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Jetzt kursieren die Bordell-Gerüchte - Keiner weiß in Gerolstein, was Calluna-Bieter mit Hotel vorhat

Jetzt kursieren die Bordell-Gerüchte - Keiner weiß in Gerolstein, was Calluna-Bieter mit Hotel vorhat

Ein türkischer Geschäftsmann aus Mannheim, der mit Immobilien handelt, hat beim dritten Zwangsversteigerungstermin eine Million Euro für das Hotel Calluna in Gerolstein geboten. Über den endgültigen Zuschlag entscheidet das Gericht in einer Woche. Eine Auskunft darüber zu erhalten, was mit dem Haus passieren soll, gestaltet sich schwierig. Der Bieter ist nicht zu erreichen. Und an der Stadtspitze ist man frustriert.

Gerolstein. Rätselraten in der Stadt Gerolstein: Nachdem ein türkischer Geschäftsmann aus Mannheim über einen Mittelsmann beim jüngsten Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Daun eine Million Euro für das Hotel Calluna geboten hat, fragt man sich in Gerolstein: Wer ist Süleyman Eyman und was hat er vor? So sagt Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU): "Es ist für uns überraschend und betrüblich zugleich, denn wir hatten mit einem anderen Bieter gerechnet, mit dem wir bereits detailliert über eine Wiederinbetriebnahme des Hotels gesprochen haben. Ich bin todunglücklich über diese Situation, denn neben dem potenziellen Investor hatte ich bereits einen Betreiber an der Hand."Stadtspitze ist beunruhigt


Bei dem Genannten soll es sich um einen israelischen Geschäftsmann handeln, der bereits einige Hotels besitzt, bei dem Betreiber um einen einheimischen Mann vom Fach. Mehr sagt Bongartz dazu nicht.
Nun aber ist die Gerolsteiner Stadtspitze beunruhigt, da sie nicht weiß, in welche Richtung sich die Lösung der seit vier Jahren offenen Immobilienfrage nun entwickelt. "Wir wissen nicht, was er vorhat", sagt Bongartz über den Bieter, der ihn nach eigenem Bekunden Anfang des Jahres einmal wegen des Hotels Calluna angerufen hat.
"Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört", sagt der Stadtbürgermeister, der sich außerdem fragt, weshalb der von ihm favorisierte Gesprächspartner erstens nicht mitgeboten hat und zweitens überhaupt nicht zum Versteigerungstermin erschienen ist.

Allerdings soll es noch diese Woche einen Gesprächstermin zwischen dem Israeli und der Gläubigerbank geben. Das ist die BAG-Bankaktiengesellschaft. Die gibt sich erwartungsgemäß bedeckt und beantwortet mit Verweis auf das Bankgeheimnis und den Datenschutz keine der Fragen des TV.
Dem türkischen Bieter kann man erst gar keine Fragen stellen: Unter dem Namen Süleyman Eyman und der bei Gericht hinterlegten Adresse in Mannheim gibt es keinen Telefonbucheintrag. Unter dem vollständigen Namen werden eine Reihe von türkischen Internetseiten mit türkischen Rechtsanwälten in Mannheim angezeigt, unter dem Nachnamen samt Adresse einen Eintrag über eine Eyman GmbH - jedoch ohne E-Mail-Adresse, ohne Telefonnummer, ohne Internetauftritt. Der Eintrag im Handelsregister gibt zumindest einen Hinweis auf das Betätigungsfeld dieser Firma: "Die Haupttätigkeit liegt im Bereich Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen für Dritte." Ob der Bieter dahintersteckt, ist offen. Als Geschäftsführer ist eine andere Person aufgeführt.

Ob Eyman das Hotel Calluna wirklich übernehmen darf, wird erst in einer Woche verkündet. Bis dahin muss er nach TV-Informationen eine Sicherheitsleistung von gut 200 000 Euro hinterlegt haben, was zehn Prozent des Schätzwertes der Immobilie sind. In der Zwischenzeit will die Gläubigerbank das Angebot auf Herz und Nieren prüfen.
Die Stadt Gerolstein hat sich bislang stets geweigert, eine andere als eine touristisch-gastronomische Nutzung zuzulassen. Nun kursieren nach Auskunft des Stadtbürgermeisters bereits erste Gerüchte, dass das ehemalige Vier-Sterne-Haus künftig als Stundenhotel oder Bordell fungieren könnte.
"Aber mit solchen Bestrebungen wird man hier in der Stadt auf Granit beißen", kündigt Bongartz an.Meinung

Viele Fragen, keine Antworten
Auch nach dem dritten Versteigerungstermin, bei dem erstmals ein zulässiges Gebot getätigt wurde, ist weiter unklar, was mit dem ehemaligen Hotel Calluna passiert. Und es tauchen plötzlich sogar noch mehr Fragen auf: Wer ist der ominöse Bieter, der sich bislang nicht öffentlich erklärt hat und auch nicht persönlich beim Versteigerungstermin anwesend war? Handelt er selbstständig oder im Auftrag? Welche Pläne verfolgen er oder sein Auftraggeber mit dem ehemaligen Vier-Sterne-Haus? Und, und, und. Da ist es nachvollziehbar, dass rasch neue Gerüchte ins Kraut schießen - etwa vom künftigen Stundenhotel oder Bordell. Wäre die Stadt auf die Investoren eingegangen, die im ehemaligen Hotel betreutes Wohnen für Senioren samt öffentlicher Gastronomie anbieten wollten (und davon gab es mindestens zwei nachvollziehbare Angebote), dann wären dort oben vermutlich bereits die Sanierungsarbeiten im Gang. Und zweitens würde es solche Gerüchte nicht geben. Aber vielleicht wird es ja doch noch etwas mit dem Hotel. m.huebner@volksfreund.deExtra

 Der Glanz ist längst verblasst.
Der Glanz ist längst verblasst. Foto: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"

Das Hotel Calluna steht seit vier Jahren leer. Der Stadtrat hatte zuletzt im Sommer beschlossen, vorerst weiter an einer Hotelnutzung festzuhalten. Damit waren die Pläne für betreutes Wohnen für Senioren vom Tisch. Laut TV-Informationen sollte bis Ende dieses Jahres an einer Hotel-Lösung festgehalten werden. Zur Versteigerung kam lediglich der Hauptteil des Gebäudes mitsamt einiger Zimmer, da etliche Einheiten inzwischen anderen Eigentümern gehören. Experten gehen davon aus, dass mindestens eine hohe sechsstellige Summe investiert werden muss, um das Haus zu sanieren. mh