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Kein Umdenken: Gerolsteiner Stadtratsfraktionen beharren auf Wiederinbetriebnahme des Hotels Calluna

Kein Umdenken: Gerolsteiner Stadtratsfraktionen beharren auf Wiederinbetriebnahme des Hotels Calluna

Kein Kurswechsel: Die Fraktionen der Stadtrats Gerolstein halten mit großer Mehrheit an der Idee einer Wiederinbetriebnahme des Hotels Calluna als Hotel fest. Und dementsprechend sind sie gegen eine Nutzungsänderung. Das hat eine TV-Umfrage ergeben. Damit sind die Pläne, dort betreutes Wohnen für Senioren anzubieten, vorerst vom Tisch. Seit dreieinhalb Jahren steht das Hotel leer. Alle bisherigen Bemühungen, es wiederzubeleben, scheiterten.

Gerolstein. Nach dem zweiten und vorerst letzten Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Daun Mitte März, bei dem kein Gebot für den seit knapp dreieinhalb Jahren leer stehenden Hotelkomplex abgegeben wurde, ist es ruhig geworden ums ehemalige Hotel Calluna. Daher hat der TV bei den Fraktionen des Gerolsteiner Stadtrats nachgefragt, wie sie sich die Zukunft des ehemaligen Hotelkomplexes vorstellen.

Die Fragen drehten sich um die künftige Nutzung sowie die Bereitschaft, Steuergeld in die Immobilie zu investieren. Zudem wollte der TV wissen, ob man sich eine Frist setze, bis wann die erwünschte Wiederinbetriebnahme spätestens erfolgen solle.
Es zeichnet sich fraktionsübergreifend der unbeirrte Wunsch ab, dass im Komplex wieder ein Hotel eröffnet wird - ungeachtet der bislang erfolglos gebliebenen Versuche die vergangenen dreieinhalb Jahre.

Damit liegt Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) mit seiner Einschätzung mutmaßlich daneben. Er hatte gesagt: "Meine Priorität lag und liegt auf einer Wiederinbetriebnahme eines Hotels. Wenn das aber nicht realisierbar ist - wonach es derzeit aussieht - werden wir nach Alternativen suchen." Denn jeder wisse: "Noch einen Winter übersteht das Haus nicht, wenn es ungenutzt bleibt."

Bei den politisch Verantwortlichen in der Stadt machte er bereits einen "Umdenkungsprozess" aus. Er sagte: "Ich denke, dass das sture Beharren auf der Hotelidee aufgegeben und sich schon bald mehrheitlich für eine Nutzungsänderung ausgesprochen wird - auch wenn noch Überzeugungsarbeit notwendig ist." Der bereits angedachten und mit potenziellen Betreibern diskutierten Idee von betreutem Wohnen für Senioren samt öffentlichem Café/Bistro einerseits, und einer Zimmervermietung für Urlauber/Handwerker andererseits konnte er Positives abgewinnen. Bongartz sagte: "Das wäre eine Nutzung, die der Allgemeinheit zugutekäme und auch touristischen Wert hätte."
Dass diese Idee nun aber vorerst wieder vom Tisch ist, hat nicht nur mit der ablehnenden Haltung der Stadtratsfraktionen zu tun.

Auch der Gerolsteiner Projektentwickler Klaus Dahm, der die Umnutzung realisieren und damit auch Geld verdienen wollte, hat nun seine Arbeit eingestellt. Wegen der, wie er sagte, "Blockade" der Stadt, die sich weiterhin gegen eine Nutzungsänderung sträubt. Für ihn ist das die "Verkennung der Realität". Denn an die Wiederaufnahme eines Hotelbetriebs sei nicht zu denken, "sonst wäre das in den letzten dreieinhalb Jahren ja passiert", hatte er mehrfach gesagt. Und dann ist da nach wie vor das zentrale Problem der Eigentumsverhältnisse: Der Komplex ist auf rund ein Dutzend Eigentümer aufgeteilt, einer davon ist Dahm. Und alle potenziellen Betreiber - ob Hoteliers oder Sozialanbieter - sagen unisono: Es wird nur mit einem Partner verhandelt.Meinung

Nichts als Träume
Während Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) so langsam die Hoffnung aufgegeben hat, dass das Calluna als Hotel wiedereröffnet, hängt der Großteil des Stadtrats weiter an diesem Traum. Wieso? Vermutlich, weil es das Beste für die Stadt wäre, wenn dort wieder jährlich Tausende Gäste ein- und ausgingen und in den Geschäften und Restaurants der Stadt Geld ausgeben würden. Nur: Mit der Realität hat das wenig zu tun. Das haben die vergangenen dreieinhalb Jahre gezeigt. Einige der "Interessenten" hatten finanziell nichts drauf. Andere haben rasch gemerkt, dass mit dem Hotel nicht der schnelle Euro gemacht werden kann, da hoher Sanierungsbedarf herrscht. Wer dann noch übrig war, den haben die vertrackten Eigentumsverhältnisse das Weite suchen lassen. Mit jedem Tag, der weiter den Hotelträumen nachgehangen wird, wird es teurer und die Chance geringer, das Haus - wie auch immer - wiederzubeleben. m.huebner@volksfreund.de