1. Region
  2. Vulkaneifel

In den Suchtkliniken in der Vulkaneifel wird an Weihnachten therapiert

Pandemie : Weihnachten in der Rehaklinik: Diesmal ganz besonders anders

In den drei Suchtkliniken im Kreis Vulkaneifel wird auch in Coronazeiten über die Festtage therapiert, nur eben unter Schutz und nicht in Großgruppen.

Von Mario Hübner

Weihnachten steht vor der Tür, doch viele können (oder wollen) dies nicht zu Hause feiern – wie zahlreiche Patienten in den drei Suchtkliniken im Landkreis, der Klinik am Rosenberg in Daun, auf  der Thommener Höhe bei Darscheid und auf der Altburg bei Schalkenmehren. Doch auch diese Einrichtungen sind nicht vor dem Corona-Virus gefeit, trotz ausgeklügelten Hygienekonzepts und durchgängiger Test-Strategie. Bislang komplett ohne Corona-Vorfall durch die Pandemie gekommen ist alleine die Klinik auf der Altburg, eine Einrichtung für mehrfach abhängige junge Erwachsene mit 44 Behandlungsplätzen.

Auch die Klinik auf der Thommener Höhe bei Darscheid mit 134 Betten für Alkohol- und Medikamentenabhängige ist bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen.  Dort erkrankten nach Angaben des Unternehmens seit Ende November zwei Patienten und ein Mitarbeitender an Covid-19. Aktuell gibt es dort laut Unternehmen nur noch einen positiven Befund:  Es handelt sich um einen Mitarbeiter, der sich derzeit noch in häuslicher Quarantäne befindet. An Covid-19 erkrankte Patienten gibt es aktuell laut Unternehmen nicht.

Anders sieht es in der Klinik am Rosenberg mit 150 Behandlungsplätzen für Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie psychosomatisch Erkrankte (wie Depressive) aus: Seit Ende November sind dort 39 Rehabilitanden und 15 Mitarbeiter positiv auf  Covid-19 getestet worden. Die Mitarbeiter befinden sich aktuell alle in häuslicher Quarantäne, viele der Patienten haben ebenfalls die Klinik verlassen und sich in häusliche Isolation begeben. Positiv getestete Patienten sind noch sieben im Haus. „Sie befinden sich in Zimmerquarantäne und werden dort versorgt sowie medizinisch und therapeutisch betreut, da ihnen ansonsten die Obdachlosigkeit drohen würde“, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf TV-Anfrage.

Um dafür zu sorgen, dass das Virus gar nicht erst in die Einrichtungen kommt  oder dass es, wenn es doch einmal drin ist, sich nicht flächendeckend ausbreitet, wird viel Aufwand betrieben. Bereits zu Beginn der Pandemie im Frühjahr seien die „ohnehin hohen Hygienestandards noch einmal verstärkt und ein umfassendes Hygienekonzept ausgearbeitet worden“, heißt es vonseiten der Median-Kliniken. Als wichtigste Einzelmaßnahme wird genannt, dass jeder neu aufgenommene Patient mittels PCR-Test auf eine Corona-Infektion untersucht werde. Ergänzt würde dies seit Oktober durch regelmäßige Antigen-Tests. So sei ein Großteil der Fälle in der  Klinik Am Rosenberg im Rahmen dieser Routine-Screenings erkannt, dem Gesundheitsamt gemeldet und dann gleich in Quarantäne geschickt worden. Zudem herrscht seit dem Frühjahr ein Besuchsstopp. „Wir stehen in engem und gutem Kontakt mit dem Gesundheitsamt, testen regelmäßig, vollziehen sämtliche Kontakte nach und können mit dieser Strategie mögliche Infektionsketten früh erkennen und unterbrechen“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Dr. Volker Schneiders, Leiter des Gesundheitsamts in Daun, bestätigt dies. Er sagt: „Die Kliniken haben eine hohe Eigenverantwortung und ein ausgefeiltes Hygienekonzept, das von uns abgesegnet ist. Als dort die ersten Fälle aufgetreten sind, waren die Kliniken gut beraten, eine konsequente Aufnahme- und Entlassungsstrategie zu fahren, was sie auch gemacht haben, wie uns schriftlich dokumentiert wurde.“

In den nicht beziehungsweise kaum betroffenen Einrichtungen auf der Altburg und der Thommener Höhe geht der Klinikalltag auch über Weihnachten unter den gebotenen  Schutzmaßnahmen regulär weiter, denn sie sind laut Unternehmen weiter „gut belegt“. Dazu gehören neben regelmäßigen Testungen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Einhalten von Abstandsregeln, angepasste Therapieangebote mit kleineren Gruppen beziehungsweise Einzeltherapien.

Am Rosenberg hingegen sieht es anders aus: Dort werden derzeit keine Gruppentherapien angeboten, sondern ausschließlich Einzelgespräche. In allen drei Häusern finden zudem derzeit keine Sport- und Ergotherapien statt, da das Ansteckungsrisiko dabei zu groß ist.

„Wer sich aber betätigen möchte, bekommt ein kleines Päckchen mit einer Bastelarbeit oder einer anderen Beschäftigung“, heißt es. Zudem betont die Unternehmenssprecherin: „Wir halten es für enorm wichtig, dass die Sucht- und Psychosomatik-Behandlungen gerade in diesen Zeiten aufrechterhalten werden, damit die Betroffenen Hilfe finden, ohne die Krankenhäuser zusätzlich zu belasten.“

Am Rosenberg sei dennoch die Belegung „der Situation angepasst worden“, sprich: Es wurde angesichts der hohen Corona-Zahlen ein Aufnahmestopp verhängt. Zum Jahresanfang 2021 sollen aber wieder neue Patienten aufgenommen werden.