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Jensens Abschied vom Traumjob: Amtszeit von Dauns Stadtbürgermeister endet am Donnerstag

Jensens Abschied vom Traumjob: Amtszeit von Dauns Stadtbürgermeister endet am Donnerstag

Am Donnerstag ist es soweit: Wolfgang Jenssen übergibt das Amt des Dauner Stadtbürgermeisters an Martin Robrecht. Im Volksfreund-Interview zieht der 71 Jahre alte SPD-Mann Bilanz seiner Zeit an der Stadtspitze (Landkreis Vulkaneifel) und schaut voraus.

Daun. 15 Jahre an der Spitze der Kreisstadt: So lange waren nach dem Zweiten Weltkrieg nur zwei Männer im Amt, Ferdinand Kettenhofen und nun Wolfgang Jenssen. Für ihn endet am Donnerstag die Zeit als Stadtbürgermeister, aber von einem endgültigen Abschied von der politischen Bühne ist er aber noch weit entfernt. Er sitzt im Kreistag sowie im Stadtrat und ist Beigeordneter der Verbandsgemeinde Daun.

Haben Sie sich darauf vorbereitet, dass für Sie in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats ein wichtiger Lebensabschnitt endet? Nach 15 Jahren nicht mehr Stadtbürgermeister?
Jenssen: Ich habe ja meine Entscheidung gründlich durchdacht, als ich beschlossen habe, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Natürlich werde ich mich daran gewöhnen müssen, nicht mehr Stadtbürgermeister zu sein, aber das geht bestimmt schnell. Ich bin ja auch nicht völlig außen vor, sondern arbeite weiter in den drei Kommunalparlamenten mit.
Aber etwas mehr Freizeit wird es doch geben, oder?
Jenssen: Klar, der Stadtbürgermeisterposten war ja mindestens ein Halbtagsjob. Vielleicht ist ja jetzt mal mehr Urlaub möglich.

Bei der Amtsübernahme haben Sie davon gesprochen, dass für Sie ein Traum wahr geworden ist, Stadtbürgermeister zu sein. Würden Sie heute das relativieren?
Jenssen: Nein, auf keinen Fall, ich bin immer noch stolz darauf, dass ich mich für meine Heimatstadt an exponierter Stelle engagieren konnte. Natürlich habe ich nicht alles erreicht, ziehe aber trotzdem eine durchweg positive Bilanz. Und nicht vergessen: Ich bin ja nicht völlig weg, sondern sitze im Stadtrat.

Schon seit Ende der 1960er Jahre sind Sie in der Politik aktiv. Haben Sie sich damals vorstellen können, dass es möglich sein würde, dass ein evangelischer SPD-Mann Stadtbürgermeister von Daun werden könnte?
Jenssen: Damals sicher nicht, da mussten wir "Roten" gegen die übermächtige CDU besonderen Kampfgeist entwickeln. Aber ich war ja nie so ideologisch verbohrt, dass ich nicht erkannt hätte, wenn CDU-Leute gute Ideen hatten oder haben. Das gilt speziell für den damaligen Bürgermeister der VG Daun, Julius Saxler, den ich stets hoch geschätzt habe und der für mich auch Vorbild für die politische Arbeit war.

Seit 1953 ist Daun Ihre Heimatstadt. 15 Jahre standen Sie an der Spitze der Kommune. Was sind die wichtigsten Errungenschaften in Ihrer Amtszeit?
Jenssen: Es gibt ja nichts, was ich allein hätte umsetzen können, dazu brauchte es die Unterstützung durch den Stadtrat und vor allem der Verbandsgemeindeverwaltung, deren Mitarbeiter unsere Ideen, Pläne und Projekte realisiert haben. Besonders erfreulich ist für mich die Erfolgsgeschichte Stadtsanierung. Durch den Laurentiusplatz und den Wirichplatz, die neu gestaltet worden sind, hat Daun aus meiner Sicht enorm gewonnen. Oder der Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Obwohl finanziell nicht auf Rosen gebettet, hat die Stadt Millionen investiert in diesen Bereich. Gut angelegtes Geld, wie ich finde, denn so etwas gehört einfach zu einer Stadt, die attraktiv bleiben will für Familien.

Was bleibt denn mit Ihrem Namen verbunden?
Jenssen: Sicher die Einführung des Neujahrsempfangs, den heute wohl niemand mehr aus dem Veranstaltungskalender der Stadt streichen wollte. Die Stärkung des Ehrenamts, die Auszeichnung besonders verdienter Bürger, Vereine oder Gruppierungen, das war mir wichtig, und ich bin froh, dass es gut angenommen worden ist.

