In nur neun Monaten soll der Kindergarten stehen

In nur neun Monaten soll der Kindergarten stehen

Die Arbeiten am Kindergarten in der Raderstraße haben begonnen. Das Vorhaben kostet zehn Millionen Euro und umfasst neben dem Bau der achtgruppigen Einrichtung auch deren Betrieb und Instandhaltung für 25 Jahre. Es ist das landesweit erste Kita-Projekt, das als öffentlich-private Partnerschaft realisiert wird. Die Stadt will so eine Million Euro sparen.

Gerolstein. Beinahe alle fünf Minuten rückt ein neuer, unbeladener Lastwagen an, rangiert und hält in der Nähe von Siegfried Simerath und dessen 29-Tonnen-Bagger von der Firma Backes aus Stadtkyll. Fünf seiner großen Schaufeln, und schon ist der nächste Dreiachser beladen. Simerath hupt kurz, und schon macht sich der Lkw aus dem Staub. Der Nächste, bitte!
Die gesamten letzten Tage ist das so gegangen, nachdem mit einer Kettenraupe das Terrain grob vorbereitet und die Baugrube abgesteckt worden war. Und dann wurde nur noch gebaggert und Dreck abgefahren: mehr als 125 LKW-Ladungen voll.
Es geht zügig voran zum Start der - zumindest was Vorbereitung und Planung betrifft - größten Baustelle in Gerolstein seit vielen Jahren. Und es muss nun auch alles flott gehen, denn bis August kommenden Jahres muss die achtgruppige Kita spätestens bezugsfertig sein. Denn dann haben auch Einjährige einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Und diesen können die Eltern dann gegebenenfalls gegenüber der Stadt einklagen. Gerolsteins Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) ist zuversichtlich: "Nach der langen Vorgeschichte bin ich selbstverständlich froh, dass es nun losgeht." Demnach soll die Stadt im Mai nächsten Jahres das bezugsfertige Gebäude übernehmen können. Kommende Woche soll die Bodenplatte gegossen werden, für Ende November ist bereits das Richtfest geplant. So sieht es die Übereinkunft mit der Arbeitsgemeinschaft Nesseler-Grünzig Bau GmbH Aachen/Weisenburger Wohnbau Halle GmbH vor. Der Rohbau wird von der Nesseler Bauwerk GmbH, einer Tochtergesellschaft von Nesseler-Grünzig, erstellt. Den Betrieb und die Instandhaltung übernimmt dann eine weitere Tochtergesellschaft: die Nesseler-Grünzig Betriebs GmbH.
Hans-Josef Hunz, Büroleiter und Kindergarten-Beauftragter im Gerolsteiner Rathaus, berichtet: "Zum Baustart bin ich mit dem Stadtbürgermeister zur Baustelle gegangen, wo wir die Arbeiter herzlich begrüßt haben. Bei dem Anblick ist mir ein Stein vom Herzen gefallen."
Schließlich ist der erste Beschluss des Stadtrats gegen eine Sanierung des Kindergartens Lindenanlage und für einen Neubau in der Raderstraße bereits dreieinhalb Jahre alt.
Dennoch bleibe es weiter spannend. Hunz sagt: "Es wird sich erst noch zeigen, inwieweit auch regionale Handwerker eingebunden werden, ob Qualität und Service wie zugesagt stimmen und wie sich die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der Praxis bewährt - vor allem beim laufenden Betrieb des Kindergartens."Extra

CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Hauth: "Ein denkwürdiger Moment. Die CDU begrüßt den Baubeginn. Wir freuen uns auf ein schönes Haus, aus dem nun schon bald fröhliches Kinderlachen zu hören sein soll. Ich bin guter Hoffnung, dass der Einzugstermin eingehalten wird." Herbert Lames (SPD): "Ich bin froh, dass die unendliche Geschichte nun mit dem Baubeginn einen erfreulichen Abschluss findet. Ich freue mich für die Kinder und Betreuerinnen, dass sie bald in einen Kindergarten gehen, der den heutigen Anforderungen entspricht." Den Bezugstermin nennt er "realistisch". Gerd Möller (BUV): "Eigentlich hat das ganze Vorhaben viel zu lange gedauert. Aber jetzt sind wir natürlich froh, dass es endlich losgeht. Schließlich haben zuletzt große Bemühungen von allen Fraktionen und Beteiligten dahintergesteckt." Zum Einzugstermin sagt Möller: "Das wird klappen. Ich vertraue auf die Zusage unserer Partner." Horst Lodde (Bündnis90/Die Grünen): "Ich freue mich natürlich, dass es endlich, nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen, losgeht und den Kindern inklusive der Bediensteten in absehbarer Zeit eine Bleibe bereitgestellt wird, die kindgerecht ist und die Möglichkeit einer optimalen pädagogischen Betreuung und Erziehung bietet." Zum Einzugstermin sagt er: "Ich vertraue auf die Auftragnehmer." Gudrun Will (FDP): "Gut, dass es endlich losgeht.. Ich bin überzeugt, dass der Termin eingehalten wird." mhExtra

Kosten: Rund zehn Millionen Euro kosten die Stadt Bau (vier Millionen Euro), Betrieb und Instandhaltung (2,5 Millionen Euro) des Kindergartens in der Raderstraße für die nächsten 25 Jahre. Weil die Stadt Zuschüsse bekommt (Land: 420 000 Euro, Kreis: 207 500 Euro) beträgt ihre Zinslast noch knapp 2,9 Millionen Euro. Die achtgruppige Kita mit 50 Plätzen für Kinder unter drei Jahren wird im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert. Laut Wirtschaftlichkeitsberechnung ist dies eine Million Euro günstiger als bei üblichem Vorgehen. Gespart werde vor allem bei Betrieb und Instandhaltung. mh