Junge Aktivisten aus sechs Nationen erarbeiten in Daun Strategien für den globalen Klimaschutz

Umwelt : Sie wollen Klimaschutz: Junge Aktivisten aus sechs Nationen treffen sich in Daun

Jugendliche aus sechs Nationen erarbeiten in Daun Strategien gegen die Erderwärmung und für die Stärkung der „Fridays for future“-Bewegung. Am Freitag veranstalten sie eine Demonstration in der Kreisstadt.

Kaum bemerkt von der breiten Öffentlichkeit haben sich seit einer Woche rund 40 Teenager aus sechs Ländern in der Jugendherberge Daun für ihren Kampf gegen die Erwärmung der Erde gerüstet – in Workshops zu Themen wie „Wissenschaft Analyse des Klimawandels“ sowie „Klimagerechtigkeit und das Nord-Süd-Gefälle“. Aber auch, wie gut argumentiert, mit Leugnern des Klimawandels diskutiert und grundsätzlich Menschen überzeugt werden können, sich einzubringen. Oder wie Catlin Savage (16) aus Großbritannien es auf den Punkt bringt: „Wir kämpfen nicht nur für uns und unsere Zukunft, sondern auch für die Leugner und deren Kinder. Für die gesamte Menschheit. Jedes ungeborene Kind. Und auch alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Denn alle werden vom Klimawandel betroffen sein.“

Doch bei der Zusammenkunft, die von erfahrenen Klimaaktivisten und Experten geleitet wird, geht es nicht nur ums Lernen. „Hier kommen Leute zusammen, die die gleichen Ängste teilen, ähnlich denken und fühlen und wissen: Es muss rasch etwas geschehen, wir müssen handeln! Daher unterstützen wir uns gegenseitig“, sagt Simon Andersen (16) aus Dänemark. Und zwar international (weshalb auch alle englisch miteinander reden), schließlich mache der Klimawandel nicht an Ländergrenzen halt, betont Sofia Palatta (16) aus Italien. „Auch machen wir uns gegenseitig Mut, geben uns gemeinsam Kraft, denn die Überzeugungsarbeit ist oft sehr aufreibend, da viele Menschen sehr bequem sind oder die Dringlichkeit des Problems nicht sehen wollen“, sagt die „Fridays for future“-Aktivistin Emily Karius (18) aus Deutschland, die dieses Jahr ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,2 gemacht hat – obwohl sie seit Jahresbeginn jeden Freitag für den Klimawandel gestreikt hat.

Angetreten, die Welt zu retten

Auch für den heutigen Freitag haben die jungen Kämpfer etwas geplant: eine Demonstration (siehe Info). „Wir rechnen damit, dass viele Schüler der Dauner Schulen teilnehmen. Und auch sonst ist jeder, dem die Zukunft unserer Erde am Herzen liegt, herzlich eingeladen mitzumarschieren“, sagt Markus Moskau (18), einer der Initiatoren.

Er war es auch, der bei der anderen öffentlichkeitswirksamen Aktion der jungen Truppe mit guten und eindringlichen Worten auf die Dringlichkeit des Problems hingewiesen und viele Passanten sensibilisiert hat. Beim gut besuchten Laurentiusmarkt haben die jungen Aktivisten ein spontanes Happening veranstaltet: Während Markus Moskau per Megaphon auf Ursachen und Wirkungen des Klimawandels hingewiesen und zum sofortigen Gegensteuern durch jeden Einzelnen, die Politik und die Industrie aufgerufen hat, haben sich rund zwei Dutzend der Klimaaktivisten spontan auf die ohnehin gesperrte Kreuzung vor der Kreissparkasse gelegt und sich tot gestellt – Symbol für die sterbende Natur.

Das stieß bei einigen Passanten, die alles aufmerksam verfolgten, auf positive Resonanz. So sagte Birgit Hermes aus Daun-Neunkirchen: „Ich finde es klasse, dass die jungen Leute das machen, bin nur etwas traurig, dass viele Leute einfach vorbeigehen.“ In die gleiche Kerbe schlug Klaus-Dieter Peters aus Neroth: „Ich finde diese spontane Aktion gut. Es muss nicht immer freitags sein, dass auf das drängende Problem aufmerksam gemacht wird.“ Andere Marktbesucher sahen das etwas anders. So sagte eine Frau: „Ich halte das mit der Klimaerwärmung für übertrieben. Es geht doch nur darum, wieder mehr Steuern einzutreiben.“ Zwei Standbetreiber wurden sogar sauer. Sie fragten: „Wie lange soll das denn jetzt noch gehen? Wenn die Straße belagert ist, machen wir keine Geschäfte.“ Andere gingen unberührt am Event vorbei. Nach knapp einer halben Stunde standen die Klimaaktivisten wieder auf und zogen über den Markt von dann – das normale Markttreiben ging weiter.

Eine Marktbesucherin fragte noch kritisch: „Wie sind die denn alle hergekommen, etwa mit dem Flugzeug?“ Nachgehakt bei den Klimaaktivisten: „Natürlich nicht, geht ja gar nicht. Mit dem Zug“, antwortet Sofia aus Italien, 27 Stunden. Bei Catlin hat es etwa genauso lange gedauert, Simon hat nur 22 Stunden gebraucht. Von den Strapazen der Reise und der intensiven Workshops konnten sich die Teenager aber auch ausruhen -– bei Wanderungen durch die Vulkaneifel oder dem ein oder anderen Maar-Besuch Catlins Fazit: „Hier ist es so wunderbar: die Wälder, die Berge, die vielen Tiere, die Seen, diese Natur: Das ist es doch genau, um dessen Erhalt wir kämpfen!“

Mittlerweile eine internationale Bewegung: Fridays for future. Foto: TV/Mario Hübner
Die Aktivisten „sterben“ und sorgen bei einigen Marktbesuchern für Interesse und Aufmerksamkeit, andere gehen unberührt vorbei. Foto: TV/Mario Hübner
Junge Aktivisten aus sechs Ländern haben in Daun auf den Klimawandel aufmerksam gemacht. Foto: TV/Mario Hübner
Junge Aktivisten aus sechs Ländern haben in Daun auf den Klimawandel aufmerksam gemacht. Foto: TV/Mario Hübner
Junge Aktivisten aus sechs Ländern haben in Daun auf den Klimawandel aufmerksam gemacht. Foto: TV/Mario Hübner

Weitere Infos sowie Videobotschaften einiger Aktivisten unter

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