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In Sachen Dorfentwicklung hat die VG Daun einiges zu bieten

Dorfentwicklung : Es muss nicht der ganz große Wurf sein

Neu gestalteter Dorfplatz, mehr Kommunikation zwischen Alt und Jung: Es ist einiges passiert in acht Jahren „Wandel erfolgreich gestalten“ in der VG Daun. Aber ausruhen? Keine Chance. Denn es gibt noch viel zu tun.

Alle Leute zieht es in die Stadt… glaubt man Fernsehnachrichten und überregionalen Zeitungen. Dass Landleben jedoch alles andere als verschlafen ist und dass es viele kreative Ansätze gibt, gerade hier den Menschen ein Zugehörigkeitsgefühl und Gestaltungsfreiräume zu geben, zeigt seit acht Jahren der Entwicklungsstrategie in der Verbandsgemeinde (VG) Daun: der WEGE-Prozess. Die Abkürzung steht für „Wandel erfolgreich gestalten“, in dessen Rahmen etliche dörfliche oder überörtliche, thematische Zukunftskonferenzen und Workshops stattfinden.

Deren Aufgabe: schauen, wo vor Ort Potenziale und Probleme liegen, Handlungsfelder bestimmen, machbare Lösungsansätze finden und diese umsetzen. Platz ist da auch für Kritik und Fantasien, aber am Ende – so die Erfahrung – bleibt es nirgendwo bei folgenlosem Meckern oder beim Wolkenkuckucksheim, sondern es setzt sich durch, was von vielen Menschen gewünscht ist und was geht. Und es geht viel. Rund 80 Vertreter der verschiedenen örtlichen Initiativen waren zum Austausch ins Forum gekommen.

Insbesondere die im WEGE-Prozess bereits weit fortgeschrittenen Gemeinden Darscheid, Dreis-Brück, Mehren und Schönbach waren aufgefordert, ihre Projekte ausführlicher zu präsentieren.

Das Repertoire reicht von der neu gestalteten Dorfmitte als Treffpunkt mit Bouleplatz oder Dorfzeitungen, Homepages und Büchereien über generationsübergreifende Aktivitäten und Treffs bis hin zu neu angelegten Gärten für alle. Dabei wurde eines besonders deutlich: Es muss nicht der ganz große Wurf sein, sondern der „Engel“ steckt im Detail.

Wenn die Älteren den Nachwuchs traditionelle Backrezepte lehren oder die Jungen den Menschen Ü 70 beibringen, wie man mit dem Smartphone surft, dann ergibt das keine großen Schlagzeilen.

Aber viel von dem sozialen Kitt, der in den Metropolen immer mehr verloren geht. Jedes Dorf, das die Zukunftskonferenzen und den Prozess mitmacht, schilderte insbesondere ein Plus: „Es sind viele neue Freundschaften entstanden.“ Auch ein 2017 aus Frankfurt Zugezogener, der mit hessischem Zungenschlag die Fortschritte in Mehren präsentierte, machte klar: „Wir haben ganz viel Potenzial entdeckt!“

Werner Klöckner, Bürgermeister der VG Daun, widerlegte auch das Vorurteil, dass Dorfentwicklung nur eine Sache des Geldes sei: „Natürlich kann zum Beispiel eine Gesundheitshütte wie die in Sarmersbach, die auch den umliegenden Orten zur Verfügung steht, nicht ohne Finanzausstattung entstehen. Aber es gibt ganz viele Beispiele, die zugleich zeigen, dass das Wichtigste die Menschen selbst sind und dass die sogar ohne Geld im Dorfsäckel viel bewegen können.“ Ein neugieriger Zaungast im Forum war Hans Peter Böffgen, Bürgermeister der noch jungen VG Gerolstein: „Ich hatte schon viel vom WEGE-Prozess gehört. Wir haben zwar noch etliches zu tun mit der Verbandsgemeinde-Fusion, aber ich denke, diese Zukunftskonferenzen werden wir auch angehen, das lohnt sich.“

In der Tat ist die Liste des Erreichten bemerkenswert, von den Seniorenbeauftragten in bereits 19 Orten über „Bürger für Bürger“ als neue Rückgrat-Organisation zur Wiedereinrichtung einer Geburtshilfe bis zum Projekt solidarische Landwirtschaft, welches die teilnehmenden Erzeuger unabhängiger vom Weltmarkt macht und sie stattdessen mit regionalen Abnehmern zur Existenzsicherung vernetzt.

Und es bleibt noch viel zu tun, wie Caroline Seibert vom Institut für Regionalmanagement, das den WEGE-Prozess begleitet und die Zukunftskonferenzen in den Ortsgemeinden moderiert, in ihrer Auflistung der definierten Handlungsfelder beschrieb: mehr Indoor-Freizeitangebote für Jugendliche, Nachfolger finden für Arztpraxen, Bürgerhäuser zu öffentlichen „Wohnzimmern“ weiterentwickeln, ein Leerstandskataster pflegen, gemeinschaftliche Wohnformen unterstützen, eine Koodinierungsstelle für kulturelle Aktivitäten aufbauen, Vereine in Sachen Fundraising oder Öffentlichkeitsarbeit fortbilden… langweilig wird es im WEGE-Prozess garantiert auch in den nächsten acht Jahren nicht. Weitere Dörfer sollen und können mitmachen, unabhängig von ihrer Größe.

Möglich sind auch Kooperationen wie etwa von Darscheid mit rund 1000 Einwohnern und dem Nachbardorf Hörscheid mit rund 130 Einwohnern: Im Schulterschluss können die allerkleinsten Orte genauso vom Engagement profitieren.

Informationen zum WEGE-Prozess und zu den kommenden Zukunftskonferenzen gibt es bei Daniel Weber (Telefon 06592/939-225) und Verena Welter (Telefon 06592/939-227) im WEGE-Büro (E-Mail wege@daun.de). Informationen des Institutes für Regionalmanagement (IfR) und zu Sorgenden Gemeinschaften als Leitbild der ländlichen Entwicklung unter www.ifr-regional.de