Keine Angst vor wilden Nächten in der Eifel

Keine Angst vor wilden Nächten in der Eifel

DAUN. Vom Pilotprojekt zur Dauereinrichtung wird das Jugendtaxi im Kreis Daun 2006. Den Jugendlichen gefällt es; auch den Eltern, Unternehmern, Sponsoren und Kommunalpolitikern. Die Polizei spricht von "Beruhigung" und hofft auf noch stärkere Nutzung des Angebots.

"Ich find das Jugendtaxi top", meint Markus. Die Clique des 18-Jährigen nutzt die günstige Möglichkeit zur Heimfahrt häufig. Sein Kumpel David (17) meint: "Außerdem entlastet das auch unsere Eltern." Dieter Grau, Chef der Kreissparkasse Daun, gibt den Jungs Recht. Der zweifache Vater sagt: "Ich schlafe ruhiger, seitdem die Kinder sich auf das Jugendtaxi verlassen können." Die Kreissparkasse ist der Hauptsponsor des Jugendtaxis. Mit 10 000 Euro im Jahr wird die Hälfte der Kosten gedeckt. Von den restlichen 50 Prozent übernimmt der Kreis die Hälfte; die fünf Verbandsgemeinden übernehmen den Rest. Bankdirektor Grau verspricht: "Wir werden weiterhin mindestens in dieser Größenordnung dabei sein."Die Zahl der Verletzten ist geringer geworden

Seit Beginn des Pilotprojekts Anfang 2004 haben 16 000 Jugendliche das Jugendtaxi genutzt. Jeder Fahrgast bis 21 Jahre erhält zwei Euro Nachlass auf den Fahrpreis. Dafür trägt sich der Jugendliche in eine Liste ein, die der Taxiunternehmer der Kreisverwaltung zur Kostenregulierung vorlegt. Der Kreis Daun ging Anfang 2004 einen neuen Weg, weil das Jugendtaxi kreisweit eingerichtet wurde. Günther Willwer, Leiter des Ordnungsamts der Kreisverwaltung, erklärt: "Es gibt einige Jugendtaxis im Land, aber keines agiert kreisweit. Die meisten wurden in größeren Städten oder in Verbandsgemeinden eingerichtet." Nach seinen Informationen soll in der nächsten Zeit ein Nachahmer-Modell im Nachbarkreis Bitburg-Prüm installiert werden. Im Kreis Daun wird nach Beschluss des Kreistags das Jugendtaxi ab 2006 zur Dauereinrichtung. Landrat Heinz Onnertz sagte: "Damit bauen wir die abstrakte Gefährdung der wilden Nächte in der Eifel ab." Gerade im ländlichen Raum sei die Mobilität von Jugendlichen ein wichtiges Thema. Alkohol, Drogen, zu hohe Geschwindigkeit und mangelnde Fahrpraxis seien gerade bei jungen Fahrern die häufigsten Unfallursachen. Heinz-Peter Thiel, Chef der Dauner Polizeiinspektion, gab keine Entwarnung. Der Kriminalhauptkommissar sagte: "Das Jugendtaxi hat sich etabliert und sorgt für eine Beruhigung der Situation. Wir hoffen aber auf eine noch stärkere Nutzung." In der zweijährigen Projektphase seien die Unfallzahlen zuerst fallend, aber derzeit wieder leicht ansteigend. Im Jahr 2003 waren die Unfälle mit Beteiligung von jungen Fahrern bis 24 Jahre um 70 - von 640 auf 570 - gesunken. Die Anzahl der verletzten Mitfahrer habe sich von 36 im Jahr 2003 auf mittlerweile 25 reduziert. Täglich ereignen sich im Kreis Daun sieben Unfälle, bei dreien gibt es Verletzte, und davon ist durchschnittlich einer ein junger Erwachsener. Donnerstags bis Sonntags würden die meisten Unfälle der jungen Fahrer passieren. Die Regelung des Jugendtaxis gilt für Freitag- und Samstagnacht, in Nächten vor gesetzlichen Feiertagen sowie in der Karnevalszeit von Weiberdonnerstag bis Aschermittwoch. Neun Taxiunternehmer beteiligen sich an der Aktion. Taxifahrer Markus Berns erklärt: "Anfangs waren wir skeptisch, aber es funktioniert gut." Der Großteil der Jugendlichen würde sich sehr anständig benehmen. Ausreißer würde es in jeder Altersgruppe geben. Matthias Pauly, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein und Kreisvorsitzender des Gemeinde- und Städtebunds, bilanzierte: "Mit einem Beitrag von nur zwei Euro wurde in vielen Köpfen was angestoßen. Mit der regionalen Wirtschaft, sprich den Taxiunternehmer und dem Sponsor, wurde Hand in Hand ein Mehr erreicht." Doch dabei soll es nicht bleiben. Willwer sagt: "Wir überlegen derzeit, uns auch über die Kreisgrenze hinaus zu öffnen." Aus der Verbandsgemeinde Kelberg würde häufig das Jugendtaxis in Richtung Mayen genutzt, und die Verbandsgemeinde Ulmen überlege auch die Einrichtung eines Jugendtaxis.

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