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In der fusionierten VG Gerolstein wird nun das Rathausthema angepackt

Kommunalreform : Aus drei mach eins: Rathausfrage in der VG Gerolstein wird angepackt

Sanierung oder Neubau? Die Rathausfrage in Gerolstein wird akut. Denn der VG-Rat hat einstimmig beschlossen, 2022 die Weichen dafür zu stellen, wie es mit dem Gebäude in Gerolstein weitergeht.

Bislang war es das Tabu-Thema in der fusionierten und erst drei Jahre alten Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein, jetzt wird es angepackt: Die Rathausfrage. Genauer: Wann werden die beiden Rathäuser in Hillesheim und Jünkerath (bis auf Bürgerbüros) aufgegeben, der Verwaltungsstandort in Gerolstein zentralisiert. Und wird das dortige Rathaus generalsaniert und erweitert  – oder durch einen Neubau ersetzt?

In seiner jüngsten Sitzung hat der VG-Rat einstimmig beschlossen, 2022 die grundlegenden Weichen in der Rathausfrage zu stellen. Also vor allem die Frage zu klären, ob das Rathaus in Gerolstein saniert und erweitert werden soll, oder ob die Verwaltung in einen Neubau umzieht.  Und in welchem Zeitraum alles vonstattengehen soll. Im Etat für dieses Jahr wurden dafür bereits 275.000 Euro als Anschubfinanzierung eingestellt.

Klar sind dabei jetzt schon zwei Dinge, da sie auch im über Jahre ausgetüftelten Fusionsvertrag zwischen den Vertretern der ehemaligen Verbandsgemeinden Gerolstein, Hillesheim und Obere Kyll festgelegt wurden: Der zentrale (und dann einzige) Verwaltungsstandort wird künftig in Gerolstein sein, in Hillesheim und Jünkerath wird es weiterhin Bürgerbüros geben, in Jünkerath zudem eine Kfz-Zulassungsstelle. Und so unterstrich Klaus Schildgen, Sprecher der großen CDU-Fraktion, unlängst noch einmal: „Über die zentralen Punkte müssen wir nicht mehr diskutieren – wie etwa, dass Gerolstein der Verwaltungsstandort sein wird.“

Auch Bürgermeister Hans Peter Böffgen erinnerte: „Im Fusionsvertrag steht ja drin, dass wir langfristig zentralisieren. Das ist ja auch letztlich Sinn einer Fusion. Jetzt geht es darum, die konkreten Untersuchungen hinsichtlich Sanierung oder Neubau aufzunehmen und mit dem Land über eine finanzielle Unterstützung zu sprechen.“ Er appellierte an die Vertreter aus allen drei ehemaligen VGen daran, an einem Strang zu ziehen: „Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!“

Und es ist bereits einiges geschehen. Vergangenes Jahr hat der Haupt- und Finanzausschuss bereits ein Planungsbüro beauftragt, sich die drei bestehenden Rathäuser genau anzusehen (Größe, Alter, Substanz, Sanierungsbedarf, laufende Kosten, möglicher Verkaufspreis), Unter den Verwaltungsmitarbeitern die Bereitschaft zum Homeoffice zu erfragen, Möglichkeiten, sich einen Arbeitsplatz zu teilen (Desk-Sharing) auszuloten, daraus den künftigen Platzbedarf zu ermitteln und ein Rathaus der Zukunft zu entwickeln.

Das Gutachten, das auf den Vorgaben der Fusionsvereinbarungen aufbaut, hat interessante Details herausgearbeitet. Böffgen: „Ein, sicher nicht sehr überraschendes, Ergebnis ist: Die Zentralisierung bringt wirtschaftliche Vorteile. Es ist also besser, ein Rathaus zu betreiben als drei – wenngleich noch viel Geld in die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Rathauses in Gerolstein oder eines Neubaus zu stecken ist.“ Konkret wird derzeit bei der Sanierungslösung (samt Erweiterung) von Kosten in Höhe von 8 Millionen Euro ausgegangen, bei der Neubaulösung von 8,5 Millionen Euro. „Darin eingerechnet sind Kostensteigerungen in der Baubranche für die nächsten Jahre, die Kosten fürs Homeoffice sowie die Kosten für Umzug und Auslagerung der bisherigen Verwaltung in Gerolstein über zwei Jahre“, konkretisiert der Bürgermeister. Geplant ist ein Umzug ins Rathaus nach Jünkerath sowie die Anmietung mehreres Containerbüros, die davor aufgestellt werden sollen. Und es hat sich ebenfalls bereits herauskristallisiert: Am Rathaus-Standort in Gerolstein wird sich nichts ändern – ob Sanierung samt Umbau oder Abriss samt Neubau. Das hat auch damit zu tun, dass es in Gerolstein keine sonstigen geeigneten und verfügbaren Flächen für einen Rathaus-Standort gibt. Böffgen fügt hinzu: „Wir gehen bei den Berechnungen für den Platzbedarf von zehn Prozent weniger Personal als vor der Fusion sowie einer 20-prozentigen Homeoffice-Quote aus. Außerdem werden wir auf einen großen Saal für die VG-Ratssitzungen verzichten, da dies ein zu großer Flächenbedarf wäre, und planen überwiegend mit Team- satt Einzelbüros.“  

Für die Zukunft der beiden Rathäuser in Jünkerath und Hillesheim gibt es auf Basis des Gutachtens und erster Überlegungen in den Ratsgremien auch bereits Vorstellungen. Das Rathaus in Hillesheim ist bereits größtenteils an den Forst vermietet. Zudem ist dort Platz für die Hillesheimer Stadtspitze und ein Bürgerbüro. Beides soll bestehen bleiben. Für Böffgen wäre mittelfristig aber auch ein Einzug der Touristinformation samt Post sowie der Wirtschaftsförderung der VG denkbar. „Dann wäre das Haus komplett belegt und sehr gut genutzt“, sagt der Bürgermeister.  

Das Rathaus in Jünkerath, das derzeit noch von rund 20 Verwaltungsmitarbeitern sowie einem Arzt und Physiotherapeuten genutzt wird, soll zunächst als Ausweichquartier während der Bauarbeiten in Gerolstein dienen. Künftig soll es verkauft werden. Böffgen sagt: „Eine Idee ist, dort ein Gesundheitszentrum zu installieren, um die ärztliche Versorgung in Jünkerath und an der Oberen Kyll zu verbessern.“ Zumal durch das Hochwasser „uns jetzt ja schon Leute aus dem Gesundheitssystem im wahrsten Wortsinn in das Haus gespült worden sind, da ihre bisherigen Praxen überflutet wurden und wir dort Platz hatten“. Ob dann für das Bürgerbüro und die Kfz-Zulassungstelle dort wieder Räume angemietet werden oder diese Einrichtungen woanders untergebracht werden (vielleicht im Bahnhof?), ist noch längst nicht entschieden. 

Es gab sogar bereits einen Kaufinteressenten für die Immobilie. Böffgens Vorstoß, dann doch mal in den Gremien darüber nachzudenken und zu diskutieren, ob daraus nicht Kapital auch für die Gemeinde geschlagen werden könnte, sei aber massiv zurückgewiesen worden. Tabu-Thema halt. Er sagt: „Es gab die Befürchtung, zu einem solch frühen Zeitpunkt ein falsches Signal zu setzen.“