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In der Vulkaneifel ist die Zahl der Existenzgründungen nicht geringer geworden

Wirtschaft : Corona stoppt Existenzgründungen in der Vulkaneifel nicht

Die Pandemie hat den Neuunternehmen der Vulkaneifel nicht den Wind aus den Segeln genommen. Die Wirtschaftsförderungs­gesellschaft (WFG) des Vulkaneifelkreises bemerkt allerdings Veränderungen.

Es gehört Mut dazu, sich selbstständig zu machen und den Entschluss zu fassen, auf eigene Rechnung und eigenes Risiko zu arbeiten. Auf der anderen Seite stehen Freiräume, Selbstbestimmung, die Verwirklichung eines kreativen Lebenstraums oder oft auch eine flexiblere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Es sind längst nicht nur junge Menschen, welche diesen Schritt tun, sondern sehr oft langjährig Berufserfahrene, so dass der von den Wirtschaftsexperten verwendete Begriff nicht mehr Jungunternehmen lautet, sondern Neuunternehmen. Doch die Pandemie hat in vielen Branchen das wirtschaftliche Risiko erhöht oder zumindest bewusster gemacht. Hat dies zu einem Abflauen der Gründungsbegeisterung geführt?

Judith Klassmann-Laux, Chefin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft  Vulkaneifel mbH (WFG), verneint: „Corona hat viel weniger verändert als angenommen. Die Beratung von Existenzgründungen macht bei uns ein Drittel der Arbeit aus, das war auch 2020 so und setzt sich fort.“ Die Zahl der Erstkontakte mit Gründungswilligen, die Orientierung und Unterstützung suchen, ist auf demselben Niveau geblieben. Auch das so genannte Gründungssaldo ist nach wie vor positiv: Bei den gewerblichen Anmeldungen – Freiberufler, die ein Gros der Start-ups ausmachen, sind nicht mitgezählt – gibt es zwar einen Rückgang von 2019 (405) auf 2020 (348). Aber diese Neuzugänge überwiegen nach wie vor die Zahl der Abmeldungen (2019: 325 Abmeldungen; 2020: 315 Abmeldungen).

Und dennoch ist vieles anders, wie Judith Klassmann-Laux beobachtet. „Die Vorüberlegungen, ob man gründet oder nicht, sind gründlicher und intensiver als früher. Es herrscht größere Vorsicht.“ Was durchaus positiv ist angesichts der Tatsache, dass nach Jahren der Vollbeschäftigung oder sogar des Fachkräftemangels heraus das Motiv eines Auswegs aus Arbeitslosigkeit oder Notlage so gut wie keine Rolle für die Entscheidung einer beruflichen Selbstständigkeit spielt. „Es wird genau hingeschaut, wie die Marktlage für die eigene Geschäftsidee ist oder ob die eigene Persönlichkeit wirklich gut zu einer Existenzgründung passt.“

Wer gründet, will damit in der Regel einen eigenen, schon lang gehegten Lebenstraum verwirklichen und weiß, was er oder sie tut und kann. Der von der WFG auf Wunsch der Betroffenen eingerichtete Neuunternehmertreff – in Coronazeiten digital – setze unter anderem auch hier an und biete im Rahmen des Erfahrungsaustausches die Möglichkeit, Stärken und Schwächen der Idee oder der Qualifikation aufzuzeigen. Es entstehe ein Netzwerk mit handfesten Tipps, etwa zu guten Lieferanten, so dass der Einstieg in die Selbstständigkeit konkret erleichtert wird.

Noch etwas anderes beobachtet Judith Klassmann-Laux: „Gegründet wird in vielen Branchen und durchaus auch im Tourismus oder in den Bereichen Ernährung und Hofläden. Naturbezug, Regionalität und Wertigkeit spielen eine große Rolle.“ Die von der Zukunftsinitiative Eifel seit geraumer Zeit laufende Standortmarketingkampagne, welche die Identifikation mit der Eifel stärken will, zeige offenbar Wirkung. „Außerdem wird deutlich, dass es für viele um mehr als um einen Nebenerwerb geht. Die Existenzgründungen verfolgen in der Regel das Ziel, wirtschaftlich nachhaltig von ihnen leben zu können.“