In Basberg kehrt nach dem Bundessieg im Dorfwettbewerb wieder etwas Normalität ein

Dorfentwicklung : In Basberg kehrt nach dem Bundessieg im Dorfwettbewerb vorübergehend Normalität ein

Nach dem Bundessieg bei „Unser Dorf hat Zukunft“ samt vieler Feiern kehrt nun in der Gemeinde vorübergehend Normalität ein. Gut so, denn das Bürgerhaus soll fertig werden.

Im Juli ist Basberg als eine von sieben Kommunen im Bundesentscheid des Wettbewerbs mit dem ersten Platz ausgezeichnet worden.

Die darauf folgende Party (die Partys) im kleinsten Ort der Vulkaneifel ist (sind) erst einmal vorbei: „Es war nicht nur ein Fest, wir haben bereits viermal gefeiert“, sagt Basbergs Ortsbürgermeister Jojo Diederichs.

Die nicht enden wollende Feier war größtenteils dem Umstand geschuldet, dass die Entscheidung der Jury mitten in die Ferienzeit fiel. „Immer wenn Basberger aus ihrem Urlaub zurückkamen, startete die Party neu.“

Basberg feiert Bundessieg im Dorfwettbewerb

Ein großes Grillfest, an dem alle Bewohner teilnehmen können, werde wohl noch folgen, sagt Diederichs. „Ein Termin steht noch nicht – aber wir haben jetzt erst einmal Zeit und Muße, um das neue Bürgerhaus fertigzubauen.“

Und das Schönste ist: Der Sieg im bundesweiten Wettstreit der Dörfer spült unverhofft 15 000 Euro in die Gemeindekasse, die für eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bürgerhauses verwendet werden sollen. „Die Anlage können wir nun in Eigenregie bauen lassen“, freut sich der Ortsbürgermeister. Wegen des geringen Stromverbrauchs der öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde habe der regionale Versorger die Installation auf dem 218 Quadratmeter großen Dach des Neubaus abgelehnt. „Das hätte sich für die nicht rentiert“, sagt Diederichs. „Doch wir können mit den rund 20 000 Kilowattstunden, die wir mit der Photovoltaik-Anlage produzieren, sowohl das neue Gemeindehaus als auch die komplette Straßenbeleuchtung autark betreiben.“

Im Winter soll der Neubau fertig sein, veranschlagt wurden Gesamtkosten von 265 000 Euro – doch nun werden es etwas mehr: „Auf Anordnung des Statikers müssen noch einige Änderungen erfolgen, deren Kosten sich noch nicht beziffern lassen. Wir bleiben aber im Rahmen“, erklärt Diederichs. Ansonsten bleiben noch Restarbeiten in der neuen guten Stube Basbergs, für die die Bürger mehr als 2500 ehrenamtliche Stunden abgeleistet haben: Hier und da werden noch Fliesen verlegt, Türen eingebaut, die Küche muss noch installiert werden und der Thekenbereich im großen Raum steht noch nicht.

Im Außenbereich entsteht mithilfe von Fördergeldern des europäischen Programms Leader ebenfalls ein Ehrenamtsprojekt. Die Familien des Ortes gestalten dort eine Begegnungsstätte für Jung und Alt.

„Nach all der Aufregung der vergangenen Wochen können wir all das in Ruhe angehen“, sagt Diederichs.

Was nach dem Gewinn des Bundesentscheids auf Basberg zukommt, wisse er nicht. „Wir haben auch noch gar keine offizielle Begründung, warum unser Dorf Gold erzielt hat.“ Ungewohnt sei bisher lediglich die Tatsache, dass alle der wenigen Fremdenzimmer in Basberg zurzeit belegt seien.

„Fast das gesamte Dorf wird im Januar 2020 zur Siegerehrung nach Berlin fahren“, erzählt der Ortsbürgermeister. „Ansonsten machen wir weiter wie gewohnt und arbeiten daran, Basberg lebens- und liebenswert zu erhalten.“

Einer, der weiß, was der Sieg im Bundesentscheid für eine Gemeinde mit sich bringt, ist Rudolf Raetz, bis vor wenigen Tagen der langjährige Ortsbürgermeister von Kerpen. 1993 gewann der Burgort den Wettbewerb, war dreimal Landessieger (1992, 1993, 2012) und erhielt 2013 die Bronze-Medaille im Bundesentscheid.

„Die gesamte Dorfgemeinschaft hat an diesen Erfolgen großartig mitgearbeitet“, sagt Raetz. „Und dieses ehrenamtliche Engagement bleibt nach solchen Erfolgen auf Dauer erhalten.“ Auch die Kerpener sind in großer Zahl zur Grünen Woche nach Berlin gefahren, um ihren Preis entgegenzunehmen. „Daran haben wir alle sehr schöne Erinnerungen“, erzählt Raetz.

Auch der Empfang beim damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue sei eine besondere Ehre gewesen. Im Nachhinein und auch bis heute gebe es viele Anfragen zu Führungen durch Kerpen. „Viele Vereine, aber auch Gemeinderäte aus der Region und darüber hinaus holen sich hier ihre Anregungen für ihre Teilnahme am Dorfwettbewerb“, sagt Raetz. Sogar zwei Reisegruppen aus Japan hätten sich Kerpen ganz genau angeschaut. „In Japan ziehen immer mehr Menschen in die großen Städte. In Kerpen suchten die japanischen Gäste nach Ideen gegen die Landflucht.“

Die Feinarbeiten im neuen Gemeindehaus des Gold-Dorfes Basberg stehen noch an. Im Winter dieses Jahres soll der Neubau jedoch fertig sein, sagt Ortsbürgermeister Jojo Diederichs. Foto: Vladi Nowakowski
Die Basberger jubeln, nachdem sie erfahren haben, dass sie Bundessieger beim Dorfwettbewerb geworden sind. Foto: TV/Mario Hübner

Wer weiß, was da noch auf das beschauliche Basberg zukommt.

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