Jedes Exponat hat seine Geschichte

Jedes Exponat hat seine Geschichte

Das Heimatmuseum Kaisersesch im "Prison", dem ehemaligen kurfürstlichen Gefängnis, ist eine Fundgrube für Gegenstände aus dem Alltag der Vergangenheit. Herr über all die bäuerlichen Geräte und Haushaltsgegenstände ist Matthias Schnitzler.

Kaisersesch. Eigentlich ist er Energieberater. Doch in seiner Freizeit ist Matthias Schnitzler Hobby-Heimatforscher. Er sammelt und pflegt die Exponate des Kaisersescher Heimatmuseums.
Das seit 2001 bestehende Museum hat seinen Bestand stetig vergrößert, und Matthias Schnitzler ist der Einzige, der einen Überblick über all die kuriosen und seltsamen Dinge hat. Er weiß, wo sie herkommen und wer sie gebracht hat. Es ist weniger die museologische Aufbereitung, wegen der das Prison einen Besuch wert ist. Es sind die Geschichten, die Matthias Schnitzler zu erzählen weiß. Alte Handmühlen aus dem Haushalt, als es noch keinen Mixer gab: Schnitzler kann ihre Funktionsweise erklären. Wer kennt noch die Mühle zum Mahlen von Mohnkapseln? Ein anderes originelles Gerät diente zum Rösten von Gerste, mit der dann Malzkaffee, der sogenannte "Muckefuck", gebraut wurde.
In einer "reichen" Wohnung wird die Fernsehtruhe gestanden haben, die in Cochem als erste ihrer Art verkauft wurde. Sie lieferte nicht nur Bilder in Schwarz-Weiß, man konnte damit auch Radio hören.
Ein Überseekoffer, der die ganze Welt bereist hatte, stammt von einer Nonne aus dem Kaisers-escher Altenheim. Jedoch hat sie, als der Koffer zum Transport von frommen Schriften diente, alle Aufkleber, die die Reisen des Koffers dokumentierten, bis auf einen entfernt. Die Bildchen wurden dem frommen Zwecke nicht mehr gerecht.
Ein altehrwürdiges Gasthaus in Kaisersesch gibt es nicht mehr. Aber das Porzellan aus dem Gasthaus Wagner steht im Heimatmuseum. So hat jedes Teil eine persönliche Geschichte, die Schnitzler gerne weitergibt.
In einem gesonderten Raum ist eine komplette Schusterwerkstatt aufgebaut. Hier demonstriert Schnitzler, wie die Schusterlampe Licht spendet. Auch die Funktion einer Geldzählmaschine kann er erklären, ebenso eine Maschine aus einer früheren Kaisersescher Druckerei.
Viele Exponate haben Wiedererkennungswert. An vieles kann man sich aus der Kindheit oder aus dem Haushalt der Oma erinnern. Eine Besucherin soll einmal, als sie die Tischdecke in der alten Küche sah, gerufen haben: "Das ist ja die Decke von Tante Anna!" Besagte Decke war nach dem Zweiten Weltkrieg aus amerikanischen Mehlsäcken genäht und mit roten und blauen Fäden verziert worden.UA
Die Ausstellung des Heimatmuseums in Kaisersesch ist an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet.

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