Jetzt geht's um den eigenen Bauplan

Jetzt geht's um den eigenen Bauplan

Rückzug: Rainer Schulte-Loh (71/SPD), seit mehr als 30 Jahren in der Kommunalpolitik im Gerolsteiner Land tätig, hört Ende Juli auf. Er will mehr Zeit für die Familie haben und zieht mit seiner Frau in die Nähe von Tochter und Enkelkind nach Euskirchen.

Gerolstein-Lissingen. Lissingen sowie der Stadt- und Verbandsgemeinderat Gerolstein ohne Rainer Schulte-Loh sind nur schwer vorstellbar. Der zwar manchmal etwas grimmig dreinschauende, aber stets ruhig und bedächtig agierende und sprechende Kommunalpolitiker ist eigentlich zum Inventar des Stadtteils und der kommunalpolitischen Gremien zu zählen.
In den vergangenen drei Jahrzehnten hat der heute 71-Jährige alle maßgeblichen kommunalpolitischen Entwicklungen begleitet - lange Zeit auch in führenden Positionen: als Ortsvorsteher und als Beigeordneter (siehe Extra). Und das als SPD-Mann im traditionell schwarz gefärbten Gerolsteiner Land.
Menschen ganz nah


"Mit mir war die CDU-Mehrheit als Beigeordnetem einverstanden, obwohl sie überhaupt keinen Posten hätte abgeben müssen", erinnert sich Schulte-Loh an seine Anfangsjahre.
Mutmaßlich haben die politischen "Kontrahenten" schon damals seine ruhige und besonnene Art zu schätzen gewusst.
So kommt es nicht von ungefähr, dass er den Umgang vor allem in den städtischen Gremien - der vor zwei Jahren zum plötzlichen Rücktritt von Stadtbürgermeister Karl-Heinz schwatz geführt hat - kritisiert.
Schulte-Loh sagt: "Es ist auch heute noch nicht viel besser geworden. Es werden zu selten die Gemeinsamkeiten gesucht, und es gibt zu viele Sticheleien hintenrum."
Aber Groll oder Kritik an der politischen Kultur im Gerolsteiner Land sind es nicht, die ihn zum Rückzug bewogen haben. "Ich habe bereits seit längerem mit dem Gedanken gespielt aufzuhören, und das auch angekündigt", sagt der 71-Jährige. Private Gründe seien ausschlaggebend. Er sagt: "Ich möchte mehr Zeit für mich und meine Familie haben. Deshalb haben wir uns entschlossen, in die Nähe unserer Tochter und Enkeltochter zu ziehen. So können wir uns besser gegenseitig unterstützen."
Dafür geben die Schulte-Lohs ihr großes Haus in Lissingen auf, und lassen in der Nähe von Euskirchen ein neues Eigenheim errichten. "Am 4. Juli wird es aufgestellt - ein Fertighaus, denn die Gesundheit erlaubt es mir nicht mehr, dass ich selbst noch schwer mit anpacke."
Dennoch: Baustress mit 71 - Respekt! Aber vor großen Themen hat sich der langjährige Ortsvorsteher noch nie versteckt. So wie dem Umbau der Alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus. Ein Projekt, auf das er nach eigenem Bekunden "mit Stolz" zurückblickt. Vor allem, weil "das vier Jahre lang viel Arbeit war und wir selber auch viel Eigenleistung investiert haben". Für den Ort sei das Haus wichtig: "Seit Jahren haben wir keine Kneipe mehr mit Saal, aber wir haben viele Familien, besonders unsere Aussiedler, die Hochzeiten oder große Feste mit bis zu 200 Leuten bei uns feiern", sagt Schulte-Loh.
Ebenfalls recht groß ausgefallen ist auch das Neubaugebiet Vorderste Dell mit seiner teuren Erschließung und seinen rund 100 Bauplätzen, von denen auch heute noch etwa 50 frei sind. Er sagt rückblickend: "Na ja, wir hätten so viele Bauplätze nicht gebraucht, aber es gilt ja als Baugebiet der Stadt."
Für den Stadtteil sieht er dennoch einige Probleme: "Wir haben etliche Häuser im Dorf, in denen alte Leute wohnen. Da bekommen wir schon bald ein Leerstandsproblem im Ortskern. Da macht es die Sache nicht leichter, wenn direkt nebenan viele Baustellen zur Verfügung stehen."
Der Stadtrat Gerolstein hat bereits den Termin für die Neuwahl des Ortsvorstehers von Lissingen festgelegt: Es ist Sonntag, 14. Oktober. Eine eventuelle Stichwahl ist zwei Wochen später - am Sonntag, 28. Oktober.
Extra

Rainer Schulte-Loh gehört seit Juli 1979 dem Ortsbeirat Lissingen an, seit August 1994 ist er Ortsvorsteher des größten Gerolsteiner Stadtteils. Seit Juli ist der SPD-Mann auch Mitglied des Gerolsteiner Stadtrats. Er war von 1984 bis 1989 zweiter Beigeordneter sowie von 1989 bis 1994 erster Beigeordneter. Seine Zugehörigkeit im VG-Rat (seit 1984) unterbrach er wegen eines Herzinfarkts für viereinhalb Jahre. Seit der Wahl im Sommer 2004 gehört er dem Gremium aber wieder an. Daneben bekleidete er Posten in verschiedenen Ausschüssen. mhExtra

... zum Gemeindehaus: "Ist für den Ort enorm wichtig." … zur Kritik wegen der hohen Umbaukosten: "Wenn man eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht: Na ja." … zum Wöllersberg: "Stadt und Verwaltung haben den Wöllersberg verscherbelt und verkaufen das auch noch als Erfolg. Das ärgert mich heute noch sehr." … zu Karl Grommes, streitbarer Besitzer der Unterburg: "Er hat viele wunderbare Dinge gemacht, ist aber leider auch mit vielen in Streit geraten - selbst mit denen, die anfangs zu ihm und seinen Ideen gestanden haben." … zu dem, was ihn bei seiner Arbeit geärgert hat: "Leute, die an allem meckern, aber selber nichts einbringen." … zu dem, was ihn bei seiner Arbeit gefreut hat: "Dass man im Ort noch was bewegen kann, weil viele mithelfen, wenn man sie fragt."mh

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