Im Süden Marokkos die Langsamkeit entdecken

Im Süden Marokkos die Langsamkeit entdecken

Eigentlich müsste Dietrich Schuberts Film "Allein in der Wüste" heißen, denn genau das ist es, was der Dokumentarfilmer durchlebt und filmisch aufgezeichnet hat. Das Ergebnis seiner Arbeit zeigt die Eifel-Film-Bühne Hillesheim.

Hillesheim. Fünf Wochen verbrachte Dietrich Schubert, Dokumentarfilmer aus Kronenburg, einsam in einem Zelt im äußersten Süden Marokkos, filmt die Wüste, karge Landschaft und sich selbst. Von seinem Aufenthalt hat er einen bisweilen zähen, aber immer wieder spannenden Film zurück, der sich bewusst für die Langsamkeit entscheidet.

Oft führten den in der Eifel lebenden Filmemacher Dietrich Schubert Recherchereisen und Dreharbeiten in die Wüste. Dokumentation wie "Spuren in der Sahara", "Reise ins Tibesti" oder "Die Seele aber wird allein in der Wüste gewaschen" entstanden im Lauf der Jahre - und ganz nebenbei der Wunsch, die punktuelle Einsamkeit, die während der Arbeit in der Wüste entsteht, auszudehnen, bewusst herbeizuführen.
Die Sorge um das Zelt



Mit seinem Geländewagen, 90 Flaschen Wasser und Lebensmitteln für zwei Monate machte sich Schubert schließlich auf den Weg. Im Süden Marokkos, unweit der Stadt Zagora, Ausgangspunkt für Karawanen ins entfernte Timbuktu, suchte er sich abseits befahrener Pisten einen möglichst einsamen Platz im Schatten eines Akazienbaums und schlug sein Zelt auf. Allein mit sich, dem langsam wandernden Schatten des Baums und einer sich gelegentlich zeigenden Wüstenmaus verbringt Schubert nun seine Zeit und macht - nichts.
Sind die ersten Tage des selbstgewählten Exils noch vom Aufbau des Zeltes, dem Einrichten in der kargen Umgebung bestimmt, setzt zunehmend Ruhe ein, anfangs noch durchbrochen von ständig stärker werdenden Sandstürmen, die die Sorge um das Zelt groß werden lassen und schließlich einer Ruhe Platz machen, die Raum für mäandernde Gedankengänge macht.
Beziehungsweise: machen würde. Denn auch wenn Schubert immer wieder Szenen einstreut, die ihn selber zeigen, wie er in seinem Zelt oder im Sand sitzt, über seine Situation sinniert, zu den philosophischen Gedankengängen, zu denen die Wüste immer wieder Autoren und Filmemacher angeregt hat, kommt es hier nicht.
Schuberts Gedanken sind eher pragmatisch, kreisen um die Haltbarkeit des Zelts, um die Frage, ob ein heraufziehendes Gewitter seinen Zeltplatz gefährdet oder ob er einen vorbeiziehenden Tuareg filmen soll oder nicht - und vor allem, wie lange er seinen Aufenthalt fortsetzen soll.
Viel Abwechslung hält der Alltag in der Wüste nicht bereit. Die tägliche Zubereitung des Essens verschlingt Zeit, gelegentliche Besuche von Tieren stellen schon besonders aufregende Momente dar.
Kein Druck, keine Hektik


Vor allem die Entschleunigung des Daseins scheint Schubert in seinen fünf Wochen abseits der Zivilisation gefunden zu haben. Keinerlei Druck, keine Hektik, keine wichtigen Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Doch Schubert ist nicht so naiv zu glauben, dass er, der diese Situation freiwillig herbeigeführt hat, der mit seinem Auto in kurzer Zeit wieder in der Zivilisation ist, das Leben in der Wüste, wie es die Tuareg und andere Nomadenstämme immer noch in kaum veränderter Form führen, verstehen könnte.
Dieser Pragmatismus macht "Allein die Wüste" zwar bisweilen etwas zäh, trägt aber auch dazu bei, dass die Einsamkeit nicht zum verklärten Kitsch verkommt. Zusammen mit den oft eindrucksvollen Aufnahmen der Wüste und ihrer bizarren Schönheit gelingt Dietrich Schubert ein interessanter, sehr persönlicher Film über eine ungewöhnliche Grenzerfahrung.red
Weitere Vorführungen in der Eifel-Film-Bühne, Aachener Straße 15, gibt es am Freitag, 20. Juli, 21 Uhr, Samstag, 21. Juli, 18.30 Uhr, Montag, 23. Juli, 18 Uhr.

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