Kein Gemäuer, aber doch ein Magnet

Kein Gemäuer, aber doch ein Magnet

Schon vor 1700 Jahren lebten bei Bodenbach Menschen in einer Villa. Mit dem "Museum in der Landschaft" zeigt die Gemeinde ihr antikes Erbe seit dem vergangenen Jahr. Und das kommt an: Vor allem Wanderer, aber auch Reisegruppen interessieren sich für die römische Vergangenheit.

Bodenbach. Vor einem Jahr wurde das "Museum in der Landschaft - Römische Villa Bodenbach" eröffnet. Wer allerdings ein imposantes Gebäude erwartet, sucht vergeblich. Denn Ziersträucher, Hecken, Kies und bunte Blumen markieren die Konturen des Bauernhofs einer reichen römischen Familie.
Große Stangen zeigen die Höhe der Villa an. Informationstafeln liefern das nötige Hintergrundwissen, und eine große Sitzgruppe bietet Besuchern und Wanderern Rast und Erholung. Ein Konzept, das sich aus Sicht der Initiatoren bewährt hat.
"Ja, es sind viele Wanderer und auch Reisegruppen, die gezielt diese Anlage aufsuchen," berichtet der ehemalige Bodenbacher Ortsbürgermeister Günter Rätz. Er ist als Fachkundiger stets bereit, Besucher zu führen und Erläuterungen zu geben. "Man hat erkannt, dass nicht nur Bodenbach, sondern der Kelberger Raum dadurch eine herausragende Stellung in der Museumslandschaft unseres Landes eingenommen hat", sagt er - und wünscht sich, dass mehr Schulen dieses Landschaftsmuseum aufsuchen, um an Ort und Stelle römische Geschichte zu erfahren.
Petra Landsberg aus Bodenbach, die mit ihren Esel-Wanderungen rund um den Barsberg viele Thementouren anbietet, ergänzt: "Die Wanderer, hauptsächlich aus Großstädten, sind angetan von dieser Art der Darstellung. Gezielt fragen sie nach der römischen Villa, erwarten ein kolossales Gebäude, lassen sich dann aber begeistern von deren bepflanzten Umrissen."
Für 2017 plant Bodenbach die Erstellung eines mehrsprachigen Flyers und das Anlegen eines Gästebuches vor Ort, in dem die Besucher ihre Meinungen zu diesem Projekt äußern können. Daneben bestehen Pläne der Landesregierung zu einer Sonderausstellung über archäologische Schätze an Rhein und Mosel im Landesmuseum Mainz. Die Gemeinde Bodenbach hofft, dort vertreten zu sein.
Dass auf der "Ober der steinigen Heck" bei Bodenbach einst etwas Römisches errichtet war, wusste die Erzähltradition schon seit Generationen. Untersuchungen und Ausgrabungen von 2003 bis 2013 unter Leitung des Archäologen Peter Henrich führten zur Erkenntnis, dass dort eine Villa mit einer Größe von 27 mal 21 Metern stand. Sie wurde im zweiten Jahrhundert nach Christus als rein ziviler Bauernhof gebaut. Vermutlich aus Furcht vor den zunehmenden Überfällen einfallender Germanen, sicherten die Bewohner dieser Villa ihr Haupthaus mit einer Wehrmauer und drei, teilweise mehr als zwei Meter tiefen und vier Meter breiten Gräben. Eine kleine Festung, eine Besonderheit, die ganz selten westlich des Rheins zu finden ist. Um dieses für die Altertumsforschung bedeutende Anwesen auch der Öffentlichkeit präsentieren zu können, entschloss sich der Gemeinderat, den Grundriss der Villa und der Befestigungsanlage vor Ort mit einer Bepflanzung zu visualisieren. Unter dem Titel "Museum in der Landschaft" wurden die Umrisse der Villa mit einer Buchenhecke bepflanzt, Kiesbette markieren die Wehrmauern. avi
Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, wird das Areal vorgestellt.

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