Tiere: Kein Futternapf soll leer bleiben

Tiere : Kein Futternapf soll leer bleiben

In Jünkerath geben Luise und Hans-Dieter Budick Tierfutter an Menschen, die sich die Versorgung ihrer Hunde und Katzen nicht leisten könnten. Der Bedarf ist groß.

Luise und Hans-Dieter Budick sind bereit. Die heutige Ausgabe des Tierfutters kann losgehen. Einige Tüten und Kartons für Stammkunden haben sie bereits gepackt, andere werden erst nach Bedarf bestückt-

Und der Bedarf für die Tiernahrung, die das Paar für eine Schutzgebühr von zwei Euro ausgibt, ist groß. Denn viele Menschen könnten sich das Futter und damit ihre Haustiere nicht mehr leisten.

Kaum ist die Ausgabestelle nahe des Bahnhofs in Jünkerath geöffnet, kommt Melanie Weidner in Begleitung einer Freundin und ihres Hundes Snoopy zur Ausgabe. Sie kommt regelmäßig einmal im Monat zur Tiertafel. „Man ist immer froh über die Hilfe, wenn man Probleme hat“, sagt sie. Der Hund, der sie begleitet, bekommt von hier allerdings kein Futter. Melanie Weidner erhält mehrere Kartons mit Katzenfutter für ihre drei Stubentiger daheim, Snoopy muss vor Ort mit einem Leckerli vorlieb nehmen. „Maximal drei Haustiere“, nennt Hans-Dieter Budick eine der Regeln, die für die Futterspenden gelten. Die Existenz der Tiere müssen die Kunden beispielsweise durch einen Impfpass belegen. Futter für Welpen oder neu angeschaffte Tiere gibt es nicht. Auch den Anspruch auf eine Futterspende müssen sie nachweisen, etwa mit einer Bescheinigung vom Jobcenter. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei der Tafel, die viele der Kunden ebenfalls nutzen.

Kaum sind die beiden Frauen gegangen, steht schon der nächste Kunde vor der Tür. Der Mann kommt alle zwei Woche, um hier Futter für seinen Bordercollie-Mischling zu holen. Neben dem Futter gibt es noch Gelegenheit zu einerm kurzen Gespräch über die Vierbeiner. Dass sein Hund mittlerweile problemlos im Auto mitfährt, weiß er zu berichten.

Auch die nächste Kundin, die namentlich nicht genannt werden möchte, zeigt ihren Ausweis, der den Anspruch auf Futterspende nachweist und zahlt den Obulus. Dafür bekommt sie Futter für zwei Hunde und eine Katze. Sie äußert den Wunsch nach Trockenfutter für ihren Stubentiger, denn das meiste Nassfutter würde das Tier  verschmähen. Luise Budick packt zwei Kartons mit Trockenfutter und noch ein Paket mit kleinen Nassfutterdosen, die die Katze bevorzugt. Sie komme immer aus dem Dauner Raum, erzählt die Kundin, die an diesem Tag von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn gebracht wurde. Für sie wäre es schön, wenn es auch näher zu ihrem Wohnort eine solche Einrichtung gebe. Sie lebe allein und die Tiere seien ihr sehr wichtig, sagt die Frau.

Das ist auch für Luise und Hans-Dieter Budick die Motivation für ihr Engagement. Das Ehepaar, das selber Katzen hat, weiß wieviel Haustiere für die Menschen bedeutetn. Sie möchten, dass kein Tier aus finanziellen Gründen, weil das Geld für das Futter nicht reicht, abgegeben werden muss.

Gegründet haben sie den Verein Tierteller e. V. im Februar des vergangenen Jahres. Anstoß dazu war der Besuch einer solchen Einrichtung in Köln. Die Idee habe ihnen so zugesagt, dass sie mit der Organisation einer Tiertafel begannen.

Einfach sei das nicht gewesen, erzählt Budick. Zunächst einmal habe er ausreichend Mitglieder für die Vereinsgründung gesucht. Auch die Suche nach geeigneten Räumen sei nicht einfach gewesen. In Jünkerath habe man die kleine Lagerhalle gefunden, die ihnen kostenlos zur Verfügung steht.

Die Zahl derer, die regelmäßig kommen, um ihre Tiere zu versorgen, nimmt ständig zu. Bei der ersten Ausgabe kamen nur drei Kunden, die insgesamt fünf Tiere zu versorgen hatten. Ende Juli waren es schon 38 Kunden mit 84 Tieren. Ein Jahr nach der Gründung kamen 62 Kunden mit 127 Tieren. Aktuell sind es 77 registrierte Menschen, die insgesamt 155 Tiere versorgen. Im ersten Jahr wurden insgesamt etwa 2500 Kilogramm Nassfutter und rund 2200 Kilogramm Trockenfutter für Hunde ausgegeben. Weiterhin ungefähr 1200 Kilogramm Nassfutter und rund 700 Kilogramm Trockenfutter für Katzen. Ausgabe ist jeweils am zweiten und vierten Freitag im Monat von 13 bis 16 Uhr. Wenn jemand nicht mobil ist, bringt das Ehepaar das Futter auch schon mal nach Hause.

Getragen wird der Verein ausschließlich durch ehrenamtlich Arbeit und Spenden und Erlöse von Veranstaltungen wie etwa dem Sommerfest (siehe Info). Ob Privatleute oder Firmen, jede Zuwendung ist willkommen in Jünkerath. Futterspenden können auch in den entsprechenden Containern bei verschiedenen Supermärkten in Jünkerath, Gerolstein, Hillesheim und Daun abgegeben werden. Auch weitere Helfer und Mitglieder werden gesucht.

Neben dem Tierfutter geben Luise und Hans-Dieter Budick auch Zubehör heraus. Hundeleinen, Halsbänder, Körbchen, Spielzeug oder Katzentoiletten, hier gibt es alles. Oft sind es Privatleute, die die Sachen spenden, wenn zum Beispiel das eigene Haustier stirbt.

Für die Budicks ist die Tiertafel fast ein Vollzeitjob. Neben der Ausgabe des Futters müssen sie sich um die Spenden kümmern, Futter abholen. Oder auch hinbringen zu Kunden, die keine Möglichkeit haben, nach Jünkerath zu kommen.

Luise Budick bringt es auf den Punkt: „Die Freizeit geht für die Tiere drauf. Und das macht Spaß!“

Weitere Infos:
https://tiertellereifel.jimdo.com/

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