Im Zeichen von Schachbrett und Mohrenkopf

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, lag die Kreisstadt Daun weit über die Hälfte in Trümmern. Viele historische Gebäude, die von einstiger Macht und Pracht hätten zeugen können, waren zerstört. Aber ein altes, bestens renoviertes Ritter- oder Burgmannenhaus steht immer noch. "Waldenhof" wird es genannt. Heute ist es in Privatbesitz; viele Jahrhunderte gehörte es den Rittern Mohr von Wald.

 Erstrahlt restauriert in freundlichem Gelb: der „Waldenhof“ in Daun. TV-Foto: Alois Maier

Erstrahlt restauriert in freundlichem Gelb: der „Waldenhof“ in Daun. TV-Foto: Alois Maier

Daun. Das Geschlecht derer von Wald bildete sich im 12. Jahrhundert aus den moselländischen Ritterfamilien von Senheim und von Braunshorn. Mit ihrem Namen wiesen sie auf ihre Besitzungen in Peterswald "de Walda" hin. Zahlreiche Vertreter dieser Familie finden sich urkundlich in luxemburgischen Gebieten, an der Mosel und in der Eifel. Einige brachten es zu höchstem Ansehen als Großmarschälle am kurfürstlichen Hof in Trier, als Räte, Großmeister und Komture des Deutschen Ritterordens, als Geistliche in Trier, Speyer, Worms und Mainz.

Am 20. Mai 1352 kamen Mitglieder dieser Mohren-Familie nach Daun. Angestellt hatte sie der damalige Inhaber der Dauner Burg, Ägidius. Am Fuße der Dauner Burg bezogen sie ein Haus, das den Namen "Waldenhof" erhielt. Bei der Zerstörung Dauns durch den Trierer Erzbischof Balduin 1352 wurde es stark in Mitleidenschaft gezogen. 1534 wurde es neu erbaut.

Stolz prangt bis heute über dem Hauseingang das Wappen der Herren Mohr vom Wald. Ein Schachbrett ist das Hauptmotiv, gekrönt von einem Mohrenkopf. Dieses Familienwappen wurde um 1482 angenommen. Dann kam der Dreißigjährige Krieg. Daun war total verarmt. Die Burgherren konnten sich finanziell nicht mehr in Daun halten. Sie zogen nach Wien und traten in österreichische Dienste.

Die von den Dauner Grafen lehensabhängige Familie der Mohr von Wald war nun ohne Dienstherrn und ohne Bindung an Daun.

Dauner Friedensrichter kauft das Gebäude



Die zurückbleibenden Liegenschaften und Güter mitsamt ihrem "Waldenhof" verkauften die Geschwister Mohr von Wald 1683 an Koblenz für 1500 Taler und einen Fuder Wein.

Als infolge der Französischen Revolution die in die Eifel eingefallenen Franzosen sämtlichen klösterlichen und feudalen Besitz beschlagnahmten und versteigern ließen, erwarb der Dauner Friedensrichter Ägidius Becker den "Waldenhof" mit seinen Äckern und Gärten. In dieser reichen Gutsbesitzerfamilie blieb er bis 1927. Dann wurde er an den Rektor der Dauner Volksschule, Philipp Jobelius, verkauft. Die Stallungen und Remisen, in denen bis Anfang der 1970er Jahre unter anderem die Kreisbildstelle untergebracht war, fielen einem Brand zum Opfer und wurden gänzlich abgerissen. Kurz vor dem Tod von Jobelius (1975) erwarb Hotelier Heribert Hommes den mittlerweile unter Denkmalschutz gestellten "Waldenhof", um ihn später an einen Dauner Arzt zu verkaufen. Ihm gebührt Dank, dass dieses nunmehr fast 500 Jahre alte Burgmannenhaus unter erheblichen Kosten restauriert und saniert wurde. In freundlichem Gelb erhebt es sich hoch über die anderen Stadthäuser, und alle Bewohner der Stadt sind froh, dass der "Waldenhof" als bauhistorisches Denkmal erhalten blieb.

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