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Im Zweiten Weltkrieg über der Eifel abgeschossen: Forscher führt britische Angehörige zu Absturzstelle

Im Zweiten Weltkrieg über der Eifel abgeschossen: Forscher führt britische Angehörige zu Absturzstelle

71 Jahre und drei Tage nach dem Absturz eines englischen Kriegsflugzeugs in einem Waldstück bei Kötterichen (Verbandsgemeinde Kelberg) stehen die Neffen und Großneffen von Peter Flower an der Stelle, an der der damals 21-Jährige sowie die weiteren sechs Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Ein emotionales Ereignis, das Uwe Benkel von der Arbeitsgruppe (AG) Vermisstenforschung möglich gemacht hatte.

"Bis zum heutigen Tag endete für unsere Familie die Geschichte von Peter in jenem Augenblick, als er England verließ", sagt Chris Hoyle. Der 63-Jährige, sein Sohn Jonathan (31), sein Bruder John (74) und dessen Sohn Ben (42) stehen auf einer Lichtung im Wald am Hahnenberg nahe Kötterichen. Den vier Männern sieht man ihre Erschütterung an. Soeben haben sie von Lothar Klasen aus Uersfeld erfahren, was sich am 23. September 1943 an der Stelle zugetragen hatte. Denn Klasen, heute 76, ist Zeitzeuge. Kurz vor Mitternacht hatten Klasens Eltern ihn und seine Geschwister geweckt und rasch angezogen: Fliegeralarm! "Als wir aus dem Haus kamen, sahen wir Richtung Kötterichen den Feuerschein eines brennenden Flugzeugs", erinnert er sich. Dann habe es einen ohrenbetäubenden Knall gegeben. "Die englische Halifax hatte kurz vor dem Absturz eine Luftmine abgesetzt", erklärt Klasen.

Am nächsten Tag sei das halbe Dorf auf den Beinen gewesen, um sich die Absturzstelle anzuschauen - "auch wir Kinder", sagt er. Auf dem Weg zum Hahnenberg hätten sie gesehen, dass als Folge des Luftminen-Abwurfs die Fensterscheiben aller Häuser von Kötterichen kaputt gewesen seien. Lothar Klasen erinnert sich an Wrackteile am Boden, Fallschirmreste in den verkohlten Bäumen und an einen Leichnam unmittelbar neben der Straße.
Entgegen den Vorschriften bargen Bürger von Kötterichen die Toten und brachten sie nach Uersfeld, wo sie in der Nähe der Kirche beerdigt wurden. "Wenn meine Großeltern und meine Mutter das jemals erfahren hätten, wären sie dankbar und glücklich darüber gewesen", meint Chris Hoyle.

Seine Mutter (1997 verstorben) habe nie über das Lebensende ihres Bruders Peter sprechen wollen, sagt er. Bei einem Familientreffen im vorigen Jahr sei aber der Plan gefasst worden, diesem Kapitel der Familiengeschichte auf den Grund zu gehen. Sie entdeckten im Internet Uwe Benkel mit seiner AG Vermisstenforschung (siehe Extra). "Hier erleben wir im Geist die letzten Minuten seines Lebens mit", erklären die Neffen und Großneffen von Peter Flower an dem Ort, an dem der Funker im Alter von 21 Jahren ums Leben kam. "Nun ist das Bild seines Lebens komplett", sagen sie. Und nehmen Erde und ein paar kleine verrostete Wrackteile mit - "als Erinnerung und Mahnung an die nachfolgenden Generationen", betonen sie.

Die Überreste des von einem deutschen Nachtjäger abgeschossenen Flugzeugs hatten währenddessen Uwe Benkels Mitarbeiter René Karassek (Siegburg) und Nico Fuhrmann (Dümpelfeld/Kreis Ahrweiler) mit Hilfe von Metalldetektoren, Klappspaten und Sieben geborgen.Extra

 Funker Peter Flower. Foto: privat
Funker Peter Flower. Foto: privat

Uwe Benkel aus Heltersberg bei Pirmasens/Pfalz rief vor 25 Jahren - nach der Flugzeugkatastrophe von Ramstein, bei der er Freunde verlor - die AG Vermisstenforschung ins Leben. Heute sind in der AG allein in Rheinland-Pfalz 40 Ehrenamtliche tätig, bundesweit 400, weltweit 800. bb