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"Jeder kann mit anpacken"

"Jeder kann mit anpacken"

GEROLSTEIN. 15 Monate führt Bürgermeister Matthias Pauly (CDU) nun bereits die Geschäfte im Gerolsteiner Rathaus. Im TV -Interview zieht er Bilanz.

Herr Pauly, mehr als ein Jahr leben und arbeiten Sie bereitsin Gerolstein. Wie fällt ihre persönliche Bilanz aus? PAULY: Es ist besser, als ich es mir erhofft hatte. Meine Familie und ich haben uns sehr gut eingelebt, und was wir uns im Rathaus vorgenommen haben, haben wir auch umgesetzt - vielleicht sogar noch mehr.

Sie sprechen die Umstrukturierung der Verwaltung an?

PAULY: Ja, das war der eine Schwerpunkt. Im Nachhinein sage ich, war es eine gute Entscheidung, das innerhalb des ersten halben Jahres über die Bühne zu bringen. Wir verstehen uns als Dienstleister und müssen uns daher auch an diesem Maßstab messen lassen. Und ich glaube, das können wir. Wir haben die Öffnungszeiten erweitert - ohne zusätzlichen Personalbedarf. Wir haben für alle Gremien eine Jahresplanung aufgestellt, und wir haben vor allem im EDV-Bereich stark nachgerüstet, so dass nun jeder Mitarbeiter einen E-Mail-Anschluss hat. Ich denke: Das Haus ist fit.

In ihrem politischen Domizil aber herrschten - nicht zuletzt wegen des Wahlkampfs - beinahe chaotische Zustände. Ist die CDU mittlerweile wieder gerüstet für die Zukunft, zumal im kommenden Jahr Kommunalwahlen sind?

PAULY: Den zweiten Schwerpunkt meiner Arbeit habe ich daher darin gesehen, die politische Landschaft zu beackern. Die CDU hat mit dem von ihr gewählten Auswahlverfahren demokratische Grundsätze gelebt. Damit haben wir eine vernünftige Plattform gelegt, auf der wir nun aufbauen. Zudem denke ich, dass das Schlimmste überstanden ist. Und ein Aufflammen von persönlicher Betroffenheit, und mehr war das damals nicht, gibt es immer mal wieder.

Doch zur Zukunft: Ist die CDU für die Kommunalwahl gerüstet, will sie jetzt auch den Posten des Gerolsteiner Stadtbürgermeisters?

PAULY: Da müssen Sie die CDU fragen, die wird das in den Gremien diskutieren. Aber eines ist klar: Die Stadt hat eine herausragende Stellung, also ist die Schlussfolgerung auch klar.

Der Stadtbürgermeisterposten.

PAULY: (schweigt)

Angemessene Form der Bürgerbeteiligung

Im Wahlkampf haben Sie eine verstärkte Bürgerbeteiligung angekündigt. Doch bislang hat es erst eine Bürgerversammlung (zum Baugebiet Lissingen) gegeben.

Alles nur leere Versprechungen?

PAULY: Zum einen sind die Themen in der Zuständigkeit der Verbandsgemeinde nicht die, die dauernd nach Bürgerbeteiligung schreien. Ich bin aber gerne bereit, mich einzubringen. So hatte es besonders mit dem Rathaus zu tun, dass der Diskussionsprozess in Sachen Fußgängerzone angestoßen wurde. Zum anderen wird keine Ratssitzung vor 18 Uhr, keine Ausschusssitzung vor 16 Uhr angesetzt, damit die Leute teilnehmen können. Im Übrigen halte ich die Einbindung der Bürger wie beim Marketingprojekt als die heute angemessene Form der Bürgerbeteiligung. Da kann jeder bei "seinem Thema" mit anpacken

Im Fall "Windkraft in Neroth" ist die Einmischung der VG aber auf heftigen Widerstand gestoßen, weil erstmals die Souveränität der Ortsgemeinde missachtet wurde. Wird das zum Regelfall?

PAULY: Wenn es ausschließlich Belange der Ortsgemeinde betrifft, soll kein anderer reinreden. Das war hier aber nicht der Fall, da die Windkraft Auswirkungen über die Ortsgemeinde hinaus hat.

Dennoch sind die Nerother, weil nicht oder erst sehr spät informiert, aus allen Wolken gefallen.

PAULY: Da ist die Kommunikation sicherlich noch zu verbessern. Und das soll auch geschehen.

Hat die Verbandsgemeinde Gerolstein - vor dem Hintergrund der zu erwartenden Gebietsreform - eine Überlebenschance, und sehen Sie Ihre Zukunft in Gerolstein?

PAULY: Ein Matthias Pauly versucht in der Regel vorwegzudenken. Die Entscheidung zu kandidieren, hat eng mit Gerolstein zu tun. Gerolstein hat eine herausragende Stellung in der Region: Es hat eine gute Finanzkraft, hat Potenzial, hat Zukunft. Und wenn wir unsere Arbeit gut machen, hat die Verbandsgemeinde Gerolstein auch in Zukunft eine Existenzberechtigung. Auf jeden Fall werden wir alles, was wir haben, in die Waagschale werfen. Gerolstein sollte sich mit solchen Städten wie Hermeskeil oder Saarburg messen.

Konkret: Werden Sie für das Gerolsteiner Land kämpfen oder sich rechtzeitig anderweitig orientieren?

PAULY: Natürlich werde ich für das Gerolsteiner Land kämpfen. Bei Kritik am Gerolsteiner Land entwickele ich schon persönliche Betroffenheit, und meine Familie und ich verbinden bereits heimatliche Gefühle mit der Region. Wenn meine Tochter bereits nach sechs Wochen sagt, dass sie nicht mehr nach Sinspelt zurück will, und meine Frau Gerolstein meint, wenn sie sagt, dass sie nach Hause möchte, dann ist das eindeutig.

Die Fragen stellte Mario Hübner.