Immer weniger wollen in die Bütt

Immer weniger wollen in die Bütt

Die fünfte Jahreszeit ist beliebt, denn feiern und Umzüge anschauen, wollen viele. Doch für die Karnevalsvereine wird es immer schwerer, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Daun/Gerolstein. Ist der Karneval in der Krise? Wer Kappensitzungen besucht und mit früheren Jahren vergleicht, kann zu diesem Schluss kommen. Und Kenner der Szene bestätigen, dass es beispielsweise immer schwieriger wird, Akteure für die Kappensitzungen zu finden.

Stimmungsmusik stärker gefragt als Reden



"Alle wollen nur feiern, trinken und schunkeln, aber keiner will mehr etwas machen", stellte schon Franz-Josef Jax von der Narrenzunft Uersfeld fest, die es beinahe nicht geschafft hätte, in dieser Session überhaupt Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, weil Helfer fehlten. Mario Mayer, Sitzungspräsident der KG Mau-Mau Neunkirchen, ist sich sicher, wohin die Reise geht.

"Der Trend läuft darauf hin, nur noch Stimmungsmusik für junge Leute zu bieten. Das ist schade, weil gerade die Büttenreden die richtige Fastnacht ausmachen", sagt er.

Die Vereinsgemeinschaft Darscheid steuert dem Trend der übermäßigen Stimmungsmusik noch entgegen. "Wir wollen schon schauen, dass wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tänzen und den Vorträgen haben, eben dass es ein bunter Abend ist. Es soll keine Tanzveranstaltung werden", stellt Melanie Blonigen von der Vereinsgemeinschaft klar.

Den Verantwortlichen in Karnevalsvereinen bereitet die Entwicklung Kopfzerbrechen. Besonders die Büttenredner sind überall rar geworden. Sie sind zum einen ein Opfer der mangelnden Zuhörungs- und Konzentrationsfähigkeit der Sitzungsbesucher geworden, aber auch die Lust, eine Rede zu verfassen, ist geringer geworden.

"Die Frage ist: Wollen die Leute überhaupt noch das Brauchtum der Büttenrede?", fragt sich Fritz Schmitt, seit 23 Jahren Sitzungspräsident des Kelberger Karnevalsvereins. Auch Melanie Blonigen kennt das Problem.

"Leute für Büttenreden oder Sketche zu finden, ist schwer. Wir haben zwar noch einige Büttenredner, die aber auch älter werden. Es geht Jahr für Jahr zurück und es kommt nichts nach", sagt sie.

Aber warum ist das so? "Es gibt vielleicht zu viele andere Interessen bei den jungen Leuten. Andererseits fehlt ihnen auch oft das nötige Selbstbewusstsein, in der heutigen Zeit aufzutreten", glaubt Mario Mayer von der KG Mau-Mau.

Fritz Schmitt sieht auch andere Hindernisse: "Eine gute Büttenrede im Ort, da muss auch ein bisschen Politik und Dorfgeschehen drin sein. Aber die Nerven liegen blank in manchem Ort. Da will sich keiner mehr etwas erlauben aus Angst vor Ärger. Einige Leute sind nachher beleidigt, wenn etwas von ihnen in der Büttenrede vorkommt. Alles muss genau durchdacht sein. Karneval ist eben eine ernste Geschichte", so sein Fazit.

Dabei waren die Büttenreden doch früher das Salz in der Suppe des Karnevals. "Ganz früher ging man auf die Kappensitzungen, um etwas zu hören über die Obrigkeit. Das ist ja auch Sinn und Zweck des Karnevals. Ich bin mir sicher, dass dies ausstirbt", meint Schmitt.

Und noch ein anderes Problem kommt hinzu. In fast jeder Kappensitzung muss der Sitzungspräsident die Jecken ermahnen, doch ruhiger zu sein und den Aktiven Beachtung zu schenken, besonders bei den Vorträgen der wenigen Büttenredner.

"Die jungen Leute interessiert auch keine Büttenrede in Reimform mehr", sagt Fritz Schmitt. Zu beobachten ist auch, dass die Karnevalsvereine inzwischen Mühe haben, ihre Säle zu füllen.

"Wir haben uns in diesem Jahr noch entschlossen, zwei Sitzungen zu machen. Sollte die Resonanz nicht so gut sein in beiden Sitzungen, haben wir aber im Vorstand schon darüber gesprochen, im nächsten Jahr nur noch eine Sitzung zu machen und vielleicht einen Kölschen Abend zu veranstalten", sagt der Neunkirchener Mario Mayer.

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