Was hätten Sie denn gern noch zu Ende gebracht als Stadtbürgermeister?
Jenssen: Dass es noch kein umsetzungsfähiges Konzept für das Kurmittelhaus gibt, bedauere ich, aber das gilt sicher für alle Stadtratsmitglieder, die das Thema begleitet haben. Gefreut hätte ich mich, wenn mit der Umgestaltung des Kurparks und der Einrichtung des Drees-Wanderwegs hätte schon begonnen werden können.

Wobei Sie wahrlich kein Befürworter des neuen Kurparks waren.
Jenssen: Die ursprüngliche große Lösung habe ich abgelehnt, ja. Aber das modifizierte und im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit beschlossene Konzept habe ich mitgetragen und unterstützt.

Dafür, dass Ihr Herz noch so an der Stadt hängt, das Sie weiter im Rat aktiv sind, haben nicht viele Verständnis.
Jenssen: Ich weiß, und ich habe auch wirklich lange überlegt, einen kompletten Schnitt zu machen. Andererseits habe ich kandidiert, bin gewählt worden, was ich auch als Votum der Bürger verstehe, mich weiter zu engagieren. Es sollte aber niemand Bedenken haben, dass ich mich über Gebühr einmische. Das habe ich auch meinem Nachfolger Martin Robrecht versprochen.

Auch der SPD-Fraktion? Die war schließlich die härteste Opposition in den 15 Jahren.
Jenssen: Es ist kein Geheimnis, dass meine Parteifreunde mich nicht geschont haben, aber stets in der Sache. Ich bringe mich nun in die Fraktionsarbeit ein, und das wie bisher im Interesse der Stadt.

Ihre große Stärke ist, dass Sie nicht nachtragend sind. Waren Sie das schon immer oder haben Sie es gelernt?
Jenssen: Ich habe schon früh gelernt: Nachkarten bringt nichts. Man begegnet sich bekanntlich mindestens zweimal im Leben, auch im politischen. Was nutzt es mir, wenn ich nach der ersten Begegnung schon alle Brücken abgebrochen habe, beim zweiten Mal aber Unterstützung gebraucht hätte? Aber natürlich habe auch ich persönliche Anfeindungen nicht einfach locker weggesteckt.

Nun haben Sie die Chance, zu erläutern, wie Ihr Verhältnis zu Werner Klöckner, dem Bürgermeister der VG Daun, in den vergangenen 15 Jahren wirklich war. Es ist ja viel spekuliert worden, dass Sie mit ihm und/oder er mit Ihnen nicht konnte und dadurch manches gebremst worden sei.
Jenssen: Wir hatten keine enge Beziehung, wir sind keine Duzfreunde. Aber wir hatten durchaus ein sachliches Verhältnis, wir haben viel miteinander gesprochen. Natürlich waren wir auch mal unterschiedlicher Meinung, was aber nicht verwundern kann, denn die Interessen der Stadt sind andere als die der VG. Aber weder er noch ich haben irgendetwas gebremst, und persönlich habe ich kein Problem mit Herrn Klöckner. Wir sind miteinander zurechtgekommen.

Aber vom Gesundland Vulkaneifel, das Klöckner maßgeblich auf den Weg gebracht hat, sind Sie noch nicht überzeugt.
Jenssen: Ich kann tatsächlich noch nicht erkennen, wie unsere Region profitieren soll, aber vielleicht irre ich mich ja. Wenn es ein Erfolg wird, gebe ich gerne zu, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe.

Vielleicht wäre Ihr Verhältnis zu Werner Klöckner sogar ein herzliches geworden, wenn Sie nicht den Vorschlag des früheren Landrats Heinz Onnertz, die Verbandsgemeinden abzuschaffen, unterstützt hätten.
Jenssen: Ich hatte sogar mal nach Mainz geschrieben, ob es nicht möglich wäre, dass die Stadt Daun aus der VG Daun austritt. Aber dafür habe ich - auch in der eigenen Partei - keine Mitstreiter gefunden. Aber an meiner Haltung hat sich nichts geändert: Eine "Schreibstube" für die Gemeinden ist erforderlich, aber dafür braucht es keine eigenen Verbandsgemeinden.

Kreistag, Verbandsgemeinde- und Stadtrat: Gibt es Themen, denen Sie in allen drei Gremien begegnen werden?
Jenssen: Das große Thema, das uns alle angehen wird, ist: Wie kann es gelingen, den Kreis Vulkaneifel zu erhalten? Schaffen wir das nicht, wird sich das auch für die Kreisstadt Daun auswirken. Ich werde mich jedenfalls mit dem, was mir möglich ist, dafür einsetzen, dass unser Kreis nicht von der Landkarte verschwindet.

Als "einfaches" Stadtratsmitglied wird es wohl kaum mehr eine Gelegenheit geben, bei der Sie Anzug und Krawatte tragen müssen. Werden Sie das vermissen?
Jenssen: Ganz bestimmt nicht.

Also künftig nur noch der unvermeidliche Pullunder?
Jenssen: Davon dürfen Sie ausgehen.