Inspiration und Verzauberung

Inspiration und Verzauberung

In der voll besetzten St. Nikolauskirche führten auf Einladung des Kulturkreises Solisten und Ensembles mit Bravour das musikalische, geografische und kulturelle Grenzen überwindende "Requiem" des zeitgenössischen walisischen Komponisten Karl Jenkins auf. Die Gesamtleitung hatte Roy Coppack.

Daun. Vom Jazzmusiker habe der 1944 geborene Karl Jenkins sich zum Klassiker entwickelt, ohne dabei seine Ursprungsbegabung aufzugeben, beschrieb Moderator Wilhelm Seggewiß den Komponisten. Wohl wahr: Vom Eingangs-chor (drei walisische Lieder) über den Introitus, von dessen erstem Wort die Seelenmesse ihre Bezeichnung hat, bis zum Endsatz des Requiems ("In paradisum") mischen sich unter die klassischen immer wieder dynamische und rhythmische Klänge. Bedeutende Komponisten vertonten vor Karl Jenkins die liturgischen Gesänge aus der Totenmesse, darunter Haydn, Mozart, Cherubini, Berlioz, Verdi und Liszt; hundertfach wurden sie aufgeführt. Und doch ist die Jenkins'sche von ihren Elementen her eine völlig Neue."Dies"-Taumel im Kirchenraum

"Leicht zu verstehen, aber nie banal, die Musiker und Zuhörer fordernd, aber nie überfordernd", kündigte der Moderator - gleichermaßen versiert und unterhaltsam - die Aufführung an.Das Publikum erlebte Inspiration und Verzauberung durch die Flötenmusik von Gerda Koppelkamm-Martini und die Harfenklänge von Konstanze Jarczyk. Der Madrigalchor und der Unterstufenchor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums füllten den Kirchenraum mit "Dies"-Taumel und "Rex"-Rufen. Das Orchester war weit mehr als Begleitung. Die Wirkung der von den hohen Frauenstimmen gesungenen japanischen Haikus (eines aus drei Gruppen von jeweils fünf, sieben und fünf Silben bestehenden Gedichts) und ihrer Untermalung durch Perkussion war "zart, sonst nichts", wie Wilhelm Seggewiß es auf den Punkt brachte. All das spiegelte sich in minutenlangem Applaus und in zahlreichen Komplimenten an Roy Coppack und die insgesamt mehr als 60 Akteure. Maria Bernhardt aus Daun, selbst Haiku-Autorin, sagte dem Trierischen Volksfreund: "Die wunderbar gesungenen Haikus haben die Schwere des Requiems gelöst." Und Roy Coppack? "Am Anfang gab es viel Skepsis. Ich weiß, dass es ein Wagnis und viel Arbeit war. Aber jetzt bin ich sehr glücklich und sehr zufrieden", sagte er.