Gesellschaft: Jung und Alt an einen Tisch bringen

Gesellschaft : Jung und Alt an einen Tisch bringen

Drei Fraktionen wollen im Verbandsgemeinderat Gerolstein den Antrag einbringen, dass Kindertagesstätten ihr Mittagessen künftig auch für Senioren anbieten.

Was früher in Drei-Generationen-Haushalten selbstverständlich war, wird auch in ländlichen Gebieten zunehmend zu einer Seltenheit: Kinder und alte Menschen essen gemeinsam zu Mittag. „Da geht es nicht nur um das Essen an sich, sondern auch um die Vermittlung von Werten, um das Erzählen von Geschichten“, ist Resi Schmitz überzeugt. Die Familienberaterin und Psychotherapeutin bringt als Grünen-Ratsmitglied in der Sitzung des VG-Rats Gerolstein am Donnerstag, 29. August, ab 18 Uhr in Duppach einen gemeinsamen Antrag ihrer Fraktion mit CDU und FWG ein, in dem die Einrichtung von regelmäßigen Mittagessen in Kitas, an denen ältere Menschen teilnehmen, vorgeschlagen wird.

„Es ist doch gerade die Stärke der Dörfer, dass hier beide Lebenswelten noch gut miteinander verbunden werden können und dass ein Miteinander funktioniert“, argumentiert sie. Ein Stück Eifelheimat und Wir-Gefühl soll so entstehen und gestärkt werden, als Gegensatz zur städtischen Anonymität.

Der Antrag habe „das Ziel, die Einrichtung eines gemeinsamen Mittagessens für junge und alte Menschen in den Kindertagesstätten der VG Gerolstein zu ermöglichen. Diese gemeinsame Mahlzeit mit frischen, natürlichen, ökologischen und regionalen Produkten für Kindergartenkinder und Senioren dient der Förderung des Austauschs zwischen den Generationen.“

Die Verwaltung solle den Kontakt zu den Kitas herstellen und das gemeinsame Mittagessen mit Senioren und Kindern in den Kitas ausschreiben – so der Vorschlag.

In anderen Orten wie etwa in Niederstadtfeld funktioniert das generationsübergreifende mittägliche Schlemmen mit Kommunikation bereits. „Geeignet wären vor allem die kleinen Kitas auf den Dörfern“, erläutert Resi Schmitz, „sie können in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus oder mit Pflegeeinrichtungen solche Mittagstische anbieten, auch einzelne ältere Menschen können mitmachen.“ Der logistische Aufwand sei machbar, denn das Essen komme sowieso und jede Kita habe auch Mobiliar, das für Erwachsene geeignet ist, so dass sich niemand auf die niedrigen Tische und Stühle der Kleinen einstellen muss. „Wir denken zudem an überschaubare kleine Gruppe von Seniorinnen und Senioren, die gegen einen geringen Obolus, etwa mit Hilfe von Bringdiensten, Mitfahrgelegenheiten oder der Kitabusse mobil werden können.“ Sollten gemeinsame Mahlzeiten nicht direkt in der jeweiligen Kita stattfinden können, seien auch Bürgerhäuser geeignete Stätten. Die Hoffnung: „Dadurch erhalten das gegenseitige Verständnis, das Miteinander und der Gemeinschaftssinn in der ländlichen Umgebung neue, bereichernde Impulse.“ Aus den gemeinsamen Mittagessen und aus der generationsübergreifenden Zusammenarbeit etwa beim Tischdecken könne sich sogar noch viel mehr entwickeln.Denkbar seien gemeinsame Werk- und Bastelstunden oder Vorlesezeiten. Zudem sei gut möglich, dass auch gegenseitige Hilfen entstehen wie etwa Babysitting als Entlastung für junge Eltern und Fahrdienste oder Unterstützung bei der Gartenarbeit für die Alten.

„Die Seniorinnen und Senioren profitieren von der Wissbegier und Offenheit der Kinder und die Kinder lernen ältere Menschen mit allen Facetten kennen.“ Andernfalls gebe es oft ein Unverständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen Generationen.

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