Justiz: Jede Menge Aussagen, aber noch kein Urteil

Justiz : Jede Menge Aussagen, aber noch kein Urteil

Was ist bei einer Schlägerei während einer Weihnachtsfeier genau passiert? Das soll in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Daun geklärt werden. Sie wurde vertagt, da weitere Zeugen vernommen werden.

(lyv) Keine leichte Aufgabe für Julia Schmitz-Garde, Richterin am Amtsgericht Daun, in einer Verhandlung, in der es um Geschehnisse einer Weihnachtsfeier Anfang Dezember vergangenen Jahres geht. Es steht der  Vorwurf schwerer Körperverletzung im Raum, drei Männer stehen vor Gericht.

Was war geschehen? Eine Firma hatte zur Feier am 3. Dezember 2017 in ein Restaurant mit angrenzender Gaststätte in Daun eingeladen. Einer der Mitarbeiter dieser Firma hatte allerdings Lokalverbot im Haus. Nach Rücksprache des Chefs der Firma mit dem Restaurant-Inhaber durfte der heute 23-Jährige Angeklagte aus der VG Daun dann doch ins Restaurant, aber nicht in die Gaststätte.

Dennoch sei er mehrfach in die Gaststätte gekommen, berichtete der Inhaber des Lokals. Das allein aber war nicht ausschlaggebend für die Schlägerei. Im Flur zwischen Gaststätte und Restaurant habe sich eine Rangelei mit einem unbekannten „kleinen Mann mit Bart“ ergeben. Das bestätigten der Angeklagte und auch der Restaurant-Chef. Letzterer habe dann die beteiligten Personen nach draußen vor die Tür geschoben. Und dort sei die Sache dann eskaliert.

Während die beiden Mitangeklagten, Freunde des mutmaßlichen Urhebers der Schlägerei, beteuerten, niemanden geschlagen zu haben, berichten die Zeugen das Gegenteil. Zwar sei Alkohol im Spiel gewesen, aber nicht so, dass man sich nicht erinnern könne, erklärten die drei Angeklagten. Man habe dem Freund nur helfen wollen, weil er geschlagen wurde.

Zwei Mann seien auf ihn los gegangen, einen davon habe er auf einen Hänger drücken und festhalten können, sagte der Lokalbesitzer, während einer der beiden anderen ihn am Hals und einer seitlich fasste. Dabei wurde ihm ein Finger gebrochen, was später erst von einem Arzt festgestellt wurde.

Er habe am Boden gelegen, sagte der 23 Jahre alte Angeklagte, was von seinen Freunden bestätigt wurde. Und dort sei er immer wieder geschlagen worden. Die Zeugenaussagen lieferten aber ein anderes Bild. Man habe zwar jemanden am Boden liegen sehen und ihm helfen wollen. Dieser sei aber dann aufgestanden, habe zugeschlagen und sich wieder hingelegt. Der als Zeuge geladene Polizist bestätigte ebenfalls eine am Boden liegende Person. Man habe den Rettungswagen gerufen.

Ein Fernseher, den der Angeklagte an diesem Abend bei einer Verlosung gewonnen habe, sei draußen zu Bruch gegangen hieß es von Seiten des Wirtes. Der stehe zu Hause und funktioniere, sagte dagegen der Angeklagte. Fest steht: Fast alle Beteiligten wurden verletzt, ärztliche Atteste lagen dem Gericht vor.

Ein klares Bild war angesichts vieler gegensätzlicher Aussagen nicht zu erwarten, was dazu führte, dass sich die Richterin nach Rücksprache mit Staatsanwalt und den Anwälten der Angeklagten dazu entschloss, die Verhandlung zu vertagen. Zudem tauchten während der Verhandlung Namen von eventuell weiteren Zeugen auf, die nicht in den Akten vermerkt waren. Die Aussagen der bisher weder geladenen noch von der Polizei verhörten Personen müssen nun aufgenommen werden, um ein endgültiges Urteil zu fällen.

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