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Kultur: Keine Ablenkung von der literarischen Arbeit

Kultur : Keine Ablenkung von der literarischen Arbeit

Die seit 1994 in der Vulkaneifel lebende frühere Grundschullehrerin Barbara Hundgeburt ist seit vielen Jahren schriftstellerisch tätig. Nun wurde sie für ein Kapitel aus ihrem noch unveröffentlichten Romandebüt zweifach ausgezeichnet.

(bb) „Wir werden geboren, um uns zu entfalten“ – Wenn Barbara Hundgeburt diesen Satz sagt, räumt sie ein, dass es sich dabei um eine Erfahrung handelt, die sie selbst in ihrem eigenen Leben mehrfach mühsam gesammelt habe. Gleichzeitig sei es die Erkenntnis, die sie ihrem Roman mit dem Arbeitstitel „Die Nachricht kam am Abend“ zugrunde gelegt habe. Die Anfänge dieses Werks fallen zeitlich zwischen die vier bisherigen Veröffentlichungen (siehe Info) im Jahr 2003. Dann ruhte die Arbeit. Den größten Teil des 238 Seiten Manuskripts schrieb Barbara Hundgeburt 2015 bis 2017. „In diesen Jahren habe ich kategorisch jeden Vormittag am Schreibtisch gesessen und geschrieben“, erzählt sie und sagt: „Es gibt nichts Schöneres für mich als diese Stunden.“

Die 75-Jährige war 1943 in Prag geboren worden und später als Grundschullehrerin tätig gewesen. 1994 kam sie in die Vulkaneifel, lebte zunächst in Üxheim, inzwischen in Niederehe. Dort findet ihre literarische Arbeit in einer Stube im Obergeschoss statt. Vom Schreibtisch aus blickt sie in die Zweige von Tannen, die in ihrem Garten stehen. „Da lenkt nichts ab“, begründet sie die Wahl des Schreibtisch-Standorts. Sie deutet auf Berge von Blättern aus Papier, die einer ganz persönlichen Ordnung unterliegen. Vergilbte sind darunter und schneeweiße, mit dem Bleistift beschriebene, mit Maschinenschrift bedruckte und von Hand korrigierte, schließlich druckfertige. Jede Buchseite wird also mehrmals geschrieben? „Ja, und am Ende ähneln die Blätter den Jahresringen von Bäumen“, erklärt sie.

„Die Nachricht kam am Abend“ soll das Buch heißen – nach einem Satz, der im ersten der 32 Kapitel steht: „Der Satz hält eine ganze Geschichte in seinen Armen“. Im Mittelpunkt steht das Schicksal, das die Protagonistin Friederike in drastischer Form ereilt. Immer wieder wird der Leser persönlich direkt angesprochen. Mit der Schlussfrage „Leser, warst auch Du unterwegs?“ wird deutlich, dass die Autorin, die handelnden Personen und der Leser in dem Roman ein Stück des Weges gemeinsam gegangen sind. Noch bevor das Manuskript 2019 verlegt werden soll, hat die Autorin sich mit dem Kapitel „Für Amelie“ am Bad Godesberger Literaturwettbewerb beteiligt. Warum die Jury sie aus den Reihen der etwa 500 Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum unter die elf Gewinner hob, mag an der Erzählidee und der Komposition ebenso liegen wie an der bildhaften Sprache. Es brachte ihr den zweiten Preis ein. Am Abend der Preisverleihung las Barbara Hundgeburt eine Passage aus dem Amelie-Kapitel. Dafür erhielt sie zusätzlich den Publikumspreis.