gästehaus für Aktionäre, auf der anderen Straßenseite standen die Leerguthallen und Wohnhäuser." Heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Josef Gilles (79 Jahre) war 35 Jahre als Schlosser und Abfüllmeister beschäftigt. Er sagt: "Der Kohlesäuregehalt war enorm. Da sind Putzfrauen auch schon mal umgefallen." Valentin Berg (78 Jahre) erzählt von seinen Auslieferungstouren. In gemütlicher Runde tauchen neben Anekdoten auch neckische Liedtexte auf. Unisono singt die Runde: "Birresborner Sprudel, Gerolsteiner Sudel, Dauner Mistepudel." Gelächter folgt.

Landrat Heinz Onnertz dankte Bach für die "hartnäckige und faire Verhandlungsart". Auf dessen Drängen bewilligte das Land einen Zuschuss von 32 500 Euro, der Kreis steuert 10 000 Euro bei. Den Rest übernimmt die Ortsgemeinde. Bach: "Geld ist nicht alles. Unsere Gemeindearbeiter Martin Schweisthal, Heinz Thewes und Leo Thiel haben trotz widriger Umstände beste Arbeit geleistet." Pastor Gerhard Schwan segnet die Lindenquelle, "denn ohne Wasser gibt es kein Leben."

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