Im Verfahren um einen Überfall in Hillesheim zeichnet sich  schnelles Ende ab.

Justiz : Fünf Geständnisse im Prozess zum Überfall in Hillesheim

Im Verfahren um den Hillesheimer Neujahrsüberfall zeichnet sich  vor dem Trierer Landgericht ein schnelles Ende ab. Alle Angeklagten, denen gefährliche  Körperverletzung und Raub vorgeworfen werden, sind voll geständig.

Gegen 5 Uhr am Neujahrsmorgen 2019 spielten sich vor einem Zigarettenautomaten in Hillesheim heftige Szenen ab. Fünf junge Männer attackierten zwei etwa Gleichaltrige,  es setzte Faustschläge und Tritte an Körper und Kopf, 50 Euro und 100 Rubel wurden geraubt und zurück blieben zwei erheblich verletzte Tatopfer.

Nun verhandelt die Erste Große Jugendkammer des Landgerichts Trier gegen die fünf Angreifer, die kurz nach der Tat festgenommen wurden. Vier sitzen seitdem in Untersuchungshaft, der fünfte Angeklagte W., der sich am wenigsten aktiv beteiligt hatte, kommt auf freiem Fuß zur Verhandlung. Die jungen Männer sind rumänischer, kasachischer und russischer Abstammung – sie leben aber schon seit Jahren in Hillesheim.

Als sie der  Vorsitzende Richter  Günther Köhler am zweiten Tag zu ihren Lebensgeschichten befragt, zeigten sich deutliche Übereinstimmungen: Alle wuchsen in den Heimatländern in zerrütteten Familien auf, kamen dann zu bereits in Deutschland lebenden Familienangehörigen, aber es haperte dann mit Schule und Ausbildung.

Die Folge: Gelegenheitsjobs meist bei Leiharbeitsfirmen, in der Freizeit viel Alkohol und und bei den meisten auch Drogen.  Der älteste Angeklagte K. (37) ist Vater von drei Kindern, die Ehe ist geschieden, er hat bereits fünf Jahre Haft abgesessen und eine Zwangstherapie abgebrochen.

Schon am ersten Tag hatten die Verteidiger eine Geständnisbereitschaft ihrer Mandanten angedeutet. Am zweiten Tag schlägt der Vorsitzende Richter Günther Köhler daher ein verfahrensverkürzendes Rechtsgespräch zwischen Kammer, Staatsanwalt, Jugendgerichtshilfe  und Verteidigung vor. Es geht darum, den Angeklagten jeweils ein individuelles Mindeststrafmaß je nach Tatbeteiligung zu garantieren. Voraussetzung ist, dass jeder ein glaubhaftes und volles Geständnis ablegt.

Nach über einstündiger Verhandlung wird das Ergebnis präsentiert:  Für den erheblich vorbestraften K. als hauptaktiven Treter, Schläger und Aufhetzer zwischen 38 und 46 Monaten Haft, für den ebenso einschlägig vorbestraften R.P. zwischen 24 bis 30 Monaten Haft, für dessen jüngeren Bruder A.P. zwischen 22 und 28 Monaten Jugendstrafe und für die Mitläufer W. (Bewährung wahrscheinlich) zwischen 16 und 22 Monaten Haft sowie für T. zwischen  22 und 28 Monaten Haft.

Alle Angeklagten gestehen gemäß dem Inhalt der Anklage. Dabei weisen aber alle auch ausdrücklich auf den vorangegangenen Alkoholkonsum (Wodka) und auch einigen Drogenkonsum hin. K. behauptet zudem, dass man von den Opfern zunächst in aggressiver Weise provoziert worden sei. Ganz anders T., der eine Stelle in der Gastronomie in Aussicht hat.

Der 27-Jährige führt seine Mitwirkung auf den vorangegangenen Drogen- und Alkoholkonsum zurück und spricht von „Gruppendynamik“. Das dürfe sich nicht wiederholen. T. wörtlich: „Ich wünsche mir eine psychologische Behandlung. So bin ich doch gar nicht – ich habe mich zuvor in meinem  Leben noch nie geschlagen.“

Trotz der Geständnisse wird die Kammer am heutigen vierten Verhandlungstag ab 9.30 Uhr noch Zeugen von Polizei und dem Bekannten- und Freundeskreis  der Angeklagten hören, mit denen sie die Silvesternacht 2018/2019 verbracht hatten. Natürlich werden auch die beiden Tatopfer zu Wort kommen, die als Nebenkläger auftreten. Anschließend sind heute die Plädoyers und die Urteilsverkündung geplant.

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