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In Gillenfeld haben die Arbeiten zur Verlegung der neuen Technik begonnen. Einen Hausanschluss gibt es aber nicht für alle.

Infrastruktur : Jeder will auf die schnelle Datenautobahn

In Gillenfeld haben die Arbeiten zur Verlegung der neuen Technik begonnen. Einen Hausanschluss gibt es aber nicht für alle.

Zu einer guten Infrastruktur gehört heutzutage auch eine schnelle digitale Versorgung. Dazu haben Bund und Länder in Deutschland große Summen zur Verfügung gestellt. Im Vulkaneifelkreis bezuschusst das Land Rheinland-Pfalz den Breitbandausbau mit rund 2,6 Millionen Euro. Bis Mitte oder Ende 2019 sollen die hohen Bandbreiten von mindestens 50 Mbit zur Verfügung stehen. Der Ausbau ist derzeit in vollem Gange. Damit sollen die weißen Flecken im gesamten Vulkaneifelkreis verschwinden. Den Auftrag zu den Verlegearbeiten erhielt der günstigste Anbieter Innogy in Zusammenarbeit mit Westnetz.

Nur bei den Arbeiten in Gillenfeld ist dem früheren EDV-Verantwortlichen der Verbandsgemeinde (VG) Daun, Hermann Mertes, kürzlich etwas aufgefallen. Der IT-Spezialist hat festgestellt und recherchiert, dass in der Pulvermaargemeinde zwar zurzeit der Ausbau des Glasfasernetzes im Gange ist, aber nur in bestimmten Bereichen ein Hausanschluss erfolgt.

„Die Glasfasertrasse kommt von Saxler, durch den Waldbereich hinter dem Baugebiet „Auf der Lay“, am Sportplatz entlang durch die Schulstraße bis zur Schule, denn die erhält einen Primäranschluss mit 1000 Mbit (1 Gigabit) aufgrund der Förderung vom Bund“, sagt Mertes. Allerdings erhalte kein Haus links und rechts der Trasse einen direkten FTTH-Anschluss (Fibre to the Home), zu deutsch: Kein Anwesen bekomme einen Glasfaserhausanschluss, hat Mertes erfahren.

Das bestätigt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schlifter: „Das Programm ist begrenzt, es gibt noch keine FTTH-Hausanschlüsse außerhalb der von der Kreisverwaltung vorgesehenen Bereiche“. „Demnach ist fast der gesamte Ortskern außen vor“, sagt Mertes. Kurioserweise gibt es jedoch eine Ausnahme: Die Haushalte im neuen Baugebiet „Kortheck“, die Straße im Steinpesch, der obere Wilhelm-Schmelzer-Weg und die obere Pulvermaarstraße werden mit Glasfaseranschlüssen auf Antrag versorgt.

Dass das restliche Dorf vorerst doch keine schnelle Internetverbindung haben wird, hat einen Grund. Hier liegt nämlich das Hoheitsgebiet der Telekom, die sogenannte „letzte Meile“. In der Straße „Im Weingarten“ steht deren Hauptverteilerkasten. Mehrere Unterverteiler stehen an verschiedenen Stellen im Dorf. Aus diesen Vermittlungsstellen gehen Kupferkabel bis zu den Teilnehmern ins Haus. Damit haben die Gillenfelder DSL-Anschlüsse bis maximal 16 Mbit. Allerdings können die Bewohner im Nahbereich des Hauptverteilers, im Umkreis von rund 300 Metern, bei ihrem Internetanbieter bis zu 50 Mbit aufstocken.

Innogy verlegt zurzeit die Leerrohre, in die später Glasfaser hineingeblasen wird, darf aber die Verteilerkästen der Telekom nicht mit anschließen, „obwohl es einen Kooperationsvertrag zwischen Telekom und Innogy gibt“, sagt Mertes. Dabei gäbe es eine Lösung: „Die Glasfaserleitungen könnten bis zu den Telekom-Verteilerkästen geführt werden. Dort könnte man per Lichtwellenleiter die Glasfaser anschließen und durch Wandlungstechnik (Konvertierung) auf die bestehenden Kupferleitungen bis zu den Häusern breitbandiger benutzen“, erklärt Mertes, „dann könnten bei den Endverbrauchern deutlich höhere Bandbreiten bis zu 50 Mbit oder mehr bereit gestellt werden“.

„Ich bedauere es, dass ich nicht die Möglichkeit habe, Glasfaser bis ins Haus verlegt zu bekommen, obwohl ich so nahe an der Trasse liege“, sagt Stefan Becker, dessen Haus gleich neben dem von Hermann Mertes steht. Da das Mertes-Grundstück unmittelbar an der Trasse liegt, kann dieser auf Antrag einen FTTH-Glasfaseranschluss bekommen. Er habe der Kreisverwaltung alle Straßen mit Hausnummern weitergegeben und die Glasfasertechnik für ganz Gillenfeld beantragt, sagt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schlifter. Ein Gutachten habe bislang sowieso die Aussiedlerhöfe, das Freibad Pulvermaar und das Feriendorf aus der Erschließung mit der neuen Technik ausgeschlossen. Die Verständigung zwischen Telekom und Innogy laufe bereits. Die Telekom habe zugesichert, ihre Verteilerkästen umzurüsten. Es könnten dann zukünftig bis zu 100 Mbit, mit Glasfaser bis zu 300 Mbit erreicht werden. Die Hausanschlüsse müssen von den Eigentümern dann selbst bezahlt werden.