In Birresborn geboren, in Frankfurt ausgezeichnet: Autor Christian Humberg begleitet seinen Vater ins Internet

In Birresborn geboren, in Frankfurt ausgezeichnet: Autor Christian Humberg begleitet seinen Vater ins Internet

Große Ehre für Christian Humberg: Der 39-jährige Birresborner hat bei der Frankfurter Buchmesse einen Publikumspreis abgeräumt. Dabei wurde er erst Schriftsteller, als er beruflich mit dem Rücken zur Wand stand. Sein neues Werk gefährdet auch den Familienfrieden: Er hat seinen Vater begleitet, als der das weltweite Netz erforschte.

Birresborn. Es herrschte Schweigen in der Küche, als die Eltern durch das Skript von Christian Humberg blätterten. Als sie alles gelesen hatten, sagten sie viele weitere Minuten nichts. Irgendwann ergriff Mutter Susanne das Wort und sprach Vater Horst an: "Er hat dich 300 Seiten lang in die Pfanne gehauen. Aber schreiben kann er." Der Papa stimmte grimmig zu. Und gab das Okay für das Buch, das sein Sohn über ihn geschrieben hatte. Es heißt "Der alte Mann und das Netz" und handelt davon, wie Horst Humberg die Welt des Internets entdeckt. Oder von der Frage, warum er in einen E-Mail-Betreff eine spanische Vorwahl schreibt. Davon aber später mehr.
Von den Geschichten erzählt Christian Humberg mit Vergnügen, als er mit dem TV-Reporter in einer Kneipe in Birresborn sitzt. An freien Tagen zieht es den 39-Jährigen häufig in den Ort, in dem er aufgewachsen ist. Humberg ist Schriftsteller, in Mainz ist sein Büro. Erst vor wenigen Tagen hat er bei der Frankfurter Buchmesse einen Publikumspreis gewonnen (siehe Extra). Dabei ist der Eifeler als Autor ein Späteinsteiger, auch wenn es immer sein größter Wunsch war, Bücher zu schreiben.Talent schon in der Schule


Sein Talent zeigte er schon als Jugendlicher. Da besuchte Humberg noch das Gymnasium in Gerolstein und arbeitete für die Schülerzeitung. Auch da legte der Birresborner schon Witz an den Tag. Wie an jenem Freitagabend, als der frühere Ministerpräsident Kurt Beck die Stadthalle Rondell im Wahlkampf besuchte. Das Urteil der Schüler in ihrem Artikel, so erinnert sich Humberg: "Ganz nett, aber kein Vergleich zu Derrick." Der Krimi mit Horst Tappert lief zeitgleich im ZDF.
Nach dem Abitur ging Humberg nach Mainz, um zu studieren. Er arbeitete als Journalist, ein Buch schrieb er in der Zeit nicht. "Ich habe daran gezweifelt, ob es wirklich jemanden interessiert, was ich schreibe", sagt er. Erst mit 30 Jahren setzte er seinen Traum in die Tat um. Notgedrungen. Die Multimedia-Agentur, für die er gearbeitet hatte, verlängerte seinen Vertrag nicht. Humberg dämmerte: "Wenn ich mich jetzt nicht traue, dann traue ich mich nie mehr." Er schrieb fortan als selbstständiger Autor und nahm zunächst Aufträge für Bücher an. Später schuf Humberg mit einem Freund eine eigene Kinderbuchreihe mit der "Drachengasse 13". Er schreibt auch Geschichten für die bekannte Science-Fiction-Reihe "Perry Rhodan" und landete damit in der Bestsellerliste vom Spiegel.
Nun hat der Schriftsteller seinen Vater auf Schritt und Tritt begleitet, als der wissen wollte, wie das mit dem Internet klappt. Er kam mit zu Kursen an die Volkshochschule. Fuhr nachts um drei Uhr nach Birresborn, weil der Computer abgestürzt war und der entnervte Vater angerufen hatte. Und dann war da noch die Sache mit der Landesvorwahl. "Er dachte, die muss man auch in den E-Mail-Betreff einfügen. Als ich in Spanien war, habe ich mich über die Nachricht sehr gewundert", sagt Christian Humberg. Der Autor kam so auf die Idee, ein Buch zu schreiben. "Ich dachte: Wenn ich über die Geschichten lachen kann, können das auch andere."
Das letzte Wort hatten aber die Eltern. "Hätte mein Vater ‚nein' gesagt, hätte ich das Skript zerrissen." Das Schicksal blieb dem Autor aus der Eifel erspart, der sich inzwischen in Deutschland und darüber hinaus einen Namen gemacht hat. Ein angespanntes Familienleben, so verrät er, bevor er die Kneipe in Richtung seines Elternhauses verlässt, bleibe ihm aber nicht erspart. "In letzter Zeit fallen viele Worte, die sich ums Enterben und Unterlassungserklärungen drehen."Extra

Wer hat nicht schon die Idee gehabt, ein Buch zu schreiben. Christian Humberg hat Tipps, wie das klappt. Er rät: 1. Einfach trauen. Die meisten Menschen würden gerne mal schreiben, trauen sich aber nicht. Einen Anfang muss man aber machen. 2. Ich muss wissen, worüber ich schreiben will. In der Zeit von einer Fahrstuhlfahrt sollte ich schon meine Idee vorstellen und begeistern können. 3. Ruhe und Disziplin sind entscheidend beim Schreiben. Das heißt: Tür zu, Telefon aus und ins Büro setzen. 4. Es kommt auch vor, dass man es für Grütze hält, was man geschrieben hat. Keine Sorge, auch das Wegwerfen gehört beim Schreiben dazu. 5. Spaß haben - denn was nützt mir das Schreiben ansonsten?florExtra

Bei der Frankfurter Buchmesse hat Christian Humberg mit seiner Co-Autorin Andrea Bottlinger den Deutschen Phantastik-Preis (DPP) für das beste Sekundärwerk gewonnen. Ausgezeichnet wurde sein Buch "Geek Pray Love", das einen humorvollen Blick auf die Fans fiktiver Welten wie Star Wars und Herr der Ringe wirft. flor

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