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Kaffee trinken ja, heiraten vielleicht

Kaffee trinken ja, heiraten vielleicht

Die Burg in Dreis ist zusammen mit dem Nebengebäude innen und außen renoviert und soll als Standesamt und Café genutzt werden. Doch bis dahin hat Burgherr Hans-Gunter Hoffmann von Guretzky-Cornitz viele Auflagen in Sachen Brandschutz zu erfüllen. Für das Café im Nebengebäude gibt es seit wenigen Tagen die Konzession, die Genehmigung für das Standesamt steht noch aus.

Dreis-Brück. Die Burg in Dreis hat sich zu einem wahren Schmuckstück im Ort entwickelt. Hans-Gunter Hoffmann von Guretzky-Cornitz hat ebenso wie der Vorbesitzer viel Arbeit in die Renovierungen der Gebäude gesteckt. Nun würde er es gerne wirtschaftlich nutzen, darf es aber nur mit Einschränkung. Für das Café hat er erst vor einer Woche die Konzession bekommen. Aber auch dort muss ein Raum noch geschlossen bleiben, bis eine Brandschutztür eingebaut ist.
An die finanziellen Grenzen


Die Auflagen der Kreisverwaltung für den Brandschutz machen dem Burgherrn nach eigenen Aussagen das Leben schwer und werfen ihn immer wieder zurück. "Das Schlimme ist, dass ständig etwas Neues dazukommt", sagt der aus Erndtebrück in Nordrhein-Westfalen stammende Malermeister. So sei das eine Fenster als Fluchtmöglichkeit im Brandfall nicht geeignet, ein anderes von gleicher Größe auf der anderen Gebäudeseite dagegen schon.
Während die meisten Auflagen für das Café im Nebengebäude erfüllt sind, geht es nun noch um die Nutzung der denkmalgeschützten Burg selbst als Standesamt. Am morgigen Freitag hat Hoffmann von Guretzky-Cornitz einen neuen Termin mit Baubehörde und Brandschutz. Auch bei diesem Vorhaben seien ihm immer wieder wegen des Brandschutzes Probleme entstanden. So habe er sich wegen der ungewöhnlichen Maße Holztüren anfertigen lassen, nun müsse er diese auch durch Brandschutztüren ersetzen und habe für die ursprünglichen Türen keine Verwendung. Das Ganze bringe ihn mittlerweile an seine finanziellen Grenzen, sagt Hoffman von Guretzky-Cornitz.
Er versteht nach eigenen Aussagen nicht, dass bei einem solch alten Gebäude dieselben Maßstäbe wie bei Neubauten angelegt werden. Der Burgherr wünscht sich von der Kreisverwaltung mehr Entgegenkommen, wie es auch andere Behörden gezeigt hätten mit Rücksichtnahme auf die Besonderheiten der Burg. So seien beispielsweise in der Küche des Cafés nicht wie vorgeschrieben vier Waschbecken. Eines habe man aus Platzgründen in das Nebenzimmer verlagert.
Bei der Kreisverwaltung sieht man die Angelegenheit anders. "Den Vorwurf, dass es keine einheitliche Linie gibt, weisen wir entschieden zurück", sagt Pressesprecherin Verena Bernardy. Je nach Nutzung der Räumlichkeiten gebe es klar definierte Brandschutzbestimmungen. Gestaltungsspielraum sieht sie dabei keinen. Insbesondere bei einer öffentlichen Nutzung habe jeder Gast den Anspruch auf einen verlässlichen Brandschutz. "Im Brandfall muss gewährleistet sein, dass alle Personen die Möglichkeit haben, schnellstmöglich das Gebäude verlassen zu können." Die gelte für ein historisches Gebäude genauso wie für einen Neubau. Verena Bernardy sagt außerdem, dass die Burg zwar ursprünglich ein historisches Gebäude sei, aber nicht unter Denkmalschutz stehe, da sie vom Vorbesitzer aus einer Ruine neu aufgebaut wurde. "Die Gebäude der Burg Dreis sind daher wie Neubauten zu beurteilen."
Neues Angebot wird begrüßt


Dieser Einschätzung widerspricht Hoffmann von Guretzky-Cornitz. Die Burg selbst stehe unter Denkmalschutz, das Nebengebäude, in dem sich das Café befindet, unter Ensembleschutz. Das heißt, dass es auch da in der Gestaltung Auflagen gibt, um das Gesamtbild zu erhalten. Insofern wäre beispielsweise eine Feuertreppe aus Metall nicht machbar.
Sollte es am Freitag zu einer Einigung kommen, könnte nach langem Kampf doch der Betrieb aufgenommen werden. Denn es gibt auch positive Signale von der Kreisverwaltung: "Wir begrüßen das Gesamtprojekt des jetzigen Eigentümers und auch das von ihm geplante Vorhaben mit der Absicht ein weiteres kulturelles Angebot im Landkreis zu schaffen", sagt die Pressesprecherin.Extra

Die Dreiser Burg wird erstmals im Jahr 1579 erwähnt. Das Gebäude wird in einer Belehnungsurkunde als Amtshaus des Schultheißen Jacob Demeradt und seiner Frau Maria, einer unehelichen Tochter des Grafen von Manderscheid, ausgewiesen. In den folgenden Jahrhunderten sind Angehörige der Familien Fischer und Stoll die berechtigten Lehensträger. Im Verlauf weiterer Verzweigungen kommen die Familien Müller und Knorr hinzu. 1975 verkaufen die Schwestern Mathilde Eulenberg und Brigitte Leclaire (aus der Knorr-Linie) die Burg. Danach wechselt sie mehrfach den Besitzer. Durch den Verkauf werden die umfangreichen Restaurierungen im Außen- und Innenbereich möglich, die die Burg in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Vor der Restaurierung besaß die Burg keine Ecktürmchen und hatte einen viel niedrigeren Treppenturm. Der vorherige Besitzer der Burg Dieter Schewe hat das Gebäude 1995 erworben und restauriert. Dafür hat er rund 1,4 Millionen D-Mark investiert. Anfang 2012 hat er das Anwesen dann an Hans-Gunter Hoffmann von Guretzky-Cornitz verkauft, der das Gebäude für eine neue Nutzung umgebaut hat. Noj/Quelle: Dorfchronik Dreis-Brück. noj