1. Region
  2. Vulkaneifel

In Gerolsteiner Dolomiten sind vierbeinige Naturschützer im Einsatz

Natur und Freizeit : Ziegen halten Blick auf die Munterley frei

Die Tiere von Schäfer Udo Fries sollen im Schutzgebiet „Gerolsteiner Dolomiten“ Gehölze klein halten. Die vierbeinigen Naturschützer sind die neue Attraktion, doch so einfach lassen sie sich nicht in den schroffen Felsen bei der Arbeit zuschauen.

Es braut sich was zusammen über der Munterley. Das Wolkenspiel kann sich zum Gewitter entwickeln oder vielleicht auch nur eine Schauer zustande bringen. Dennoch machen sich viele Wanderer und Spaziergänger auf den Weg oder sind schon aufgebrochen – darunter auch viele aus  Nordrhein-Westfalen und auch einige aus Baden-Württemberg, wie die Autokennzeichen auf den Parkplätzen am Fuß der Munterley schließen lassen.

Nicht jedem der Gäste ist bekannt, dass sich manch einer auch aufgemacht hat, um ein Blick auf die  Ziegen in den Felsen zu werfen, die dort oben Biotop-Pflege leisten. Die Vierbeiner sind mitunter von der gegenüberliegenden Seite der Stadt gut zu sehen. Bekannt ist, dass Anwohnerinnen des Bereichs Burgring und darüber hinaus morgens den ersten Blick mit dem Fernglas auf die Munterley richten, um die elf Kletterkünstler  zu sehen. Es gibt offensichtlich eine kleine Ziegen-Fan-Gemeinde.

Um auf den Gipfel der Munterley zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel über den Felsenpfad, der  unweit der DRK- Rettungswache in der Straße „Unter den Dolomiten“  beginnt. Er ist Teil des Eifelsteigs, einen  Flyer gibt es bei der Tourist- Information. Weiter die Straße hoch stehen zwei kleine Parkplätze als Startpunkte zur Verfügung. In Anbetracht des ungewissen Wetters bietet sich der weniger anstrengende Weg an. Er führt teilweise auf Asphalt und durch den Wald, vorbei an einem  Holzkreuz, auf dem der Heiland unverdrossen seine Arme ausbreitetet. Trotz verwittertem Holz ist die Botschaft noch lesbar: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

Nicht verwittert, sondern  verblüht sind  Orchideen am Wegesrand, während in den mit Wasser gefüllten kleinen Bombentrichtern das Leben tobt. Einige Molche sind zu sehen und tausende Kaulquappen, von denen sich manche  an einem toten Molch gütlich tun. „Das sind wohl doch keine reinen Pflanzenfresser“, meint eine Besucherin aus Nordrhein-Westfalen. Wohl nicht.

Der Weg durchs offene Gelände führt nun weiter an einem hölzernen Wegweiser vorbei, auf dem nur noch schwach zu lesen ist:  „100 Meter bis  zur Munterley“. Also weiter nach links, aber Vorsicht! Da schlängelt recht langsam eine Blindschleiche über den Pfad, so als könnte sie noch nicht so recht glauben, dass es auch in der Eifel endlich warm geworden ist. Und dann ist er erreicht, der Aussichtspunkt der Munterley auf 482 Metern mit dem überragenden Blick auf die Brunnenstadt, den  gerade schon viele Besucher genießen.

Unbeeindruckt von dem Tumult, räkelt sich eine Mauereidechse in der Sonne, plötzlich ist ein Brummen zu hören. Kein Insekt kommt von den schroffen Klippen in die Höhe geflogen, sondern eine Drohne fliegt zu ihrem Piloten zurück, der an der Hütte steht. Es ist Marius Fries aus Oos, der zusammen mit seinen Eltern Carmen und Udo mit Hilfe der Dhrone nach den Ziegen schaut. Vater Udo kommt täglich zur Munterley, um  nach seinen Tieren zu schauen.

Für die Munterley-Besucher sind sie gerade leider nicht zu sehen. Der Blick nach den Vierbeinern, die sich da irgendwo unterhalb des Aussichtspunktes in  den Felsen befinden, wird auch erschwert durch den Elektrozaun, der auf Abstand hält. Damit sollen die  Biotoppfleger vor dem Eindringen des Wolfes geschützt werden. Die Frage, ob es schon Wolfssichtungen bei Gerolstein gegeben habe, verneint Schäfer Udo Fries.

Der Wolf ist für ihn aber ein heikles Thema: „Der Zaun schützt unsere Ziegen, bei meinen 800 Schafen, die täglich von Wiese zu Wiese ziehen, ist ein solcher Schutz nicht machbar“, sagt er. Fries hat schon brutale Bilder von gerissenen Schafen gesehen. Und er weiß von Kollegen, die deshalb die Schäferei aufgegeben haben.

Die Ziegen aber sind in Sicherheit. Nur gut klettern müssen sie können. Denn ungefährlich ist ihre Aufgabe bei den schroffen Felsen nicht, wie Fries sagt. Zwar liege das Klettern in ihren Genen, aber es muss trainiert werden. Und damit sie das von Kindesbeinen an lernen, bietet der Tierhalter den Zicklein im Stall  einen Kletterparcours zum Üben an. Der Schäfer und seine 100 Ziegen haben  Erfahrung, weitere Tiere sind im Steffeler Vulkangarten und  in der Schönecker Schweiz im Einsatz.

„Es hängt bei einem solchen Vorhaben viel vom Tierhalter ab und da haben wir vollstes Vertrauen zu Herrn Fries“, sagt der für das Beweidungsprojekt zuständige Biotopbetreuer Gerd Ostermann. „Die Ziegen haben hier viel zu tun im größten und bedeutendsten Schutzgebiet des Kreises“, ergänzt er. Vielleicht könnten noch weitere Ziegen dazukommen. Jedenfalls freut sich der Biotopbetreuer über das Interesse  an dem Einsatz der Ziegen, der eine lange Tradition hat.   „Die  Idee, diese Tradition wieder aufleben zu lassen, kam von den Gerolsteinern selbst – vor zehn Jahren. Jetzt wird sie umgesetzt. Und bis zum Herbst werden die Ziegen gute Arbeit leisten“, sagt Gerd Ostermann überzeugt.

 Ohne Beweidung würde der Blick auf das Gerolsteiner Wahrzeichen beeinträchtigt.
Ohne Beweidung würde der Blick auf das Gerolsteiner Wahrzeichen beeinträchtigt. Foto: TV/Maria Adrian
 Auf dem Weg zur Munterley gibt es viel zu entdecken. Diese Eidechse  sonnt sich auf einem Fels am Gipfel.
Auf dem Weg zur Munterley gibt es viel zu entdecken. Diese Eidechse  sonnt sich auf einem Fels am Gipfel. Foto: TV/Maria Adrian
 In diesem Gelände sind die Ziegen unterwegs. Nur lassen sie sich gerade nicht blicken.
In diesem Gelände sind die Ziegen unterwegs. Nur lassen sie sich gerade nicht blicken. Foto: TV/Maria Adrian
 Besuchermagnet Munterley-Gipfel. Ein wolfssicherer Elektrozaun schützt die Ziegen.
Besuchermagnet Munterley-Gipfel. Ein wolfssicherer Elektrozaun schützt die Ziegen. Foto: TV/Maria Adrian

Weitere Fotos unter
www.volksfreund.de/fotos

(ma)