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Interessengemeinschaft Biotonne verzichtet auf weiteres Bürgerbegehren

Kostenpflichtiger Inhalt: Abfallwirtschaft : Ärger um Müllentsorgung - Interessengemeinschaft Biotonne verzichtet auf weiteres Bürgerbegehren

Initiatorin Ingrid Wesseler aus Daun begründet die Entscheidung damit, dass keine zusätzliche Verwirrung geschaffen und keine weiteren Emotionen geschürt werden sollen.

Das Thema Abschaffung der Biotonne sowie neue Müllgebühren erregt seit Monaten die Gemüter der Menschen im Kreis Vulkaneifel. Inzwischen scheint das Thema auch überregional von Interesse zu sein. So sind unter anderem zwei Fernsehteams, eines vom SWR aus Mainz und eines vom NDR aus Hamburg, Anfang dieser Woche zu Dreharbeiten in die Vulkaneifel gekommen. Ingrid Wesseler von der Interessengemeinschaft (IG) Biotonne, deren Facebook-Seite nach eigenen Angaben auf rund 3000 Mitglieder angewachsen ist, berichtet: „Sowohl SWR als auch NDR sind auf mich zugekommen, da sie Beiträge über das Thema bringen wollen.“ Im Mittelpunkt der Dreharbeiten habe gestanden, wie aufwendig und schwer es für viele Menschen sei, ihre Speisereste zum nächsten Biocontainer zu bringen. „So bin ich mit meiner Nachbarin von Zuhause am oberen Ende des Rosengartens bis hin zum nächsten Sammelcontainer an der Bahnunterführung in der Alten Darscheider Straße gegangen – und zurück. Wer sich auskennt, weiß, wie steil berghoch der Rückweg ist. Obwohl wir einigermaßen trainiert sind, waren wir ganz schön aus der Puste. Ältere oder behinderte Menschen schaffen das unmöglich“, sagt Wesseler.

Oder an der zweiten Drehstation beim Bauhof: Da habe das Fernsehteam Stimmen von Bürgern eingeholt, die gerade ihren Biomüll eingeworfen hätten. „Da fuhr ein Auto nach dem anderen vor, ein regelrechter Mülltourismus. Und das soll klimafreundlich sei?“, fragt Ingrid Wesseler. Zudem hätten alle Anwesenden ihren Unmut kundgetan. Für die IG-Vertreterin wenig verwunderlich: „Ich bin in den vergangenen Wochen keinem begegnet, der mit der neuen Regelung zufrieden ist.“ Allerdings seien mehrere Leute vorbeigefahren und hätten ihr und dem Drehteam mit Daumen-hoch signalisiert, dass sie ihre Aktivität befürworteten. Gespannt sei sie darauf, was aus den Aufnahmen des NDR werde, schließlich sei „extra 3“ ein Satiremagazin. Sie könne sich aber nicht vorstellen, dass „ältere oder gehandicapte Menschen, die ihren Biomüll nicht selbst wegbringen könnten“, verunglimpft würden.

Überhaupt wolle die IG „weiterhin sachlich am Thema arbeiten“, daher distanziere sie sich auch weiter von der Gruppierung „Mehr Bürgerwille“ um Karl Hüppeler aus Esch, die den Rücktritt von Landrat Heinz-Peter Thiel gefordert hatte. Wesseler sagt: „Uns geht es nicht um Personen, sondern um die Sache. Und der Umgangston der Gruppierung gefällt uns auch nicht.“ Weil Hüppeler nun aber bereits 11 000 Unterschriften gegen die Abschaffung der Biotonne gesammelt und in der Kreisverwaltung abgegeben und der Landrat zudem eine eigene Bürgerbefragung zum Thema angekündigt hat, ziehe die IG ihre angekündigte Bürgerbefragung „vorerst zurück“.

Wesseler: „Wir wollen nicht für noch mehr Verwirrung bei den Menschen sorgen und auch keine weiteren Emotionen schüren.“ Vielmehr werde man sich nun zunächst auf die öffentliche Sondersitzung des Kreisausschusses am 27. Januar (17 Uhr) in der Mensa des Thomas-Morus-Gymnasiums in Daun konzentrieren.

Das SWR-Fernsehen strahlt den Bericht über die Abschaffung der Biotonne im Kreis Vulkaneifel am Donnerstag, 16. Januar, 20.15 Uhr, in der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ aus. Der NDR-Bericht in der Sendung „extra 3“ soll in zwei bis drei Wochen folgen.