Interessierte Schüler, heiße Themen, offene Abgeordnete

Interessierte Schüler, heiße Themen, offene Abgeordnete

A 1, Nürburgring, Euro-Krise, Schulden, Bildung: Gerolsteiner Berufsschüler haben intensiv die Möglichkeit genutzt, mit einer echten Landtagsabgeordneten zu diskutieren. Und Astrid Schmitt (SPD) aus Kirchweiler zeigte sich offen, ehrlich und kritikfähig.

Gerolstein. Das will was heißen: Selbst als es klingelt, fragen die Schüler munter weiter. Die Lehrstunde in gelebter Demokratie hat den meisten der 50 Gerolsteiner Berufsschüler sichtlich Spaß gemacht. Wann hat man auch schon mal die Gelegenheit, eine Politikerin mit den Themen zu konfrontieren, die einen als jungen Menschen interessieren?
Da bietet sich der 9. November als geschichtsträchtiges Datum für Deutschland und die Demokratie besonders an. Das hat auch das Eingangsreferat von Schülerin Jacky von der Bank eindrucksvoll gezeigt, die an die vier wichtigen Daten erinnert: Novemberrevolution 1918 mit späterer Ausrufung der ersten Demokratie in Deutschland, Hitlerputsch 1923, Reichspogromnacht 1938 sowie Fall der Mauer 1989.
Und daher appelliert Astrid Schmitt: "Hinterfragen Sie, wo und wann Sie selbst Fremden mit Vorurteilen begegnen. Und haben Sie den Mumm zu sagen: Hier spiele ich nicht mit." Und vielleicht könne der Tag ja auch dazu beitragen, dass sich der ein oder andere engagiere: für die Demokratie, "die ja für uns alle so selbstverständlich ist".
Aber die Politikerin tritt nicht als Missionarin auf, sondern hört vor allem zu und stellt sich den Fragen. Dabei stellt sich rasch heraus, dass es weniger die Historie als vielmehr die aktuelle Politik ist, die die jungen Erwachsenen umtreibt. So fragt Max Richter: "Immer mehr Schulabgänger drängen an die Unis und FHs: Müssen wir alle künftig auf dem Flur lernen?" Astrid Schmitt: "Da müssen wir uns weiter anstrengen und investieren. Ich sage: Ich kürze lieber beim Straßenbau als bei der Bildung." Julia Sonnen will wissen, wie es bei der A 1 weitergeht. Die Antwort: "Ich halte es für wichtig, diese Lücke zu schließen." Wenn jetzt weitere Naturschutzgutachten vom grünen Koalitionspartner gefordert werden, ist das für Schmitt "kein Drama". Sie sagt: "Die Planung läuft weiter."
Sparzwang hier, Nürburgring ("dieser Schrottbau, den kein Mensch braucht") da: Wie das zusammenpasst, will Matthias Göbel wissen. Darauf die Abgeordnete: "Sicher ist beim Nürburgring viel schiefgelaufen. Aber die Idee, dort ganzjährig ein attraktives Angebot zu schaffen, war parteiübergreifend gutgeheißen worden. Und ich hoffe weiterhin, dass es noch gut ausgeht." Weitere Themen sind: Euro-Krise, Staatsverschuldung, Sparzwänge, Wege in die Politik. Mächtig viel für anderthalb Stunden, aber alles andere als langweilig. Das findet auch die diskussionserprobte Politikerin.Extra

Peter Franzen (21) aus Mehren: "Frau Schmitt war sehr offen und auch humorvoll. Und was mir besonders gefallen hat: Sie hatte auch den Mut zu sagen, wenn sie bei einem Thema überfragt war." Timo Heinz (20) aus Neuheilenbach: "Eine coole Veranstaltung. Die Abgeordnete war ehrlich und hat viele Themen gut rübergebracht. Das war anders als das übliche Politikergeschwafel." Marco Juchems (21) aus Zilsdorf: "Frau Schmitt ist sehr sympathisch rübergekommen, weil sie offen war, keine Antwort schuldig geblieben ist und Politik spannend dargestellt hat." Fabian Donkers (23) aus Daun: "Die Veranstaltung war interessant, weil man so mal ganz nah an einem Politiker dran war. Mit hat gefallen, dass Frau Schmitt keiner Frage ausgewichen ist. mh

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